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    Glosse: Kaufen mit Kafka

    Irgendjemand musste Josef B. verraten haben, denn ohne dass einen Grund gab, sollte er eines Morgens einkaufen gehen. Seine Frau stand bereits wartend in der Küche, als er, noch in den Morgenmantel gehüllt, die Treppe hinabstieg, um wie an jedem Tag sein Frühstück einzunehmen. „Gehen wir.“ – „Moment mal: Warum?“ Den Grund werde er zu gegebener Zeit erfahren. Er wolle sich ankleiden und sie dann begleiten. Jeder Widerstand verlängere den Prozess nur unnötig und wirke sich negativ auf dessen Ergebnis aus. Es sei nur zu seinem Vorteil, wenn er sie umgehend begleite. Josef B. lächelte. Das Missverständnis würde sich sicher bald aufklären. So ging er festen Schrittes neben seiner Frau in ein Berliner Einkaufszentrum. Das Schloss. Dort merkte Josef B., dass er nicht alleine war. Was vordergründig zu seiner Beruhigung führte, verstärkte in ihm bald das Gefühl der Ohnmacht. Er blickte auf die Uhr im Schloss, doch sie hatte keine Zeiger. „Wann bist Du denn fertig?“ Die Frau antwortete, es stünde ihm nicht zu, den Zeitpunkt zu erfahren, er solle sich gedulden. Josef B. versuchte es mit Flucht über die Rolltreppe. Doch unten standen zwei Herren in dunkelblauem Anzug, die Josef B. vergeblich um Ausgang aus dem Geschäft bat. „Wir sind die Hüter des Geschäfts. Gehen Sie zurück zu Ihrer Frau.“ Diese hatte bereits einen Stapel an Paketen und Päckchen um sich angehäuft und rief Josef B. zu sich. Er verstand, dass es sich um Einkäufe handelte, die er nun zur Kasse bringen sollte. Dort wartete eine junge Dame und schob ein Schild vor die auf dem Band liegenden Einkäufe: „Diese Kasse war nur für die Anderen bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe sie.“ Die Dame drehte sich von Josef B. weg, so wie jemand, der mit seinen Tageseinnahmen alleine sein will. Josef Bordat

    Irgendjemand musste Josef B. verraten haben, denn ohne dass einen Grund gab, sollte er eines Morgens einkaufen gehen. Seine Frau stand bereits wartend in der Küche, als er, noch in den Morgenmantel gehüllt, die Treppe hinabstieg, um wie an jedem Tag sein Frühstück einzunehmen. „Gehen wir.“ – „Moment mal: Warum?“ Den Grund werde er zu gegebener Zeit erfahren. Er wolle sich ankleiden und sie dann begleiten. Jeder Widerstand verlängere den Prozess nur unnötig und wirke sich negativ auf dessen Ergebnis aus. Es sei nur zu seinem Vorteil, wenn er sie umgehend begleite. Josef B. lächelte. Das Missverständnis würde sich sicher bald aufklären. So ging er festen Schrittes neben seiner Frau in ein Berliner Einkaufszentrum. Das Schloss. Dort merkte Josef B., dass er nicht alleine war. Was vordergründig zu seiner Beruhigung führte, verstärkte in ihm bald das Gefühl der Ohnmacht. Er blickte auf die Uhr im Schloss, doch sie hatte keine Zeiger. „Wann bist Du denn fertig?“ Die Frau antwortete, es stünde ihm nicht zu, den Zeitpunkt zu erfahren, er solle sich gedulden. Josef B. versuchte es mit Flucht über die Rolltreppe. Doch unten standen zwei Herren in dunkelblauem Anzug, die Josef B. vergeblich um Ausgang aus dem Geschäft bat. „Wir sind die Hüter des Geschäfts. Gehen Sie zurück zu Ihrer Frau.“ Diese hatte bereits einen Stapel an Paketen und Päckchen um sich angehäuft und rief Josef B. zu sich. Er verstand, dass es sich um Einkäufe handelte, die er nun zur Kasse bringen sollte. Dort wartete eine junge Dame und schob ein Schild vor die auf dem Band liegenden Einkäufe: „Diese Kasse war nur für die Anderen bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe sie.“ Die Dame drehte sich von Josef B. weg, so wie jemand, der mit seinen Tageseinnahmen alleine sein will. Josef Bordat