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    Glosse: Journalismus von morgen

    Sehr geehrter Herr Chefredakteur, kürzlich las ich in einer Zeitung, dass es den Amerikanern Ross Goodwin und Oscar Sharp gelungen ist, ein Computerprogramm zu entwickeln, das selbstständig Drehbücher schreibt. Wenn ein PC dazu in der Lage ist, ein verwendbares Skript für einen Film herzustellen, dann muss das auch im Journalismus möglich sein. Goodwin, der sich in seinem Internetauftritt als „kreativen Techniker, Informatiker mit Uni-Abschluss und ehemaligen Schreiber von Horror-Stories für die Obama-Administration“ bezeichnet, und Sharp, der das Handwerk eines Regisseurs gelernt hat, haben ihren Drehbuch-Roboter liebevoll „Benjamin“ getauft. Seine Chefs füttern ihn mit einer kurzen Geschichte, drücken auf einen Knopf und schon laufen seine kleinen grauen Zellen zur Hochform auf. „Am Anfang waren seine Texte etwas seltsam – eine Mischung aus Phantasien, die von jemanden zu stammen schienen, der gehörig einen über den Durst getrunken hat, und einer absurden Poetik, die nicht ohne fremdartige Schönheit war, aber heute sind sie nahezu perfekt“, berichten die beiden Amerikaner.

    Sehr geehrter Herr Chefredakteur, kürzlich las ich in einer Zeitung, dass es den Amerikanern Ross Goodwin und Oscar Sharp gelungen ist, ein Computerprogramm zu entwickeln, das selbstständig Drehbücher schreibt. Wenn ein PC dazu in der Lage ist, ein verwendbares Skript für einen Film herzustellen, dann muss das auch im Journalismus möglich sein. Goodwin, der sich in seinem Internetauftritt als „kreativen Techniker, Informatiker mit Uni-Abschluss und ehemaligen Schreiber von Horror-Stories für die Obama-Administration“ bezeichnet, und Sharp, der das Handwerk eines Regisseurs gelernt hat, haben ihren Drehbuch-Roboter liebevoll „Benjamin“ getauft. Seine Chefs füttern ihn mit einer kurzen Geschichte, drücken auf einen Knopf und schon laufen seine kleinen grauen Zellen zur Hochform auf. „Am Anfang waren seine Texte etwas seltsam – eine Mischung aus Phantasien, die von jemanden zu stammen schienen, der gehörig einen über den Durst getrunken hat, und einer absurden Poetik, die nicht ohne fremdartige Schönheit war, aber heute sind sie nahezu perfekt“, berichten die beiden Amerikaner.

    Versuchen wir einen Blick in die Zukunft zu werfen. Im Herbst sind Bundestagswahlen angesagt, ein Bericht ist geplant. In Ihrer Eigenschaft als Chef der Zeitung stellen Sie Benjamin ein paar Stichworte zur Verfügung: soziale Gerechtigkeit, Flüchtlingskrise ... – eben, was Merkel, Schulz und Konsorten so loslassen. Ihre Originalbeiträge dürften dem frühen Stadium von Benjamin entsprechen, doch dann legt er los. Er verwandelt sie in zauberhafte Poesie, messerscharfe Dialektik, visionäre Zukunftsentwürfe. Unsere Leser werden begeistert sein. Wir sollten uns diese Chance, innovativ zu werden, nicht entgehen lassen. Mit besten Grüßen, Ihr Michael Ludwig