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    Glosse: Hauptsache Superlativ

    Das sportliche Motto „höher, weiter, schneller“ ist zwar keine Lüge, aber es verbirgt jemanden: den Superlativ. Denn das Höchste, Weiteste, Schnellste ist in Wahrheit das Ziel derer, die sich dem Streben nach irdischen Maßstäben verschrieben haben. Die Welt des Sports hat der Superlativ im Zeichen des Rekords schon so fest im Griff, dass auch unrechtmäßige Mittel recht sind, um einen alten zu brechen. Die Leistung zählt weniger als das Ergebnis: Ob Siegertreppchen, Medaille oder Ruhm, Hauptsache Superlativ.

    Das sportliche Motto „höher, weiter, schneller“ ist zwar keine Lüge, aber es verbirgt jemanden: den Superlativ. Denn das Höchste, Weiteste, Schnellste ist in Wahrheit das Ziel derer, die sich dem Streben nach irdischen Maßstäben verschrieben haben. Die Welt des Sports hat der Superlativ im Zeichen des Rekords schon so fest im Griff, dass auch unrechtmäßige Mittel recht sind, um einen alten zu brechen. Die Leistung zählt weniger als das Ergebnis: Ob Siegertreppchen, Medaille oder Ruhm, Hauptsache Superlativ.

    Der ist auch aus der täglichen Schlagzeilenproduktion nicht wegzudenken. Weil er jedoch nicht immer gleich zur Stelle ist, helfen Redakteure schon mal nach. Eine süddeutsche Zeitung macht es so: Sie erfindet ein neues Wort, zum Beispiel den „Pop-Malocher“, das sie dann nur noch mit einem unsteigerbaren Attribut zu verbinden braucht, und fertig ist Herbert Grönemeyer als der größte Pop-Malocher. Natürlich tritt der Superlativ nicht immer direkt ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Schamhaft verbirgt er sich etwa hinter der Wendung „Jahrhundertflut“, die nicht zu toppen ist, außer durch die bereits gesichtete „Jahrtausendflut“, die noch weniger zu toppen ist. Aber wer weiß. In der Werbung ist sowieso alles super oder was, um nicht zu sagen „superst“. Um den Verbrauchern einen simplen Schokoriegel besonders ans Herz zu legen, veredelt man ihn sprachlich zur „Praline“. Weil das aber keiner glauben würde, wird er in Kombination mit „vermeintlich“ einfach als weltweit längste Praline angepriesen.

    Diese Superlativseligkeit hat natürlich auch ihre Grenzen. Denn so super er sonst ist: Der Superlativ ist höchstens suboptimal. Mit ihm muss man sich nämlich endgültig begnügen. Mehr als er geht nicht. Vor allem: Nach ihm geht es nur noch bergab. Bernhard Huber