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    Glosse: Grübeln über Grüße

    Geht's Ihnen auch so? Manchmal schickt Ihnen jemand eine Geschäftsmail, die mit der Grußformel „Mit herzlichen Grüßen“ endet. Nanu, wundert man sich. Warum so emotional, wenn's auch nüchtern geht? Doch das ist nicht alles. Sehr beliebt – gerade in katholischen Kreisen – ist die Formulierung „Herzlichst“ am Ende eines Schreibens, bei der man das Herz des virtuellen Gegenübers fast schon platzen hört vor positiven Gefühlen, maximaler Herzensverbundenheit. Verdächtig. Angenehm kühl dagegen ist die „Beste Grüße“-Variante, die Sympathien dokumentiert, aber auch etwas Distanz. Was aber, wenn jemand, der sich einst mit „herzlichen Grüßen“ zu verabschieden neigte, plötzlich „mit lieben Grüßen“ auftritt? Erkaltete Zuneigung, spröde Distanz oder was steckt dahinter? Mal abgesehen von der Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, Grüße in der Pluralform zu versenden. „Viele Grüße“. Wieviele? In jedem Fall wohl mehr als in der heute auch sehr beliebten Abkürzung „mfG“ (mit freundlichem Gruß) spürbar wird, die so kurz und kalt ist, dass man sie sich eigentlich auch sparen könnte. Und wie darf man einen „Gruß“ ohne Adjektiv interpretieren? Zweck- und zielorientiert ohne manieristische Ablenkung? Emotional unreif? Für Christen unakzeptabel? „Mit christlichen Grüßen“ schlägt ein befreundeter Schriftsteller als Lösung vor – sozusagen als pragmatische Alltagsversion von „Friede sei mit Dir“. „Achtsame Grüße“ wirken dagegen wohl zu esoterisch oder buddhistisch. Was wäre Ihr Vorschlag? meetschen@die-tagespost.de Hochachtungsvoll, Stefan Meetschen

    Geht's Ihnen auch so? Manchmal schickt Ihnen jemand eine Geschäftsmail, die mit der Grußformel „Mit herzlichen Grüßen“ endet. Nanu, wundert man sich. Warum so emotional, wenn's auch nüchtern geht? Doch das ist nicht alles. Sehr beliebt – gerade in katholischen Kreisen – ist die Formulierung „Herzlichst“ am Ende eines Schreibens, bei der man das Herz des virtuellen Gegenübers fast schon platzen hört vor positiven Gefühlen, maximaler Herzensverbundenheit. Verdächtig. Angenehm kühl dagegen ist die „Beste Grüße“-Variante, die Sympathien dokumentiert, aber auch etwas Distanz. Was aber, wenn jemand, der sich einst mit „herzlichen Grüßen“ zu verabschieden neigte, plötzlich „mit lieben Grüßen“ auftritt? Erkaltete Zuneigung, spröde Distanz oder was steckt dahinter? Mal abgesehen von der Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, Grüße in der Pluralform zu versenden. „Viele Grüße“. Wieviele? In jedem Fall wohl mehr als in der heute auch sehr beliebten Abkürzung „mfG“ (mit freundlichem Gruß) spürbar wird, die so kurz und kalt ist, dass man sie sich eigentlich auch sparen könnte. Und wie darf man einen „Gruß“ ohne Adjektiv interpretieren? Zweck- und zielorientiert ohne manieristische Ablenkung? Emotional unreif? Für Christen unakzeptabel? „Mit christlichen Grüßen“ schlägt ein befreundeter Schriftsteller als Lösung vor – sozusagen als pragmatische Alltagsversion von „Friede sei mit Dir“. „Achtsame Grüße“ wirken dagegen wohl zu esoterisch oder buddhistisch. Was wäre Ihr Vorschlag? meetschen@die-tagespost.de Hochachtungsvoll, Stefan Meetschen