• aktualisiert:

    Glosse: Gottesdienste ohne Gott

    Ludwig Marcuse nannte den Atheismus eine „höchst fragwürdige Ungebundenheit“, für Jean-Paul Sartre war der Glaube daran, dass es Gott nicht gibt, ein „grausames und langwieriges Unterfangen“. Dies könnte erklären, wieso moderne Atheisten zurzeit so emsig auf der Suche nach gemeinsamen Ritualen und emotionaler Geborgenheit sind – in Großbritannien und Amerika jedenfalls boomen gegenwärtig sogenannte „Sunday Assemblies“ (Sonntagsversammlungen), bei denen Atheisten in säkularisierten Kirchen oder anderen Versammlungsräumen zusammenkommen, um gemeinsam zu feiern. Mit Liedern und Geschichten, Meditation und Kollekte. Wobei die Frage, was es für Atheisten eigentlich zu feiern gibt, noch nicht ausreichend geklärt zu sein scheint. Geht es nach dem Initiator der Bewegung, dem Londoner Komiker Sanderson Jones, so feiern die sich versammelnden Atheisten „das Leben“ selbst. Ohne Gott und ohne Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Frei nach dem Motto: „Wir sind aus Nichts geboren und gehen ins Nichts.“ New Yorker Atheisten war das nicht radikal genug. Die dortige Versammlung hat sich von der Londoner Bewegung abgespalten (das erste atheistische Schisma!), um die Sonntags-Feierlichkeiten fortan stärker auf den Atheismus zu konzentrieren. Ob die Bewegung auch in Deutschland Chancen hätte? Vermutlich nicht. Das Bedürfnis nach gottfreien Gemeinschafts-Versammlungen am Sonntag wird hierzulande bereits von einigen offiziell christlichen Gottesdienstanbietern bestens abgedeckt. Stefan Meetschen

    Ludwig Marcuse nannte den Atheismus eine „höchst fragwürdige Ungebundenheit“, für Jean-Paul Sartre war der Glaube daran, dass es Gott nicht gibt, ein „grausames und langwieriges Unterfangen“. Dies könnte erklären, wieso moderne Atheisten zurzeit so emsig auf der Suche nach gemeinsamen Ritualen und emotionaler Geborgenheit sind – in Großbritannien und Amerika jedenfalls boomen gegenwärtig sogenannte „Sunday Assemblies“ (Sonntagsversammlungen), bei denen Atheisten in säkularisierten Kirchen oder anderen Versammlungsräumen zusammenkommen, um gemeinsam zu feiern. Mit Liedern und Geschichten, Meditation und Kollekte. Wobei die Frage, was es für Atheisten eigentlich zu feiern gibt, noch nicht ausreichend geklärt zu sein scheint. Geht es nach dem Initiator der Bewegung, dem Londoner Komiker Sanderson Jones, so feiern die sich versammelnden Atheisten „das Leben“ selbst. Ohne Gott und ohne Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Frei nach dem Motto: „Wir sind aus Nichts geboren und gehen ins Nichts.“ New Yorker Atheisten war das nicht radikal genug. Die dortige Versammlung hat sich von der Londoner Bewegung abgespalten (das erste atheistische Schisma!), um die Sonntags-Feierlichkeiten fortan stärker auf den Atheismus zu konzentrieren. Ob die Bewegung auch in Deutschland Chancen hätte? Vermutlich nicht. Das Bedürfnis nach gottfreien Gemeinschafts-Versammlungen am Sonntag wird hierzulande bereits von einigen offiziell christlichen Gottesdienstanbietern bestens abgedeckt.