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    Glosse: Für 'n App und 'n Ei

    Das Ei hat in den vergangenen Jahren einen wahrlich seltsamen Wandel durchgemacht. Früher war es vor allem ein preiswertes Nahrungsmittel, von dem jeder Bundesbürger statistisch gesehen mehr als 200 Stück pro Jahr verdrückte. Und es gab den schönen Osterbrauch, dass Eltern und Großeltern im Garten oder unter dem Sofakissen Eier versteckten und dann stundenlang dabei zuschauten, wie ihre Kinder und Enkel unter den scheinbar widersinnigen Anfeuerungsrufen „heiß“ und „kalt“ versuchten, die begehrten Objekte zu finden, bevor jemand drauftrat oder sich gar draufsetzte. Doch heute, in Zeiten sinkender Geburtenraten und einer folglich zunehmenden Vereinzelung der Gesellschaft, ist das Ei weniger ein Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens, sondern vielmehr das Symbol der Symbole: iPhone, iPad und iPod gleichen sich phonetisch zwar wie ein Ei dem anderen, gleichwohl gelten all diese iGeräte als iAusdruck höchster iIndividualität. Logisch, dass auch ihr gemeinsames Markenzeichen – ein abgebissener Apfel – längst nicht mehr das symbolisiert, was man früher einmal mit einem Apfel verband. Vor den iZeiten steckten in einem Apfel vor allem Vitamine, manchmal auch ein Wurm. Die iÄpfel dagegen sind vollgestopft mit Programmen, die man Apps nennt und mit denen man alles Mögliche machen kann: Zeitung lesen, Radio hören, navigieren, Sudoku spielen, Lieder komponieren, Freunde, Restaurants und Straßen finden. Ja, es gibt Apps, die als Wasserwaage dienen oder als Laufcomputer oder als Fahrkartenautomat, andere gerieren sich als Batterieanzeige, Taschenlampe oder Mikrophon. Und dann gibt es da noch die iApp – sie überwacht, was alle anderen Apps den lieben langen Tag so machen. Kostet nichts – ist alles für 'n App und 'n Ei. Andreas Wodok

    Das Ei hat in den vergangenen Jahren einen wahrlich seltsamen Wandel durchgemacht. Früher war es vor allem ein preiswertes Nahrungsmittel, von dem jeder Bundesbürger statistisch gesehen mehr als 200 Stück pro Jahr verdrückte. Und es gab den schönen Osterbrauch, dass Eltern und Großeltern im Garten oder unter dem Sofakissen Eier versteckten und dann stundenlang dabei zuschauten, wie ihre Kinder und Enkel unter den scheinbar widersinnigen Anfeuerungsrufen „heiß“ und „kalt“ versuchten, die begehrten Objekte zu finden, bevor jemand drauftrat oder sich gar draufsetzte. Doch heute, in Zeiten sinkender Geburtenraten und einer folglich zunehmenden Vereinzelung der Gesellschaft, ist das Ei weniger ein Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens, sondern vielmehr das Symbol der Symbole: iPhone, iPad und iPod gleichen sich phonetisch zwar wie ein Ei dem anderen, gleichwohl gelten all diese iGeräte als iAusdruck höchster iIndividualität. Logisch, dass auch ihr gemeinsames Markenzeichen – ein abgebissener Apfel – längst nicht mehr das symbolisiert, was man früher einmal mit einem Apfel verband. Vor den iZeiten steckten in einem Apfel vor allem Vitamine, manchmal auch ein Wurm. Die iÄpfel dagegen sind vollgestopft mit Programmen, die man Apps nennt und mit denen man alles Mögliche machen kann: Zeitung lesen, Radio hören, navigieren, Sudoku spielen, Lieder komponieren, Freunde, Restaurants und Straßen finden. Ja, es gibt Apps, die als Wasserwaage dienen oder als Laufcomputer oder als Fahrkartenautomat, andere gerieren sich als Batterieanzeige, Taschenlampe oder Mikrophon. Und dann gibt es da noch die iApp – sie überwacht, was alle anderen Apps den lieben langen Tag so machen. Kostet nichts – ist alles für 'n App und 'n Ei.