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    Glosse: Fränkischer Exportschlager

    Manche Menschen bekommen einfach zu selten Komplimente. Den Franken etwa ist der Verzicht auf sie längst zur zweiten Natur geworden, gilt unter Ihresgleichen doch die Formel: „ned gschimbfd is globd gnuuch“, was auf Hochdeutsch so viel heißt, wie „nicht geschimpft ist genug gelobt“. Andere können damit nur schwer umgehen. Der Sachse Friedrich Nietzsche (1844–1900) etwa hat Zeit seines Lebens darunter gelitten, dass seine eigene Bedeutsamkeit, die ihn bisweilen zu Tränen der Rührung verleitete, vielen Zeitgenossen verborgen blieb. In seiner Autobiografie „Ecce homo“ hat er deshalb statt mit dem Zaunpfahl gleich mit dem ganzen Zaun gewunken und einzelne Kapitel mit Überschriften wie „Warum ich so weise bin“, „Warum ich so klug bin“ oder auch „Warum ich so gute Bücher schreibe“ versehen. Ganz ähnlich verhält es sich auch bei Donald Trump. Auch der 45. US-Präsident der USA leidet darunter, dass außer ihm selbst kaum jemand von seiner Genialität Notiz zu nehmen bereit ist. Deshalb sagt er regelmäßig Sätze wie: „Es war die größte Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat“, „Ich habe ein gewinnendes Naturell“ oder auch „Putin hat recht: Ich bin ein brillanter, kluger Kopf.“ Wer des fremden Lobes derart entwöhnt ist, dass er den Kremlchef als Referenz anführt, kann natürlich auch schon einmal patzen, wenn er plötzlich jemandem anders als sich selbst ein Kompliment machen soll. Und fragt dann, wenn er etwa der 64-jährigen Frau des 24 Jahre jüngeren französischen Staatspräsidenten gegenübersteht, eben nicht „Madame, wie verkraften die Franzosen eigentlich soviel Elegance?“, sondern sagt Sätze wie: „You know, you're in such good shape“ (dt: „Wissen Sie, Sie sind gut in Form“). Darum merke: Wer des Fremdschämens müde ist, darf ruhig darüber nachdenken, ob alle Lebensgewohnheiten der Franken gleichermaßen auch als Exportschlager taugen. Sebastian Sander

    Manche Menschen bekommen einfach zu selten Komplimente. Den Franken etwa ist der Verzicht auf sie längst zur zweiten Natur geworden, gilt unter Ihresgleichen doch die Formel: „ned gschimbfd is globd gnuuch“, was auf Hochdeutsch so viel heißt, wie „nicht geschimpft ist genug gelobt“. Andere können damit nur schwer umgehen. Der Sachse Friedrich Nietzsche (1844–1900) etwa hat Zeit seines Lebens darunter gelitten, dass seine eigene Bedeutsamkeit, die ihn bisweilen zu Tränen der Rührung verleitete, vielen Zeitgenossen verborgen blieb. In seiner Autobiografie „Ecce homo“ hat er deshalb statt mit dem Zaunpfahl gleich mit dem ganzen Zaun gewunken und einzelne Kapitel mit Überschriften wie „Warum ich so weise bin“, „Warum ich so klug bin“ oder auch „Warum ich so gute Bücher schreibe“ versehen. Ganz ähnlich verhält es sich auch bei Donald Trump. Auch der 45. US-Präsident der USA leidet darunter, dass außer ihm selbst kaum jemand von seiner Genialität Notiz zu nehmen bereit ist. Deshalb sagt er regelmäßig Sätze wie: „Es war die größte Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat“, „Ich habe ein gewinnendes Naturell“ oder auch „Putin hat recht: Ich bin ein brillanter, kluger Kopf.“ Wer des fremden Lobes derart entwöhnt ist, dass er den Kremlchef als Referenz anführt, kann natürlich auch schon einmal patzen, wenn er plötzlich jemandem anders als sich selbst ein Kompliment machen soll. Und fragt dann, wenn er etwa der 64-jährigen Frau des 24 Jahre jüngeren französischen Staatspräsidenten gegenübersteht, eben nicht „Madame, wie verkraften die Franzosen eigentlich soviel Elegance?“, sondern sagt Sätze wie: „You know, you're in such good shape“ (dt: „Wissen Sie, Sie sind gut in Form“). Darum merke: Wer des Fremdschämens müde ist, darf ruhig darüber nachdenken, ob alle Lebensgewohnheiten der Franken gleichermaßen auch als Exportschlager taugen. Sebastian Sander