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    Glosse: Eltern haften für ihre Kinder

    „Baustelle: betreten verboten. Eltern haften für ihre Kinder.“ Als Kinder haben wir Schilder mit dieser Aufschrift mit Vorliebe missachtet. Kein Bauzaun war hoch genug, um nicht doch überwunden zu werden. Notfalls per Räuberleiter. Wobei dann nicht bloß die geöffneten, auf Hüfthöhe ineinander verschränkten Hände, sondern auch die Schultern und bisweilen sogar der Kopf eines Kameraden kurzweilig zweckentfremdet wurden und als Sprossen zu dienen hatten. Dennoch wäre uns nie in den Sinn gekommen, zu bestreiten, dass die Aufsichtspflicht von Eltern an und für sich eine kluge Einrichtung ist. Irgendwie ahnten wir, dass wir uns nicht in sämtlichen Belangen auf uns verlassen können, dass es zum Beispiel keine gute Idee wäre, selbst die Höhe unseres Taschengeldes festzulegen oder die Uhrzeit zu bestimmen, zu der wir den Tag beenden und uns zu Bett begeben.

    „Baustelle: betreten verboten. Eltern haften für ihre Kinder.“ Als Kinder haben wir Schilder mit dieser Aufschrift mit Vorliebe missachtet. Kein Bauzaun war hoch genug, um nicht doch überwunden zu werden. Notfalls per Räuberleiter. Wobei dann nicht bloß die geöffneten, auf Hüfthöhe ineinander verschränkten Hände, sondern auch die Schultern und bisweilen sogar der Kopf eines Kameraden kurzweilig zweckentfremdet wurden und als Sprossen zu dienen hatten. Dennoch wäre uns nie in den Sinn gekommen, zu bestreiten, dass die Aufsichtspflicht von Eltern an und für sich eine kluge Einrichtung ist. Irgendwie ahnten wir, dass wir uns nicht in sämtlichen Belangen auf uns verlassen können, dass es zum Beispiel keine gute Idee wäre, selbst die Höhe unseres Taschengeldes festzulegen oder die Uhrzeit zu bestimmen, zu der wir den Tag beenden und uns zu Bett begeben.

    Als wir erwachsen wurden, dachten wir, Aufsichtsräte, welche die Geschäftsführungen von Unternehmen beaufsichtigen, seien an und für sich ebenfalls eine kluge Einrichtung. Bei Aktiengesellschaften, meinten wir zu wissen, schreibe das Gesetz solche sogar zwingend vor. Und weil Gesetze nun einmal von Politikern verabschiedet werden, hielten wir es sogar für eine gute Idee, dass auch Politiker in Aufsichtsräten sitzen und dort darüber wachen, dass die Unternehmen die von ihnen erlassenen Gesetze auch beachten. Der Fall des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD), der im Aufsichtsrat der Volkswagen AG sitzt, weil das von ihm (noch) regierte Land gut 20 Prozent der VW-Anteile hält, zeigt: Vermutlich haben wir uns geirrt und Politiker sitzen in Aufsichtsräten, damit die Unternehmen sie leichter beaufsichtigen können. Vielleicht irren wir auch hier und Weil hat in seiner Jugend nur einmal zu oft anderen über den Baustellenzaun geholfen. Stefan Rehder