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    Glosse: Draußen vom Walde

    Draußen vom Walde komm ich her, ich muss Euch sagen, es weihnachtet sehr. Obwohl – muss ich Euch das wirklich sagen? Als Leser dieser Zeitung gehören Sie doch zu denen im Land, die über Weihnachten und die Geburt Christ bestens informiert sind. Auch über meinen Chef, den heiligen Nikolaus, wissen Sie gut Bescheid. (Wer nicht, kann auf S. 8 und 9 noch mal nachlesen.) Das Bonifatiuswerk wirbt mit ihm, die Malteser machen sogar eine Aktion in seinem Namen. Nur mich habt Ihr völlig vergessen! Klar, wer in einer dunklen Kutte unterwegs ist, leicht gehörnt und zottelig daherkommt, steht nicht so im Mittelpunkt wie jemand, der im edlen Gewand auftritt. Wenn der Nikolaus kommt, leuchten die Augen. Jeder will ran an den Gabenteller. Man kann gar nicht genug Schuhe vor die Tür stellen. Kinder, Kinder. Ich dagegen schleppe den schweren Sack mit Schokolade, Lebkuchen und Erdnüssen und stehe mit meiner Rute von Jahr zu Jahr mehr unter Rechtfertigungsdruck. Falsche Pädagogik, mittelalterlicher Ansatz, trallerallala. Sagt nicht, Ihr wüsstet nichts davon!

    Draußen vom Walde komm ich her, ich muss Euch sagen, es weihnachtet sehr. Obwohl – muss ich Euch das wirklich sagen? Als Leser dieser Zeitung gehören Sie doch zu denen im Land, die über Weihnachten und die Geburt Christ bestens informiert sind. Auch über meinen Chef, den heiligen Nikolaus, wissen Sie gut Bescheid. (Wer nicht, kann auf S. 8 und 9 noch mal nachlesen.) Das Bonifatiuswerk wirbt mit ihm, die Malteser machen sogar eine Aktion in seinem Namen. Nur mich habt Ihr völlig vergessen! Klar, wer in einer dunklen Kutte unterwegs ist, leicht gehörnt und zottelig daherkommt, steht nicht so im Mittelpunkt wie jemand, der im edlen Gewand auftritt. Wenn der Nikolaus kommt, leuchten die Augen. Jeder will ran an den Gabenteller. Man kann gar nicht genug Schuhe vor die Tür stellen. Kinder, Kinder. Ich dagegen schleppe den schweren Sack mit Schokolade, Lebkuchen und Erdnüssen und stehe mit meiner Rute von Jahr zu Jahr mehr unter Rechtfertigungsdruck. Falsche Pädagogik, mittelalterlicher Ansatz, trallerallala. Sagt nicht, Ihr wüsstet nichts davon!

    Hätten Theodor Storm und Robert Schumann („Album für die Jugend“, op. 68, Nr. 12) mir nicht vor vielen Jahren künstlerische Denkmäler gesetzt, vermutlich wäre ich schon längst als politisch unkorrekt aus dem Brauchtum verbannt worden. Im Supermarkt komme ich eh' nicht vor. Dabei wäre heute so viel zu tun. Nicht nur mit Blick auf unartige Kinder, die ihren Eltern exorbitante Wunschzettel und schlechte Manieren zeigen. Manchmal würde ich mit meiner Rute gern durch Bundestagssitzungen und Pfarrgemeinderatstreffen, Talk- und Castingshows fegen. Doch dafür stehe ich zu fest in der Gewalt des Guten. Glück gehabt! Raue Grüße, Euer Knecht Ruprecht