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    Glosse: Die neue Bescheidenheit

    Wer an italienische Politiker denkt, verbindet mit ihnen nicht unbedingt Bescheidenheit. Der frühere Ministerpräsident und Chef der sozialistischen Partei Bettino Craxi residierte gern im teuren Hotel Raphael an der Piazza Navona, wenn er sich nicht gerade in seiner Villa in Tunesien aufhielt. Über Silvio Berlusconi muss man in dieser Hinsicht auch nicht viel Worte verlieren – dass der Lebensstil des 76-Jährigen nicht gerade für monastische Askese steht, ist bekannt. Umso erstaunlicher wirkt es daher, dass der neue römische Bürgermeister Ignazio Marino am Donnerstag dieser Woche mit dem Fahrrad zu seinem Antrittsbesuch bei Papst Franziskus einfuhr. Wobei er bei seiner Fahrt vom Kapitol zur Papstaudienz im Vatikan von drei römischen Polizisten begleitet wurde, die sich ebenfalls auf zwei Reifen fortbewegten. Nun muss man solche Ereignisse im Zeitalter der professionellen Selbstvermarktung von Politikern und empörter südeuropäischer Wutbürger andererseits mit einer gewissen Zurückhaltung genießen. Als ein Zeichen der vom Papst so sehr ersehnten neuen Bescheidenheit lässt sich diese Geste aber doch werten. Immerhin war Marino bereits zu seiner Amtseinführung Mitte Juni mit dem Fahrrad vorgefahren. Wäre es nicht schön, wenn die Partei Deutschlands, die das Rad einst populär gemacht hat, sich auch wieder öfter auf dieses setzen würde? Nicht in Berlin, das kann jeder, aber zum Besuch bei Franziskus! So ein Alpengang auf zwei Rädern freut die Natur ungemein und sorgt vielleicht sogar für nachhaltige Läuterungen. Schön wär's. Stefan Meetschen

    Wer an italienische Politiker denkt, verbindet mit ihnen nicht unbedingt Bescheidenheit. Der frühere Ministerpräsident und Chef der sozialistischen Partei Bettino Craxi residierte gern im teuren Hotel Raphael an der Piazza Navona, wenn er sich nicht gerade in seiner Villa in Tunesien aufhielt. Über Silvio Berlusconi muss man in dieser Hinsicht auch nicht viel Worte verlieren – dass der Lebensstil des 76-Jährigen nicht gerade für monastische Askese steht, ist bekannt. Umso erstaunlicher wirkt es daher, dass der neue römische Bürgermeister Ignazio Marino am Donnerstag dieser Woche mit dem Fahrrad zu seinem Antrittsbesuch bei Papst Franziskus einfuhr. Wobei er bei seiner Fahrt vom Kapitol zur Papstaudienz im Vatikan von drei römischen Polizisten begleitet wurde, die sich ebenfalls auf zwei Reifen fortbewegten. Nun muss man solche Ereignisse im Zeitalter der professionellen Selbstvermarktung von Politikern und empörter südeuropäischer Wutbürger andererseits mit einer gewissen Zurückhaltung genießen. Als ein Zeichen der vom Papst so sehr ersehnten neuen Bescheidenheit lässt sich diese Geste aber doch werten. Immerhin war Marino bereits zu seiner Amtseinführung Mitte Juni mit dem Fahrrad vorgefahren. Wäre es nicht schön, wenn die Partei Deutschlands, die das Rad einst populär gemacht hat, sich auch wieder öfter auf dieses setzen würde? Nicht in Berlin, das kann jeder, aber zum Besuch bei Franziskus! So ein Alpengang auf zwei Rädern freut die Natur ungemein und sorgt vielleicht sogar für nachhaltige Läuterungen. Schön wär's.