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    Glosse: Die Theologie der Großmütter

    Hui, war das ein Aufschrei, als Kardinal Joseph Ratzinger in einem Interviewbuch mit Messori 1985 den Teufel erklärte! Als „rätselhafte, aber reale, personale und nicht bloß symbolische Präsenz“, als „mächtige Wirklichkeit, eine unheilvolle, übermenschliche Freiheit, die sich gegen die Freiheit Gottes richtet“. Da hatte der Präfekt der Glaubenskongregation an den dogmatischen Säulen der Aufklärung gerüttelt. Die Zahl der Theologen, die sich ins (selbstverständlich finstere) Mittelalter versetzt fühlten, war Legion. Hätte Ratzinger auch noch den Glauben seiner Großmutter gegen die theologische Akrobatik deutscher Professoren ins Feld geführt, wären seine Werke wohl auf einem modernen Index gelandet. 28 Jahre später watschelt ein argentinischer Papst in ausgelatschten schwarzen Schuhen auf die Bühne der Welt und entfaltet eine ganze Dämonologie: „Wenn man Christus nicht bekennt, bekennt man die Weltlichkeit des Teufels“, knallt er den Kardinälen hin. Jeden Tag biete der Teufel Pessimismus und Verbitterung an, lehrt er am Tag darauf. Am Palmsonntag erinnert er daran, dass „der Feind, der Teufel kommt, oft als Engel verkleidet“ und uns heimtückisch einflüstert. Und was hält Papst Franziskus dem Teufelszeug entgegen? Die Weisheit deutscher Universitätstheologen? Nein, den Glauben seiner Großmutter! Die habe (wie so viele weise Großmütter) „uns Kindern gesagt: Das Totenhemd hat keine Taschen!“ Nichts für ungut, Magnifizenzen und Spektabilitäten, aber mit der Theologie der Großmütter ist dem Teufel immer noch am besten beizukommen! Stephan Baier

    Hui, war das ein Aufschrei, als Kardinal Joseph Ratzinger in einem Interviewbuch mit Messori 1985 den Teufel erklärte! Als „rätselhafte, aber reale, personale und nicht bloß symbolische Präsenz“, als „mächtige Wirklichkeit, eine unheilvolle, übermenschliche Freiheit, die sich gegen die Freiheit Gottes richtet“. Da hatte der Präfekt der Glaubenskongregation an den dogmatischen Säulen der Aufklärung gerüttelt. Die Zahl der Theologen, die sich ins (selbstverständlich finstere) Mittelalter versetzt fühlten, war Legion. Hätte Ratzinger auch noch den Glauben seiner Großmutter gegen die theologische Akrobatik deutscher Professoren ins Feld geführt, wären seine Werke wohl auf einem modernen Index gelandet. 28 Jahre später watschelt ein argentinischer Papst in ausgelatschten schwarzen Schuhen auf die Bühne der Welt und entfaltet eine ganze Dämonologie: „Wenn man Christus nicht bekennt, bekennt man die Weltlichkeit des Teufels“, knallt er den Kardinälen hin. Jeden Tag biete der Teufel Pessimismus und Verbitterung an, lehrt er am Tag darauf. Am Palmsonntag erinnert er daran, dass „der Feind, der Teufel kommt, oft als Engel verkleidet“ und uns heimtückisch einflüstert. Und was hält Papst Franziskus dem Teufelszeug entgegen? Die Weisheit deutscher Universitätstheologen? Nein, den Glauben seiner Großmutter! Die habe (wie so viele weise Großmütter) „uns Kindern gesagt: Das Totenhemd hat keine Taschen!“ Nichts für ungut, Magnifizenzen und Spektabilitäten, aber mit der Theologie der Großmütter ist dem Teufel immer noch am besten beizukommen!