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    Glosse: Die Patina des Vergänglichen

    Das Geheimnis Roms, das heißt warum Rom so römisch aussieht, ist der Fluch der Patina. Schnell legt sich in der Ewigen Stadt der Goldglanz des Altertümlichen über alles, was noch gar nicht so lange steht. Römische Straßenunterführungen, Parkplätze oder Haltestellen sehen nach kurzer Zeit schon so aus, als seien sie uralt und als hätte man sie nie gepflegt. Metrostationen, die zum Heiligen Jahr 2000 gebaut wurden, sehen heute bereits wieder aus wie Lagerhallen in Bombay, die schon fünfzig Jahre ihren Dienst tun. Bürgersteige und Wege, die man gerade erst angelegt hat, werden schon nach kurzer Zeit von der Patina des Vergangenen überzogen und strahlen klassisches Altertum aus. Rom ist eben alt und soll auch alt bleiben. Gegen diesen Fluch kommen keine Stadtplaner und Baudezernenten an.

    Das Geheimnis Roms, das heißt warum Rom so römisch aussieht, ist der Fluch der Patina. Schnell legt sich in der Ewigen Stadt der Goldglanz des Altertümlichen über alles, was noch gar nicht so lange steht. Römische Straßenunterführungen, Parkplätze oder Haltestellen sehen nach kurzer Zeit schon so aus, als seien sie uralt und als hätte man sie nie gepflegt. Metrostationen, die zum Heiligen Jahr 2000 gebaut wurden, sehen heute bereits wieder aus wie Lagerhallen in Bombay, die schon fünfzig Jahre ihren Dienst tun. Bürgersteige und Wege, die man gerade erst angelegt hat, werden schon nach kurzer Zeit von der Patina des Vergangenen überzogen und strahlen klassisches Altertum aus. Rom ist eben alt und soll auch alt bleiben. Gegen diesen Fluch kommen keine Stadtplaner und Baudezernenten an.

    Der Vatikan stemmt sich gegen dieses ungeschriebene Gesetz. Die Kolonnaden auf dem Petersplatz werden dauergeputzt, sehen aber immer gleich aus: nämlich alt. Bekanntlich soll auch das neue Grab, das der dann selige Johannes Paul II. nach seiner Erhebung zur Ehre der Altäre in der Seitenkapelle direkt neben der Pieta von Michelangelo erhalten wird, schon diese Patina erhalten haben. Es blitzt nicht und funkelt nicht in neuem Glanz, sondern entfaltet bereits jetzt den Reiz des Altehrwürdigen. Bis heute hat man den Besucherstrom, der täglich in den Petersdom zieht, in zwei Ströme teilen können: Die eine Menschenschlange gleitet in die Krypta des Doms und zum Grab des verehrten Karol Wojtyla hinab, die andere schiebt sich in den Petersdom. Ab dem 1. Mai werden sich die beiden Ströme wieder zu einem einzigen vereinen. Dann will alles in den Innenraum der Basilika. Und wer Ruhe und Besinnung sucht, wird selber ganz schön alt aussehen. Guido Horst