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    Glosse: Die Musik ist wurscht

    Was waren das noch für Zeiten, als beim Eurovision Song Contest (ESC), dem europäischen Wettbewerb der leichten Schlagermusik, Interpreten mit einem gewissen melodiösen Talent auftraten: Udo Jürgens beispielsweise, der 1966 mit der Ballade „Merci Cherie“ in Luxemburg gewann, oder die schwedische Pop-Band Abba, die sich 1974 in Brighton mit „Waterloo“ durchsetzte und bald danach zu Weltruhm aufstieg. Auch unsere Nicole, die 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ in Harrogate gewann, überzeugte nicht nur durch ihr engelgleiches Haar und das brave Kleid, das sie trug – die 17-Jährige konnte zudem auch ganz gut Gitarre spielen. Ferner wichtig: Nicoles Lied traf bei aller kompositorischen Simplizität den Nerv der damaligen Zeit. Es drückte die Angst vor dem (kalten) Krieg aus. Von soviel Anspruch im leichten künstlerischen Gewand war der Wettbewerb 2014, der am Samstag in Kopenhagen über die Bühne ging, weitestgehend frei. Besonders der Auftritt des polnischen Duos „Donatan & Cleo“ ließ keine Zweifel daran, worauf es mittlerweile beim ESC ankommt: Statt mit Musikinstrumenten hantierten die luftig angezogenen Sängerinnen mit Butterfass und Waschbrett herum, um bei ihrer Performance bloß keine sexuelle Anspielung auszulassen. Auch der Sieger der Veranstaltung, der Österreicher Tom Neuwirth (Künstlername Conchita Wurst) zeigte mit der Kombination von Frauenkleidung und Glööckler-Bart allzu deutlich, dass die Musik beim ESC mittlerweile ziemlich wurscht ist. Es gibt nur eine Botschaft – Sex und Gimmicks. Stefan Meetschen

    Was waren das noch für Zeiten, als beim Eurovision Song Contest (ESC), dem europäischen Wettbewerb der leichten Schlagermusik, Interpreten mit einem gewissen melodiösen Talent auftraten: Udo Jürgens beispielsweise, der 1966 mit der Ballade „Merci Cherie“ in Luxemburg gewann, oder die schwedische Pop-Band Abba, die sich 1974 in Brighton mit „Waterloo“ durchsetzte und bald danach zu Weltruhm aufstieg. Auch unsere Nicole, die 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ in Harrogate gewann, überzeugte nicht nur durch ihr engelgleiches Haar und das brave Kleid, das sie trug – die 17-Jährige konnte zudem auch ganz gut Gitarre spielen. Ferner wichtig: Nicoles Lied traf bei aller kompositorischen Simplizität den Nerv der damaligen Zeit. Es drückte die Angst vor dem (kalten) Krieg aus. Von soviel Anspruch im leichten künstlerischen Gewand war der Wettbewerb 2014, der am Samstag in Kopenhagen über die Bühne ging, weitestgehend frei. Besonders der Auftritt des polnischen Duos „Donatan & Cleo“ ließ keine Zweifel daran, worauf es mittlerweile beim ESC ankommt: Statt mit Musikinstrumenten hantierten die luftig angezogenen Sängerinnen mit Butterfass und Waschbrett herum, um bei ihrer Performance bloß keine sexuelle Anspielung auszulassen. Auch der Sieger der Veranstaltung, der Österreicher Tom Neuwirth (Künstlername Conchita Wurst) zeigte mit der Kombination von Frauenkleidung und Glööckler-Bart allzu deutlich, dass die Musik beim ESC mittlerweile ziemlich wurscht ist. Es gibt nur eine Botschaft – Sex und Gimmicks. Stefan Meetschen