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    Glosse: Die Intoleranz der Toleranten

    Selbstverständlich ließe sich trefflich darüber streiten, ob es wirklich tolerant von der UNESCO war, den 16. November zum „Internationalen Tag der Toleranz“ zu erklären. Schließlich hätten auch andere Daten zur Verfügung gestanden. Ist es, wäre zu fragen, von der UNESCO nicht intolerant gegenüber dem Dezember gewesen, ausgerechnet den November derart herauszuheben? Kann die UNESCO wirklich garantieren, dass sich der Januar nicht diskriminiert fühlt? Fragen, über die man streiten kann, aber – Toleranz vorausgesetzt – nicht streiten muss. Nicht bestreiten lässt sich dagegen, dass „Toleranz“, wie es in der 1995 verabschiedeten UNESCO-Erklärung heißt, „nicht nur ein hochgeschätztes Prinzip“ ist, sondern auch „eine notwendige Voraussetzung für den Frieden und für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung aller Völker“ sowie dass „Bildung“, wie es in Artikel 4 heißt, „das wirksamste Mittel gegen Intoleranz“ ist. Da trifft es sich gut, dass jetzt der Wissenschaftsrat ein Ende von „Kuschelnoten“ an deutschen Universitäten fordert. Was nicht heißt, dass die Professoren aufhören sollten, zu bewerten, wie zärtlich die Studenten mit ihnen oder untereinander umgingen, sondern nur, dass sie deren fachliche Leistungen nicht länger besser bewerten sollten als sie eigentlich seien. Was freilich ein Problem aufwirft: Denn die Professoren sind gezwungen, solange „Kuschelnoten“ zu vergeben, wie sich die Kultusminister derart intolerant gegenüber Nichtakademikern zeigen und Lehrer zwingen, jeden handwerklich Hochbegabten auch für studierfähig zu erklären. Stefan Rehder

    Selbstverständlich ließe sich trefflich darüber streiten, ob es wirklich tolerant von der UNESCO war, den 16. November zum „Internationalen Tag der Toleranz“ zu erklären. Schließlich hätten auch andere Daten zur Verfügung gestanden. Ist es, wäre zu fragen, von der UNESCO nicht intolerant gegenüber dem Dezember gewesen, ausgerechnet den November derart herauszuheben? Kann die UNESCO wirklich garantieren, dass sich der Januar nicht diskriminiert fühlt? Fragen, über die man streiten kann, aber – Toleranz vorausgesetzt – nicht streiten muss. Nicht bestreiten lässt sich dagegen, dass „Toleranz“, wie es in der 1995 verabschiedeten UNESCO-Erklärung heißt, „nicht nur ein hochgeschätztes Prinzip“ ist, sondern auch „eine notwendige Voraussetzung für den Frieden und für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung aller Völker“ sowie dass „Bildung“, wie es in Artikel 4 heißt, „das wirksamste Mittel gegen Intoleranz“ ist. Da trifft es sich gut, dass jetzt der Wissenschaftsrat ein Ende von „Kuschelnoten“ an deutschen Universitäten fordert. Was nicht heißt, dass die Professoren aufhören sollten, zu bewerten, wie zärtlich die Studenten mit ihnen oder untereinander umgingen, sondern nur, dass sie deren fachliche Leistungen nicht länger besser bewerten sollten als sie eigentlich seien. Was freilich ein Problem aufwirft: Denn die Professoren sind gezwungen, solange „Kuschelnoten“ zu vergeben, wie sich die Kultusminister derart intolerant gegenüber Nichtakademikern zeigen und Lehrer zwingen, jeden handwerklich Hochbegabten auch für studierfähig zu erklären.