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    Glosse: Die Aufklärung und der Hirnmüll

    „Aufklärung“, heißt es bei Immanuel Kant, sei der „Ausgang des Menschen aus „selbstverschuldeter Unmündigkeit“. Unmündigkeit, definierte der Königsberger Philosoph, sei „das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“; selbstverschuldet sei sie dann, „wenn die Ursache derselben“ nicht aus einem Mangel an Verstand, sondern aus einem „Mangel an Mut“ resultiere; Menschen es nicht wagten, sich ihres Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. „Sapere aude!“ – von Kant übersetzt mit – „Habe Mut, Dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, sei daher auch der „Wahlspruch der Aufklärung“. Nun ist aber, wie schon Thomas von Aquin lehrte, „nichts im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen wäre“. Und genau an dieser Schnittstelle sieht es heute ziemlich düster aus. Denn in Zeiten, in denen sich selbst Kochbücher von Tim Mälzer besser verkaufen, als die Wälzer von Goethe oder Schiller, geht das was Menschen heute via Fernsehen und Internet mit ihren Sinnen aufnehmen, oft auf keine Kuhhaut mehr. Im Verstand angekommen, generiert das Aufgenommene dort bestenfalls noch Fragen wie: „Wieso sind bei Russischem Brot immer nur lateinische Buchstaben in der Tüte und keine kyrillischen?“ oder „darf ich meinen Lehrer anzeigen, wenn er versucht, mir Stoff zu vermitteln?“ Ernste, existenzielle Fragen wie: „Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wozu bin ich überhaupt da?“ können viele Menschen gar nicht mehr denken. Hier hat die jahrzehntelange Leitung ihres Verstandes durch eine „Verdummungs-Kultur“ harte Fakten geschaffen. Fakten, über die man sich nicht einfach hinwegsetzen kann. Wer Aufklärung ermöglichen will, wird daher vielerorts zunächst den Hirnmüll-Produzenten den Krieg erklären müssen. Stefan Rehder

    „Aufklärung“, heißt es bei Immanuel Kant, sei der „Ausgang des Menschen aus „selbstverschuldeter Unmündigkeit“. Unmündigkeit, definierte der Königsberger Philosoph, sei „das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“; selbstverschuldet sei sie dann, „wenn die Ursache derselben“ nicht aus einem Mangel an Verstand, sondern aus einem „Mangel an Mut“ resultiere; Menschen es nicht wagten, sich ihres Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. „Sapere aude!“ – von Kant übersetzt mit – „Habe Mut, Dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, sei daher auch der „Wahlspruch der Aufklärung“. Nun ist aber, wie schon Thomas von Aquin lehrte, „nichts im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen wäre“. Und genau an dieser Schnittstelle sieht es heute ziemlich düster aus. Denn in Zeiten, in denen sich selbst Kochbücher von Tim Mälzer besser verkaufen, als die Wälzer von Goethe oder Schiller, geht das was Menschen heute via Fernsehen und Internet mit ihren Sinnen aufnehmen, oft auf keine Kuhhaut mehr. Im Verstand angekommen, generiert das Aufgenommene dort bestenfalls noch Fragen wie: „Wieso sind bei Russischem Brot immer nur lateinische Buchstaben in der Tüte und keine kyrillischen?“ oder „darf ich meinen Lehrer anzeigen, wenn er versucht, mir Stoff zu vermitteln?“ Ernste, existenzielle Fragen wie: „Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wozu bin ich überhaupt da?“ können viele Menschen gar nicht mehr denken. Hier hat die jahrzehntelange Leitung ihres Verstandes durch eine „Verdummungs-Kultur“ harte Fakten geschaffen. Fakten, über die man sich nicht einfach hinwegsetzen kann. Wer Aufklärung ermöglichen will, wird daher vielerorts zunächst den Hirnmüll-Produzenten den Krieg erklären müssen.