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    Glosse: Denglisch in der Kirche

    Manche Nachrichten erfreuen den Leser, andere können ihn wütend machen. Am herausforderndsten und deshalb interessantesten sind jedoch solche Nachrichten, die zum Nachsinnen einladen. Zu dieser Gattung zählt die Meldung, dass der „Verein Deutsche Sprache“ der Kirche in diesen Tagen einen Rüffel wegen des inflationären Gebrauchs von „Denglisch“ erteilt hat – der Vermischung des Englischen und des Deutschen, die in Worten wie „ChurchNight“ (Kirchennacht), „Merry X-Fest“ (Weihnachten) oder „Event-Gottesdienst“ (Ereignis-Gottesdienst) auftaucht. Was soll man von der Kritik halten? Einerseits gibt es Projekte, wie beispielsweise den „YouCat“ (Jugendkatechismus), wo mithilfe des Denglisch die Botschaft Jesu in moderner Sprache zwar hip (auf der Höhe der Zeit) formuliert wurde, aber trotzdem inhaltlich klar rüberkommt, weshalb man hier ruhig schon mal ein Auge zudrücken sollte. Andererseits gibt es tatsächlich Kirchen-Denglisch-Fälle, bei welchen die scheinbar coole (attraktive) Sprache wohl von der (vermeintlichen) inhaltlichen Leere ablenken soll, die sich hinter dem jeweiligen Angebot versteckt. Will sagen: Die Einladenden verzichten auf das religiöse Grundvokabular in deutscher Sprache, weil sie sich bei diesen Wörtern und der durch sie bezeichneten Rituale und Feste angesichts des Zeitgeistes unsicher sind. Denglisch wird dann zum Apostasie-Symptom. Tough (hart) gesagt. So gesehen darf man den Appell des Vereins, die deutsche Sprache sei lebendig und entwicklungsfähig, sogar noch ergänzen: Die Kirche ist es auch. Stefan Meetschen

    Manche Nachrichten erfreuen den Leser, andere können ihn wütend machen. Am herausforderndsten und deshalb interessantesten sind jedoch solche Nachrichten, die zum Nachsinnen einladen. Zu dieser Gattung zählt die Meldung, dass der „Verein Deutsche Sprache“ der Kirche in diesen Tagen einen Rüffel wegen des inflationären Gebrauchs von „Denglisch“ erteilt hat – der Vermischung des Englischen und des Deutschen, die in Worten wie „ChurchNight“ (Kirchennacht), „Merry X-Fest“ (Weihnachten) oder „Event-Gottesdienst“ (Ereignis-Gottesdienst) auftaucht. Was soll man von der Kritik halten? Einerseits gibt es Projekte, wie beispielsweise den „YouCat“ (Jugendkatechismus), wo mithilfe des Denglisch die Botschaft Jesu in moderner Sprache zwar hip (auf der Höhe der Zeit) formuliert wurde, aber trotzdem inhaltlich klar rüberkommt, weshalb man hier ruhig schon mal ein Auge zudrücken sollte. Andererseits gibt es tatsächlich Kirchen-Denglisch-Fälle, bei welchen die scheinbar coole (attraktive) Sprache wohl von der (vermeintlichen) inhaltlichen Leere ablenken soll, die sich hinter dem jeweiligen Angebot versteckt. Will sagen: Die Einladenden verzichten auf das religiöse Grundvokabular in deutscher Sprache, weil sie sich bei diesen Wörtern und der durch sie bezeichneten Rituale und Feste angesichts des Zeitgeistes unsicher sind. Denglisch wird dann zum Apostasie-Symptom. Tough (hart) gesagt. So gesehen darf man den Appell des Vereins, die deutsche Sprache sei lebendig und entwicklungsfähig, sogar noch ergänzen: Die Kirche ist es auch.