• aktualisiert:

    Glosse: Dat is'n Frühkind

    Die Bertelsmann-Stiftung hat einen Traum, und der heißt „frühkindliche Bildung“. Ginge es nach ihr, kann es davon nicht genug geben. Aber halten wir doch einmal kurz inne und fragen in der Tradition der „Feuerzangenbowle“ von Heinrich Spoerl „janz dumm“: Wat is'n Frühkind? Dat: Es bezeichnet die Lebensphase unmittelbar nach der Geburt eines Menschen und damit die Vorstufe zur Kindheit, die ihrerseits in das „Spätkind“-Alter münden würde, wenn es die Bertelsmann-Stiftung schon erfunden hätte. Anders als konventionelle Babys vergeuden Frühkinder ihre Zeit nicht mit spielerischem Getue. Sie schlagen vielmehr schon vor dem Krabbelalter wie gegen den Strom schwimmende Lachse den Weg in die von der Gesellschaft vorgesehene Bildungslaufbahn ein. Dafür haben pädagogische Experten eigens auf sie abgestimmte Bildungs- und Erziehungspläne entwickelt, die so konzipiert sind, dass sie die Eltern überfordern, die deshalb sehr gerne die Hilfe einer Kita in Anspruch nehmen. Dank einer frühkindlichen Politik sind die Krippen in den letzten Jahren kontinuierlich zu Bildungseinrichtungen ausgebaut worden, in denen Fachkräfte systematisch zwischen Frontal- und Gruppenbildung hin und her pendeln, bis die Frühkinder reif für den Vor-Ernst des Lebens im Kindergarten sind. Man wagt gar nicht sich vorzustellen, wie weit die Physik heute wäre, wenn Relativitätstheoretiker Einstein schon als U3-Jähriger Alphabet und Einmaleins gepaukt hätte. So fügt die Bertelsmann-Stiftung dem bunten Strauß an Bildungsvarianten eine neue hinzu: die Baby-Bildung im außerfamiliären Kollektiv. Ziel ist die Non-Stopp-Bildung von der Geburt bis zum Grab. Wer aber bringt der Bertelsmann-Stiftung endlich bei, dass der Bildungsplan Gottes, der die Eltern mit der Liebe zu ihrem Kind beschenkt, schon lange vor der Frühkindphase einsetzt? Bernhard Huber

    Die Bertelsmann-Stiftung hat einen Traum, und der heißt „frühkindliche Bildung“. Ginge es nach ihr, kann es davon nicht genug geben. Aber halten wir doch einmal kurz inne und fragen in der Tradition der „Feuerzangenbowle“ von Heinrich Spoerl „janz dumm“: Wat is'n Frühkind? Dat: Es bezeichnet die Lebensphase unmittelbar nach der Geburt eines Menschen und damit die Vorstufe zur Kindheit, die ihrerseits in das „Spätkind“-Alter münden würde, wenn es die Bertelsmann-Stiftung schon erfunden hätte. Anders als konventionelle Babys vergeuden Frühkinder ihre Zeit nicht mit spielerischem Getue. Sie schlagen vielmehr schon vor dem Krabbelalter wie gegen den Strom schwimmende Lachse den Weg in die von der Gesellschaft vorgesehene Bildungslaufbahn ein. Dafür haben pädagogische Experten eigens auf sie abgestimmte Bildungs- und Erziehungspläne entwickelt, die so konzipiert sind, dass sie die Eltern überfordern, die deshalb sehr gerne die Hilfe einer Kita in Anspruch nehmen. Dank einer frühkindlichen Politik sind die Krippen in den letzten Jahren kontinuierlich zu Bildungseinrichtungen ausgebaut worden, in denen Fachkräfte systematisch zwischen Frontal- und Gruppenbildung hin und her pendeln, bis die Frühkinder reif für den Vor-Ernst des Lebens im Kindergarten sind. Man wagt gar nicht sich vorzustellen, wie weit die Physik heute wäre, wenn Relativitätstheoretiker Einstein schon als U3-Jähriger Alphabet und Einmaleins gepaukt hätte. So fügt die Bertelsmann-Stiftung dem bunten Strauß an Bildungsvarianten eine neue hinzu: die Baby-Bildung im außerfamiliären Kollektiv. Ziel ist die Non-Stopp-Bildung von der Geburt bis zum Grab. Wer aber bringt der Bertelsmann-Stiftung endlich bei, dass der Bildungsplan Gottes, der die Eltern mit der Liebe zu ihrem Kind beschenkt, schon lange vor der Frühkindphase einsetzt? Bernhard Huber