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    Glosse: Das Kinderrecht auf Eltern

    Immer mehr Kleinkinder gehen in die Kita, heißt es. Eine empfindsame Einbildungskraft fängt da natürlich sogleich zu rattern an und sieht, wie frisch gewindelte Babys aus allen Himmelsrichtungen sternförmig ihrer Krippe entgegenkrabbeln, bis sie am Horizont den gerührten Blicken ihrer Eltern entschwinden. Dann sperren sie die Wohnung hinter sich ab und begeben sich ihrerseits über verstopfte Straßen auf den Weg in die Fabrik, den Büroturm oder wie moderne Arbeitsplatzballungszentren sonst heißen. Das ist die schöne neue Realität der Erwerbstätigkeit. Jeder ist von Geburt an in unbremsbarer Bewegung, um seinen ganz persönlichen Beitrag zur Steigerung des Wohlstands zu leisten. Die Kleinen in der Kita, die Großen in der Arbeit. Nur nicht in der Familie selber, deren Leistungen nicht einmal mit einer Dunkelziffer im Bruttoinlandsprodukt gewürdigt werden. Trotzdem steht die Familie nach wie vor hoch im Kurs. Das Statistische Bundesamt verkündete kürzlich sogar, als wäre diese Sensation sein Verdienst, das Ende der Kinderlosigkeit vor allem bei den Akademikerinnen. Aber auch sonst bekämen die Menschen wieder mehr Kinder. Wow! Da wird 2007 das Elterngeld eingeführt, um insbesondere den bildungsnahen Schichten bei der Familienplanung materiell zur Seite zu stehen, und schon zehn Jahre später ist die erwünschte Wirkung empirisch messbar. Zum familienpolitischen Paradies fehlen jetzt nur noch Kinderrechte im Grundgesetz, eine Super-Wahlkampfforderung quer durch die Parteien, die jedoch viel zu spät kommt. Denn die weisen Eltern des Grundgesetzes haben den Kindern bereits ihr ganz spezielles Recht im Artikel 6 zugesprochen: das auf Erziehung durch die Eltern. Man muss eigentlich nur lesen können: „Pflege und Erziehung der Kinder sind […] die zuvörderst [den Eltern] obliegende Pflicht.“ Bernhard Huber

    Immer mehr Kleinkinder gehen in die Kita, heißt es. Eine empfindsame Einbildungskraft fängt da natürlich sogleich zu rattern an und sieht, wie frisch gewindelte Babys aus allen Himmelsrichtungen sternförmig ihrer Krippe entgegenkrabbeln, bis sie am Horizont den gerührten Blicken ihrer Eltern entschwinden. Dann sperren sie die Wohnung hinter sich ab und begeben sich ihrerseits über verstopfte Straßen auf den Weg in die Fabrik, den Büroturm oder wie moderne Arbeitsplatzballungszentren sonst heißen. Das ist die schöne neue Realität der Erwerbstätigkeit. Jeder ist von Geburt an in unbremsbarer Bewegung, um seinen ganz persönlichen Beitrag zur Steigerung des Wohlstands zu leisten. Die Kleinen in der Kita, die Großen in der Arbeit. Nur nicht in der Familie selber, deren Leistungen nicht einmal mit einer Dunkelziffer im Bruttoinlandsprodukt gewürdigt werden. Trotzdem steht die Familie nach wie vor hoch im Kurs. Das Statistische Bundesamt verkündete kürzlich sogar, als wäre diese Sensation sein Verdienst, das Ende der Kinderlosigkeit vor allem bei den Akademikerinnen. Aber auch sonst bekämen die Menschen wieder mehr Kinder. Wow! Da wird 2007 das Elterngeld eingeführt, um insbesondere den bildungsnahen Schichten bei der Familienplanung materiell zur Seite zu stehen, und schon zehn Jahre später ist die erwünschte Wirkung empirisch messbar. Zum familienpolitischen Paradies fehlen jetzt nur noch Kinderrechte im Grundgesetz, eine Super-Wahlkampfforderung quer durch die Parteien, die jedoch viel zu spät kommt. Denn die weisen Eltern des Grundgesetzes haben den Kindern bereits ihr ganz spezielles Recht im Artikel 6 zugesprochen: das auf Erziehung durch die Eltern. Man muss eigentlich nur lesen können: „Pflege und Erziehung der Kinder sind […] die zuvörderst [den Eltern] obliegende Pflicht.“ Bernhard Huber