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    Glosse: Alles egal? Nein danke!

    Die Weihnachtsmärkte werden abgebaut, die Tannenbäume entsorgt. So mancher Familienstreit am Heiligen Abend ist mit versöhnlichen Telefonaten wieder einzurenken und in Esslingen am Neckar hat sich die Redaktion des Lokalblatts bei den Lesern dafür entschuldigt, auf der Titelseite der Weihnachtsausgabe allen ein „fröhliches und gesegnetes Osterfest“ gewünscht zu haben. Shit happens. Die Redaktion der „Esslinger Zeitung“ versprach, alles daranzusetzen, damit sich ein solch „gravierender Fehler“ nicht wiederholt. Was ein ziemlich lauer Vorsatz ist. Es gibt Dinge, die geschehen kein zweites Mal. In jener Redaktion am Neckar wird man nie wieder auf der Titelseite einer Festtagsausgabe Weihnachten und Ostern verwechseln – wie es auch bei ARD und ZDF nicht mehr geschehen wird, dass man am Sylvesterabend aus Versehen die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers vom vergangenen Jahr abspielt.

    Die Weihnachtsmärkte werden abgebaut, die Tannenbäume entsorgt. So mancher Familienstreit am Heiligen Abend ist mit versöhnlichen Telefonaten wieder einzurenken und in Esslingen am Neckar hat sich die Redaktion des Lokalblatts bei den Lesern dafür entschuldigt, auf der Titelseite der Weihnachtsausgabe allen ein „fröhliches und gesegnetes Osterfest“ gewünscht zu haben. Shit happens. Die Redaktion der „Esslinger Zeitung“ versprach, alles daranzusetzen, damit sich ein solch „gravierender Fehler“ nicht wiederholt. Was ein ziemlich lauer Vorsatz ist. Es gibt Dinge, die geschehen kein zweites Mal. In jener Redaktion am Neckar wird man nie wieder auf der Titelseite einer Festtagsausgabe Weihnachten und Ostern verwechseln – wie es auch bei ARD und ZDF nicht mehr geschehen wird, dass man am Sylvesterabend aus Versehen die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers vom vergangenen Jahr abspielt.

    Darum drängt sich der Verdacht auf, dass die „Esslinger Zeitung“ ganz absichtlich Weihnachten und Ostern vertauschte: Als Test, um herauszubekommen, ob das überhaupt noch jemand merkt – ja, lautet die Antwort, es hagelte Proteste und der Lapsus war post festum Thema Nummer eins in der Stadt –, oder vielleicht als hintergründiger Anreiz, darüber nachzudenken, was Weihnachten Weihnachten und was Ostern Ostern sein lässt. Eine postchristliche Gesellschaft beginnt sich ihrer Wurzeln zu vergewissern: Wer sind wir, wo kommen wir her, warum sind Weihnachten und Ostern immer noch nicht austauschbar? Selbst die Jakobiner haben es nach der Französischen Revolution nicht geschafft, den christlichen Feiertagen ernsthaft an den Kragen zu gehen. Es ist eben nicht alles gleichgültig, das heißt gleich gültig. Esslingen hat es bewiesen.