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    Gesprächsbedarf

    Wenn US-Präsident Obama am Freitag Papst Benedikt besucht, dann treffen zwei Welten aufeinander. Sicher, beide, Papst und Präsident, sind Christen. Beide wollen Frieden und Verständigung in der Welt. Und doch: Obama steht in der Wurzel für das, was Benedikt ablehnt: Relativismus. Nicht, dass der Präsident keine Überzeugungen hätte, es ihm an Werten oder persönlichem christlichen Glauben mangelte. Das Problem ist vielmehr, dass er keine unverrückbaren, im Letzten diskursenthobenen Prinzipien kennt. Am deutlichsten wird dies an der Abtreibung. Wie kann jemand, der ein offensichtlich liebevoller Familienvater ist, einer der aggressivsten Befürworter einer weitgehend liberalisierten Abtreibungsgesetzgebung weltweit sein?

    Wenn US-Präsident Obama am Freitag Papst Benedikt besucht, dann treffen zwei Welten aufeinander. Sicher, beide, Papst und Präsident, sind Christen. Beide wollen Frieden und Verständigung in der Welt. Und doch: Obama steht in der Wurzel für das, was Benedikt ablehnt: Relativismus. Nicht, dass der Präsident keine Überzeugungen hätte, es ihm an Werten oder persönlichem christlichen Glauben mangelte. Das Problem ist vielmehr, dass er keine unverrückbaren, im Letzten diskursenthobenen Prinzipien kennt. Am deutlichsten wird dies an der Abtreibung. Wie kann jemand, der ein offensichtlich liebevoller Familienvater ist, einer der aggressivsten Befürworter einer weitgehend liberalisierten Abtreibungsgesetzgebung weltweit sein?

    Die Antwort liegt in einem falschen Begriff von Selbstbestimmung: dem Individualismus. Er ist die Basis des Relativismus. Nun ist Selbstbestimmung ein hoher Wert. Aber kein letzter. Spätestens da, wo er die Selbstbestimmung eines anderen beschneidet oder gar nicht erst zulässt, wie im Falle der Abtreibung etwa. Nur durch diesen verkürzten Begriff von Selbstbestimmung ist es erklärbar, dass der neue amerikanische Präsident mit der überfälligen Schließung Guantánamos Amerikas moralischen Führungsanspruch erneuern will, für soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz eintritt und sich gleichzeitig anschickt, für Amerika die globale Führungsrolle in der embryonenverbrauchenden Stammzellforschung zu erringen.

    Diesen Widerspruch erkennen auch Amerikas Katholiken mehr und mehr. Darf man mit so einem Präsidenten überhaupt zusammenarbeiten, fragen die einen. Muss man mit so einem Präsidenten nicht kooperieren, die anderen. Antwort: Sowohl als auch. Man muss da mit ihm kooperieren, wo es ohnehin Konsens gibt. In Fragen des Umweltschutzes etwa und der sozialen Gerechtigkeit. Alle Unterstützung verdienen auch Obamas Bemühungen um eine Lösung für den Nahost-Konflikt oder sein Einsatz für Religionsfreiheit in der Türkei. Man sollte mit der Obama-Administration zusammenarbeiten, wenn man dadurch Übel vermindern hilft. So beraten katholische Sozialeinrichtungen die Regierung, wie man die Zahl der Abtreibung – unter Minderjährigen etwa – senken kann. Man muss dem Präsidenten aber den entschiedensten Widerstand leisten, wo er versucht, seine individualistischen Vorstellungen in die Gesetzgebung einfließen zu lassen.

    Man lasse sich nicht täuschen: Obama ist nicht neutral. Er gibt auch gar nicht vor, dies zu sein. Er verbirgt es nur geschickt. Für die Lebensschutzbewegung ist Obama deshalb eine besonders harte Nuss, weil er auf Konzilianz im Umgang setzt. Das könnte verhindern, weitere Kreise der Bevölkerung zu mobilisieren. In seinem Buch „Hoffnung wagen“ schreibt Obama: „Wenn doch die Linksliberalen wenigstens einräumen würden, dass der Freizeitjäger ein ähnliches Verhältnis zu seinem Gewehr hat wie sie zu den Büchern in ihrer Bibliothek, und wenn die Konservativen einsehen würden, dass den meisten Frauen ihre Freiheit, keine Kinder zu bekommen, genauso wichtig ist wie den Evangelikalen ihr Recht, Gott anzubeten.“

    Obama will den demokratischen Diskurs zivilisieren. Das ist ein ehrenwertes Ziel. Im Grunde aber ist es eine kommunikatorische Selbstverständlichkeit, den anderen zu verstehen zu versuchen und ihm nicht von vornherein den guten Willen abzusprechen. Wenn auch nicht in Amerika. Spätestens seit den Sechzigern mit dem Beginn der kulturellen Spaltung des Landes haben sich Lager gebildet, die einander im besten Fall sprachlos gegenüberstehen. Das wird beim Treffen zwischen Papst und Präsident am Freitag hoffentlich anders sein. Zu bereden hätten sie nämlich genug.

    Von Oliver Maksan