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    Georges Pontier

    Der Vorsichtige. Von Jean-Marie Dumont

    Georges Pontier
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    Georges Pontier ist Erzbischof von Marseille – der zweitgrößten Stadt Frankreichs. Seit 2013 ist der 74-Jährige auch Vorsitzender der französischen Bischofskonferenz. Er spricht wenig, hat den Ruf, ein diskreter Mann zu sein, der den Dialog und den Frieden liebt. Deshalb kann die Rede, die er letzte Woche in Lourdes vor allen französischen Bischöfen hielt, als etwas Besonderes angesehen werden. Denn er setzte deutlich inhaltliche Akzente. So bezog Pontier vor dem Hintergrund einer Diskussion über ein neues Bioethik-Gesetz im Rahmen von öffentlichen Debatten, den sogenannten „Generalständen“, die zur Zeit in allen Regionen des Landes stattfinden, klar Position (siehe Seite 6). Er betonte, dass „von seiner Konzeption her der Embryo den Respekt verdient, den man vor jeder menschlichen Person hat“. Das Embryo dürfe nicht als „Material betrachtet werden, das verfügbar für das Forschen oder für Experimente ist, die seine eigentliche Würde nicht respektieren“. Pontier warnte vor den Gefahren einer Gesellschaft, in der „Eugenik legitim“ und „Todeslösungen (Euthanasie)“ als „Lösungen der Freiheit und des Fortschritts vorgestellt werden“. Auch zur Flüchtlingsfrage hat er sich geäußert. Es sei „unsere Pflicht, die Migranten zu empfangen“, es bestünde aber auch „das Recht eines Staates, seine Politik in diesem Bereich zu definieren“.

    DER VORSICHTIGE

    Wer ist dieser bescheidene Mann, der leise spricht, der kein besonderes Redetalent hat, aber seit fünf Jahren die Bischofskonferenz führt? Georges Pontier ist der Sohn eines Tierarztes aus dem französischen Südwesten und hat in dem Seminarium Albi studiert. 1966 wurde er zum Priester geweiht, 20 Jahre lang diente er in verschiedenen Orten und in der Kathedrale Sainte Cécile von Albi. 1988 wurde er zum Bischof von Digne in den Alpen von Johannes Paul II. ernannt. Sein bischöfliches Motto: „Pauperes evangelizantur“ (Mt 11,5), „den Armen wird das Evangelium gepredigt“. 1996 wurde er zum Bischof von La Rochelle und Saintes an der westlichen Küste ernannt, und zehn Jahre später zum Erzbischof von Marseille. Er ist weder konservativ noch fortschrittlich. Er betont die Wichtigkeit einer sozialen Justiz und der Solidarität, aber gleichzeitig hat er ganz deutlich den Gesetzentwurf über die Homo-„Ehe“ kritisiert.

    Georges Pontier ist ein Bischof seiner Generation: Gleich nach dem II. Vatikanischen Konzil geweiht, mit einem geistlichen, gemäßigten, vorsichtigen und pragmatischen Akzent. So ist er wahrscheinlich der typische Kandidat des ruhigen Übergangs zwischen einer alten Generation von Bischöfen, die große Schwierigkeiten mit der Säkularisierung gehabt hat, und einer neuen Generation, die einfach evangelisieren will.

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