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    Gefährdete Spielräume

    Öffentliche Alarmsignale katholischer Gymnasien haben in Deutschland Seltenheitswert und lassen aufhorchen. Lieblos und inkompetent durchgeführte Bildungsreformen an den öffentlichen Schulen haben ihnen eher mehr Zulauf beschert. Insbesondere Ordensgymnasien genießen konfessionsübergreifend hohes Ansehen unter Eltern und Schülern und sind im Gegensatz zu öffentlichen Schulen in der privilegierten Lage, aufgrund der starken Nachfrage unter den Besten auswählen zu können. Mit den Turbulenzen des achtjährigen Gymnasiums arrangiert sich leichter, wer die Spielräume einer Privatschule ausnutzen kann und überdurchschnittlich leistungsstarke Schüler unterrichtet.

    Öffentliche Alarmsignale katholischer Gymnasien haben in Deutschland Seltenheitswert und lassen aufhorchen. Lieblos und inkompetent durchgeführte Bildungsreformen an den öffentlichen Schulen haben ihnen eher mehr Zulauf beschert. Insbesondere Ordensgymnasien genießen konfessionsübergreifend hohes Ansehen unter Eltern und Schülern und sind im Gegensatz zu öffentlichen Schulen in der privilegierten Lage, aufgrund der starken Nachfrage unter den Besten auswählen zu können. Mit den Turbulenzen des achtjährigen Gymnasiums arrangiert sich leichter, wer die Spielräume einer Privatschule ausnutzen kann und überdurchschnittlich leistungsstarke Schüler unterrichtet.

    Doch auch pädagogische Freiräume haben Grenzen: Mit Recht haben sich Vertreter der bayerischen Benediktiner- und Zisterziensergymnasien kürzlich in Form einer gemeinsamen Erklärung gegen eine geplante weitere Verkürzung der Gymnasialzeit gewandt. Eine gewichtige Rolle spielt dabei der religiöse Faktor: Eine Kürzung der im Zug der G8-Reform eingeführten Intensivierungsstunden beträfe an katholischen Privatschulen auch das Fach Religion. Schüler und Lehrer versäumen im sechsjährigen Gymnasium eine kostbare Chance, denn im fünften und sechsten Schuljahr sind Kinder erfahrungsgemäß leichter für den Religionsunterricht zu begeistern als in der Vorpubertät. Schüler aus kirchenfernen Elternhäusern träfe der Unterrichtsausfall besonders empfindlich. Schon jetzt weisen Religionslehrer an katholischen Gymnasien darauf hin, dass immer mehr Fünftklässler nur getauft wurden, um den begehrten Platz an einer katholischen Privatschule zu bekommen.

    Sechs Grundschuljahre wären jedoch auch mit Blick auf die Bandbreite der Bildungsangebote der Anfang vom endgültigen Profilverlust katholischer Gymnasien, nicht nur, weil die Grundlagen humanistischer Bildung in sechs Jahren nicht zu vermitteln sind. Zwar ist Latein nicht an allen katholischen Gymnasien erste Pflichtfremdsprache und auch Griechisch steht nicht in jedem Oberstufenjahrgang auf dem Stundenplan. Mit G6 gerieten auch variable Förderkonzepte für manuell Geschickte und musisch Talentierte ins Wanken. Welcher Schüler wird in sechs Gymnasialjahren noch die Zeit aufbringen, ein zweites Instrument zu erlernen oder sich handwerkliche Fertigkeiten parallel zu den Oberstufenkursen anzueignen?

    Der Kern des Problems liegt in der ideologisch gefärbten Sichtweise unterschiedlich begabter Schüler. Wenn sich die Besten notorisch langweilen, ist die Chancengleichheit objektiv gefährdet. Sie ist es in der Grundschule ohnehin durch den Trend vieler Eltern zur frühen Einschulung. Auch begabte Kinder haben aus diesem Grund oft Mühe, in den ersten beiden Jahren den Anschluss an die Klassenkameraden zu finden.

    Das Argument der G6-Befürworter, Kinder sollten beizeiten lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen, sticht hier nicht. Die Vermittlung von Sozialkompetenzen im Klassenzimmer hängt in erster Linie vom Vorbild des Lehrers ab. Sie dispensiert Schulen nicht von ihrer Aufgabe, Kinder altersgerecht zu fördern. Darum können katholische Träger, die den Anfängen einer Fehlentwicklung wehren, Schülern und Lehrern langfristig viel Ärger ersparen.

    Von Regina Einig