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    Gedämpfte Weihnachtsfreude in Bethlehem

    Bethlehem. Mal wieder ist es die politische Großwetterlage in der Region, die der Weihnachtsfreude der Palästinenser einen leichten Dämpfer verpasst: Gerade einen Monat ist es her, dass der ewige israelisch-palästinensische Konflikt am Gazastreifen in eine neue, blutige Runde ging. Das Heilige Land war nach drei Jahren relativer Ruhe wieder einmal zur besten Sendezeit in allen Kanälen – mit Negativschlagzeilen. Die Folgen des jüngsten Kriegs in Gaza sind „sowohl auf dem Land und als auch in den Seelen noch immer sichtbar“, sprach der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, vielen einheimischen Christen in seiner Weihnachtspredigt aus dem Herzen. Viele Menschen im Heiligen Land, so der Jordanier, leiden unter der „Besatzung, die kein Ende nimmt“. Nicht zuletzt in wirtschaftlicher Hinsicht: So manche ausländische Pilgergruppe stornierte nach der Gaza-Krise kurzfristig ihre Heilig-Land-Reise aus Angst. Wenn die Herbergen in der Geburtsstadt Jesu in diesem Jahr trotzdem voll sind, dann vor allem wegen palästinensischer Besucher. Doch in Bethlehem gibt es zu diesem Weihnachtsfest auch Gründe zum Feiern. Der Tourismus, der durch die Zweite Intifada bedingt beinahe vollständig zusammengebrochen war, hat sich schrittweise erholt – trotz der Schwierigkeiten durch den ungelösten israelisch-palästinensischen Konflikt. Die Arbeiten am „Saint Michael Hotel“ sind noch im vollen Gange – auch am Morgen vor dem Heiligen Abend wird keine Ausnahme gemacht. Gut 5 000 Hotelzimmer gibt es in Bethlehem, und noch immer wird gebaut. „Wir hatten ein gutes Jahr“, sagt Iyad Ramadan vom „Intercontinental“. Einen Einbruch und vereinzelte Annulierungen gab es während der Gaza-Krise, aber für die Weihnachtstage ebenso wie für Silvester ist sein Haus voll. Als „exzellent“ beschreibt auch das Personal vom „Paradise Hotel“ das laufende Jahr, „vielleicht das beste Jahr überhaupt!“ Die offiziellen Zahlen scheinen die Erfahrung der Hotels zu bestätigen: 17 Prozent legte der Tourismus im laufenden Jahr zu, die Zahl der Übernachtungsgäste stieg sogar um ein Viertel.

    Zu den Weihnachtsveranstaltungen vor der Geburtskirche in Bethlehem kommen nur wenige Touristen. Foto: A. Krogmann

    Bethlehem. Mal wieder ist es die politische Großwetterlage in der Region, die der Weihnachtsfreude der Palästinenser einen leichten Dämpfer verpasst: Gerade einen Monat ist es her, dass der ewige israelisch-palästinensische Konflikt am Gazastreifen in eine neue, blutige Runde ging. Das Heilige Land war nach drei Jahren relativer Ruhe wieder einmal zur besten Sendezeit in allen Kanälen – mit Negativschlagzeilen. Die Folgen des jüngsten Kriegs in Gaza sind „sowohl auf dem Land und als auch in den Seelen noch immer sichtbar“, sprach der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, vielen einheimischen Christen in seiner Weihnachtspredigt aus dem Herzen. Viele Menschen im Heiligen Land, so der Jordanier, leiden unter der „Besatzung, die kein Ende nimmt“. Nicht zuletzt in wirtschaftlicher Hinsicht: So manche ausländische Pilgergruppe stornierte nach der Gaza-Krise kurzfristig ihre Heilig-Land-Reise aus Angst. Wenn die Herbergen in der Geburtsstadt Jesu in diesem Jahr trotzdem voll sind, dann vor allem wegen palästinensischer Besucher. Doch in Bethlehem gibt es zu diesem Weihnachtsfest auch Gründe zum Feiern. Der Tourismus, der durch die Zweite Intifada bedingt beinahe vollständig zusammengebrochen war, hat sich schrittweise erholt – trotz der Schwierigkeiten durch den ungelösten israelisch-palästinensischen Konflikt. Die Arbeiten am „Saint Michael Hotel“ sind noch im vollen Gange – auch am Morgen vor dem Heiligen Abend wird keine Ausnahme gemacht. Gut 5 000 Hotelzimmer gibt es in Bethlehem, und noch immer wird gebaut. „Wir hatten ein gutes Jahr“, sagt Iyad Ramadan vom „Intercontinental“. Einen Einbruch und vereinzelte Annulierungen gab es während der Gaza-Krise, aber für die Weihnachtstage ebenso wie für Silvester ist sein Haus voll. Als „exzellent“ beschreibt auch das Personal vom „Paradise Hotel“ das laufende Jahr, „vielleicht das beste Jahr überhaupt!“ Die offiziellen Zahlen scheinen die Erfahrung der Hotels zu bestätigen: 17 Prozent legte der Tourismus im laufenden Jahr zu, die Zahl der Übernachtungsgäste stieg sogar um ein Viertel.

    Bei Familie Giacaman am Krippenplatz will trotzdem nicht so recht Weihnachtsstimmung aufkommen: Es war kein gutes Jahr, sagt der jüngste Sohn im Geschäft, viel zu ruhig, und dies „nicht erst nach Gaza“. „Schau Dich doch um!“ Der Bethlehemer Christ zeigt mit einer ausschweifenden Geste über die feiernde Menge auf dem Krippenplatz. „Nicht viele ausländische Besucher – dabei sollten diese Events doch vor allem für sie sein!“ Vermehrt kommen palästinensische Besucher, bestätigen auch die Hotelbesitzer – für die Händler in den vielen kleinen Souvenirläden um die Geburtskirche fällt damit wenig ab von den wachsenden Einnahmen im wichtigsten Wirtschaftszweig der Region. Auch Majdi, der seinen Laden auf einer der Hauptstrassen der Geburtsstadt hat, merkt nicht viel von dem wachsenden Touristenstrom.„Viele Besucher“, sagt der Palästinenser, „kommen erst am Ende ihres Aufenthalts nach Bethlehem. Sie bleiben höchstens eine Nacht und haben neben dem Besuchsprogramm nicht viel Zeit zum Shopping!“

    Die angespannte Wirtschaftslage macht sich bei vielen bemerkbar. Am traditionellen Prozessionsweg des Patriarchen nutzt eine kleine Gruppe von ehemaligen UNRWA-Mitarbeitern die Medienpräsenz, die die Welt ihrer Stadt wie jedes Jahr an Weihnachten zukommen lässt. Mit Transparenten in verschiedenen Sprachen protestieren sie gegen die jüngsten Sparmaßnahmen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen. „Wo bleibt die Verantwortung der Welt für die palästinensischen Flüchtlinge?“, ist auf den Plakaten zu lesen. Über hundert Mitarbeiter haben ihre Stelle verloren. Physiotherapeut Abed ist einer von ihnen, „nach vierzehn Jahren im Dienst, während die Ausländer weiter hohe Löhne einstreichen“, sagt er verbittert. Weihnachtsfreude will da nicht aufkommen.

    Dabei gibt es in Bethlehem an diesem Weihnachten durchaus Gründe zum Feiern: Im Sommer haben es die Palästinenser geschafft, dass die Bethlehemer Geburtskirche und die Pilgerroute zur Geburtsstadt Jesu auf die Welterbeliste der UNO-Kulturorganisation UNESCO aufgenommen wurden – als erste Denkmäler der Palästinensergebiete überhaupt. Im Herbst wählten die Bethlehemer mit Vera Baboun eine Frau an die Spitze ihrer Stadt – die erste Bürgermeisterin der Palästinensergebiete. Ende November folgte schließlich die Zuerkennung eines Beobachterstatus für die Palästinenser bei den Vereinten Nationen. Ein Erfolg, der nicht nur von Kirchenvertretern begrüßt wurde. „Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagt die Bethlehemer Christin July, „das wird eine Menge verändern“. Wie viele hofft July auf ein unabhängiges Palästina. „Hoffen wir es“, erwidert Majdi. Richtig überzeugt klingt er nicht. Dann setzt er ein strahlendes Lächeln auf und wünscht den Gästen in seinem Laden gestenreich frohe Weihnachten. Die Probleme des täglichen Lebens sollen die Festfreude nicht trüben.

    Ob Ausländer aus aller Welt oder Einheimische: Die Feierfreude der Bethlehemer überträgt sich an diesem Tag auf Jung und Alt, Muslime und Christen. Schon Stunden vor dem erwarteten Einzug des Patriarchen säumen Einheimische und Gäste den Prozessionsweg und das schöne Wetter lockt viele zum Krippenplatz, so dass in den umliegenden Cafés kaum ein Platz frei bleibt. Wer eine Karte ergattern konnte, strömt zur Mitternachtsmesse in die Katharinenkirche, während von der Bühne Weihnachtsrock im Wechsel mit Dudelsackmelodien ertönt. „Weihnachten in Bethlehem ist jedes Jahr einzigartig“, freut sich der spanische Priester José, seit den 1980er Jahren weihnachtlicher Dauergast in Bethlehem. In seiner Gruppe in diesem Jahr: Ein Italiener, ein Venezulaner und ein Argentinier – „das sind wahre vereinte Nationen!“ Eine Gruppe amerikanischer Lehrerinnen singt Weihnachtslieder und freut sich über die Freundlichkeit der einheimischen Christen. Die Anreise aus ihrem Gastland Kuwait „nur für ein paar Stunden“ bereuen sie nicht: „Es tut gut, an einem Ort zu sein, an dem man sich aus vollem Herzen ,Frohe Weihnachten‘ wünschen kann!“