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    Gastkommentar

    Ein westliches Wertebündnis. Vom Christian Schmidt

    Die NATO ist ein tragfähiges Bündnis zwischen Nordamerika und Europa zur gemeinsamen Sicherheit, mit effizienten Strukturen, die manchmal politisch schwierig steuerbar sind, aber doch reißfest. Nordamerika und Europa profitieren von der Beistandsgarantie – der Bündnisfall ist bisher ein einziges Mal ausgerufen worden, nämlich am 12. September 2001, als Al Kaida die USA angegriffen haben. Technologisch, politisch und wertemäßig ist es das einzige relevante Bündnis, das nachhaltig zum Weltfrieden beitragen kann.

    Die festen Strukturen (politisch und militärisch) der NATO sind auch robust gegen eindimensionale schlafwandlerische Attitüden einzelner Staaten oder ihrer Repräsentanten. Erfolg und Nichterfolg der Weltgeschichte bilanziert nicht nach buchhalterischen Gewinn-/Verlustrechnungen. Es ist aber westlicher Brauch, Verpflichtungen einzuhalten. Hier hat Donald Trump aber recht: Wir Deutsche und wir Europäer sind finanziell säumig. Aber: Politisch und faktisch haben wir sehr viel geleistet.

    Wir brauchen ein westliches Wertegerüst, das im Beistand gegen die Idee der kommunistischen Weltrevolution entstanden war, gerade heute, wo voraufklärerische Regime der Unterdrückung der Individualität und Subsidiarität den Weg öffnen. „Westlich“ ist eine regelbasierte Ordnungspolitik, eine Kultur der Verlässlichkeit und Vertragstreue. Also: Ein friedensstabilisierendes Konzept des Ausgleichs zwischen Legitimität und Macht (wie Henry Kissinger es nennt), ist wahrhaft westlich wie der Westfälische Friede vor 370 Jahren oder die Nachkriegsordnung nach der Katastrophe 1945. Willkürliche Koalitionen der Willigen geben uns Europäern keinen mitgestaltendenden Einfluss, sondern nur Hintersassentum. Die NATO ist eben auch ein Wertebündnis, das es zu verteidigen gilt, damit wir uns verteidigen und behaupten können. Wer das Bündnis gering achtet, gefährdet seine Zukunft in Freiheit.

    Der Autor ist CSU-Bundestagsabgeordneter und Präsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft

    von Christian Schmidt

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