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    Gastkommentar: Zweifel an der Krippen-Qualität

    „Was haben zum Beispiel Rentnerinnen und Rentner vom Ausbau der Kinderbetreuung? Ganz einfach: […] Der Wohlstand von Rentnerinnen und Rentnern hängt entscheidend von … der Möglichkeit … [der] Eltern, erwerbstätig zu sein, ab. Das steht und fällt wiederum mit dem Angebot an frühkindlichen Bildungs- und Betreuungsangeboten.“ Das erklärte die Sozialdemokratin Caren Marks MdB in der ersten Lesung des Kinderförderungsgesetzes am 29. Mai 2008 im Deutschen Bundestag. Das Kinderförderungsgesetz enthält den sogenannten Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kinder unter Drei. Der Redebeitrag der Abgeordneten Marks zeigt, dass Krippenplätze in Deutschland nicht nur zum Wohl der Kinder errichtet wurden. Im Umfeld des Krippenausbaus waren auch noch weitere Argumente zu hören, die mit dem Kindeswohl nicht viel zu tun haben. Im demographischen Wandel fürchtet die Wirtschaft die Verknappung von Arbeitskräften. Knappes Gut wird teuer. Das könnte die Löhne treiben. Deshalb forderten Wirtschaftsverbände vehement mehr Kleinkindbetreuung, um mit mehr erwerbstätigen Müttern Lohnanstiege zu verhindern.

    „Was haben zum Beispiel Rentnerinnen und Rentner vom Ausbau der Kinderbetreuung? Ganz einfach: […] Der Wohlstand von Rentnerinnen und Rentnern hängt entscheidend von … der Möglichkeit … [der] Eltern, erwerbstätig zu sein, ab. Das steht und fällt wiederum mit dem Angebot an frühkindlichen Bildungs- und Betreuungsangeboten.“ Das erklärte die Sozialdemokratin Caren Marks MdB in der ersten Lesung des Kinderförderungsgesetzes am 29. Mai 2008 im Deutschen Bundestag. Das Kinderförderungsgesetz enthält den sogenannten Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kinder unter Drei. Der Redebeitrag der Abgeordneten Marks zeigt, dass Krippenplätze in Deutschland nicht nur zum Wohl der Kinder errichtet wurden. Im Umfeld des Krippenausbaus waren auch noch weitere Argumente zu hören, die mit dem Kindeswohl nicht viel zu tun haben. Im demographischen Wandel fürchtet die Wirtschaft die Verknappung von Arbeitskräften. Knappes Gut wird teuer. Das könnte die Löhne treiben. Deshalb forderten Wirtschaftsverbände vehement mehr Kleinkindbetreuung, um mit mehr erwerbstätigen Müttern Lohnanstiege zu verhindern.

    Die Betreuungsanbieter fürchteten angesichts fallender Kinderzahlen um ihre Auslastung. Dank der Erschließung zusätzlicher Kleinkind-Jahrgänge ist nun die Auslastung gesichert. Feministinnen erwarten die Befreiung der Frau eher von der abhängigen Beschäftigung als durch die Mutterschaft; darum unterstützten sie den Krippenausbau. Und schließlich war da noch die Ideologie von der Chancengleichheit. Sie sieht in der Verschiedenheit der Eltern den wesentlichen Grund für die Ungleichheit der Kinder. Mehr Gleichheit und also mehr Gerechtigkeit erwartet sie deshalb von einer Zurückdrängung des elterlichen Einflusses. Auch daher kommt der Ruf nach mehr Krippenbetreuung. Kinder gleicher machen, Frauenleben verändern, Lohnanstiege verhindern, Sozialabgaben steigern – keines dieser Motive erfordert per se hochwertige Kinderbetreuung. Dafür reichen Verwahranstalten. Gute Kinderkrippen bräuchten einen Personalschlüssel von einer Erzieherin auf drei Kinder. In der durchschnittlichen deutschen Krippe muss die Erzieherin aber 4,5 Kinder betreuen. Und knapp ein Drittel der betreuten Kleinkinder ist gar nicht in einer Krippe, sondern in einer altersgemischten Kindergartengruppe. Dort liegen die Personalschlüssel zwischen 1:7 und 1:9. Das Wohl der Kinder fördert man so nicht. Aber das war vielleicht auch nicht das wesentliche Ziel des Krippenausbaus.

    Der Autor ist Landesvorsitzender des Familienbundes der Katholiken in Bayern.