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    Gastkommentar: Verhältnisse wie in Belgien?

    In der Schweiz werden Organspenden nicht nur nach dem klassischen Hirntodkriterium durchgeführt, sondern auch zu 13,5 Prozent (2016) nach Herz-Kreislaufstillstand. Den meisten in der Schweiz lebenden Personen mit einem Organspendeausweis ist das gar nicht bewusst. Mit der Begründung, die Todesfeststellung sei unsicher, lehnt die Deutsche Bundesärztekammer die Organentnahme nach Herz-Kreislaufstillstand ab. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, die Deutsche Gesellschaft für Neurologie, der Ethikrat und die Deutsche Bischofskonferenz haben dieselbe Auffassung. Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) hat die Organspende nach Herz-Kreislaufstillstand zusätzlich zum klassischen Hirntodkriterium in ihre medizinisch-ethischen Richtlinien integriert. Der Bundesrat hat diese am Parlament vorbei in die Verordnung zum Organtransplantationsgesetz übernommen. Das allein ergäbe schon Diskussionsbedarf.

    In der Schweiz werden Organspenden nicht nur nach dem klassischen Hirntodkriterium durchgeführt, sondern auch zu 13,5 Prozent (2016) nach Herz-Kreislaufstillstand. Den meisten in der Schweiz lebenden Personen mit einem Organspendeausweis ist das gar nicht bewusst. Mit der Begründung, die Todesfeststellung sei unsicher, lehnt die Deutsche Bundesärztekammer die Organentnahme nach Herz-Kreislaufstillstand ab. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, die Deutsche Gesellschaft für Neurologie, der Ethikrat und die Deutsche Bischofskonferenz haben dieselbe Auffassung. Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) hat die Organspende nach Herz-Kreislaufstillstand zusätzlich zum klassischen Hirntodkriterium in ihre medizinisch-ethischen Richtlinien integriert. Der Bundesrat hat diese am Parlament vorbei in die Verordnung zum Organtransplantationsgesetz übernommen. Das allein ergäbe schon Diskussionsbedarf.

    Nun haben in einem Artikel des Tages-Anzeigers vom 26.4.2017 Jürg Steiger, Präsident der Ethikkommission der SAMW und Mitglied des Stiftungsrates von Swisstransplant, sowie deren Vizepräsident Christoph Haberthür ein brisantes Gedankenspiel angestellt, wie der Mangel an Organspenden behoben werden könnte. Sie wollen die Beihilfe zum Suizid mit der Organtransplantation verbinden. Es gebe kein Gesetz und keine Richtlinie, welche die Spende nach begleitetem Suizid verbieten würde. Es wird vorgerechnet, dass das Potenzial beträchtlich sei. Nur die auf einen außergewöhnlichen Todesfall folgende polizeiliche Untersuchung müsste wegfallen. Die Suizidbeihilfe müsste in den Transplantationszentren zugelassen und neben dem Operationssaal durchgeführt werden. Da ist jedes ethische Fingerspitzengefühl verloren gegangen! Die beiden Ärzte scheinen den Blick nur noch auf die zusätzlichen Transplantationen und die Qualität der Spenderorgane zu richten. Einzig die Lebensschutzorganisation HLI-Schweiz hat bisher öffentlich reagiert und das Vorhaben als ethisch besonders verwerflich und pietätlos kritisiert. Die Idee stammt aus einer im selben Artikel erwähnten Studie von Jan Bollen aus Belgien. Da geht es aber nicht um Beihilfe zum Suizid, sondern um Euthanasie, das heißt um die aktive Tötung der Patienten im Spital mit anschließender Organentnahme! Es ist somit zu befürchten, dass das Gedankenspiel konsequent weitergeht, bis wir Verhältnisse wie in Belgien haben.

    Der Autor ist katholischer Priester und Präsident von Human Life International in der Schweiz