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    Gastkommentar: Sexualisierung des Kindes

    Das Letzte,was Kinder brauchen ist ein Kopftuch und die damit verbundenen Verhaltensnormen. on Seyran Ates

    Das in Österreich kürzlich eingeführte Kopftuchverbot für Kinder betrachte ich als legitimen Schritt im Kampf gegen die Sexualisierung von kleinen Mädchen. Ich finde es abscheulich, Kinder zum Tragen des Kopftuchs zu zwingen und sie so zu sexualisieren. In diesem Alter kann das Kopftuch nicht als religiöses Symbol betrachtet werden und die Entscheidung, es zu tragen, ist nicht von freiem Willen getragen. Patriarchale Strukturen, wie wir sie in traditionellen muslimischen Familien vorfinden, verschleiern ihre Kinder aus anderen Motiven. Mädchen sollen sich bereits in jungen Jahren an das Tragen eines Kopftuches gewöhnen, damit sie sich später damit identifizieren. Mit dem Kopftuch werden die Kinder an ein vermeintlich „tugendhaftes“ Verhalten gewöhnt. Verhüllt, versteckt und nicht wahrnehmbar, so das projizierte Frauenbild. Die Weiblichkeit entschwindet der Gesellschaft.

    Eltern, die ihre Töchter zum Tragen des Kopftuchs zwingen, lassen die individuellen Bedürfnisse, Sorgen und Wünsche ihrer Kinder außer Acht. Sie fügen sich dabei nicht selten dem Wunsch der Moscheegemeinde, insbesondere bei den konservativen Verbänden, wie der Muslimbruderschaft oder der IGMG.

    Kinder sollen aber spielen, toben und ihre körperlichen Fähigkeiten entfalten können. Das Letzte, was sie in diesem Alter brauchen, ist ein Kopftuch und die damit verbundenen Verhaltensnormen. Darüber hinaus kann kein Kind das Reflexionsvermögen besitzen, selbst darüber zu entscheiden, ob es ein Kopftuch tragen möchte oder nicht – aus vermeintlich religiösen Motiven. Es sind daher immer die Eltern und das soziale Umfeld, die diese Entscheidung prägen. Es ist zwar bedauerlich, dass wir in westlichen Demokratien offenbar Gesetze benötigen, um in Abwägung von mehreren Grundrechten die Rechte der Kinder zu stärken. Ein gelinderes Mittel scheint derzeit aber nicht zu existieren, daher begrüße ich im Zweifel eine gesetzliche Regelung.

    Die Autorin ist Anwältin und Initiatorin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe Moschee in Berlin.

    von Seyran Ates

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