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    Gastkommentar: Mehr Hilfe für Flüchtlinge nötig

    Selten bin ich von einer Reise so niedergeschlagen zurückgekehrt wie vor wenigen Tagen nach Besuchen von Lagern für syrische Flüchtlinge im Libanon und Nordirak. Was sich dort abspielt, ist eine Tragödie. Die Flüchtlinge fühlen sich verraten und vergessen. Nach den erfolglosen Genfer Friedensgesprächen drohen sich die Probleme weiter zuzuspitzen. Die Flüchtlinge sind zwischen die Mahlsteine der globalen und regionalen Interessenpolitik geraten. Die Weltgeschichte rollt über sie hinweg. Und nun müssen sie unter unmenschlichen Bedingungen leben: in Camps oder Armutswohnungen, zusammengepfercht auf engstem Raum. Sie haben Furchtbares erlebt, sind seelisch tief verletzt. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt sich daran, dass fast die Hälfte der Syrer sich innerhalb oder außerhalb ihres Landes auf der Flucht befindet – also neun bis zehn Millionen Menschen. Der Libanon trägt dabei die größte Last. Das Land hat mittlerweile etwa 1,4 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Das ist, gemessen an der Bevölkerungszahl des Libanons, etwa so, als würde Deutschland innerhalb weniger Jahre 20 bis 25 Millionen Flüchtlinge beherbergen. Der Libanon ist mit dieser Problemlage überfordert und braucht Hilfe von außen. Das Land ist ohnehin durch einen langen Bürgerkrieg und Spannungen zwischen verschiedenen Konfessionen sehr labil; durch den zusätzlichen wirtschaftlichen Druck könnten etwa 1,5 Millionen Libanesen in Armut abgleiten.

    Selten bin ich von einer Reise so niedergeschlagen zurückgekehrt wie vor wenigen Tagen nach Besuchen von Lagern für syrische Flüchtlinge im Libanon und Nordirak. Was sich dort abspielt, ist eine Tragödie. Die Flüchtlinge fühlen sich verraten und vergessen. Nach den erfolglosen Genfer Friedensgesprächen drohen sich die Probleme weiter zuzuspitzen. Die Flüchtlinge sind zwischen die Mahlsteine der globalen und regionalen Interessenpolitik geraten. Die Weltgeschichte rollt über sie hinweg. Und nun müssen sie unter unmenschlichen Bedingungen leben: in Camps oder Armutswohnungen, zusammengepfercht auf engstem Raum. Sie haben Furchtbares erlebt, sind seelisch tief verletzt. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt sich daran, dass fast die Hälfte der Syrer sich innerhalb oder außerhalb ihres Landes auf der Flucht befindet – also neun bis zehn Millionen Menschen. Der Libanon trägt dabei die größte Last. Das Land hat mittlerweile etwa 1,4 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Das ist, gemessen an der Bevölkerungszahl des Libanons, etwa so, als würde Deutschland innerhalb weniger Jahre 20 bis 25 Millionen Flüchtlinge beherbergen. Der Libanon ist mit dieser Problemlage überfordert und braucht Hilfe von außen. Das Land ist ohnehin durch einen langen Bürgerkrieg und Spannungen zwischen verschiedenen Konfessionen sehr labil; durch den zusätzlichen wirtschaftlichen Druck könnten etwa 1,5 Millionen Libanesen in Armut abgleiten.

    Europa, aber auch Deutschland muss in dieser Situation deutlich mehr Verantwortung übernehmen. Es ist einfach lächerlich, dass es so wenig Bereitschaft gibt, Menschen aus Syrien, die vor Krieg und Folter geflohen sind, einen sicheren Aufenthalt zu gewähren. Da verhält sich Deutschland mit seiner Zusage, 10 000 Syrer aufzunehmen, noch vergleichsweise großzügig. Frankreich etwa ist zurzeit nur bereit, 500 Menschen ins eigene Land zu lassen. Das ist inakzeptabel. Aber auch Deutschland müsste viel mehr tun und statt 10 000 syrischen Flüchtlingen 100 000 aufnehmen. Das wäre für uns problemlos zu verkraften. Deutschland hat alleine während des Bosnien-Krieges (1992–1995) 320 000 Flüchtlinge aufgenommen. Damals haben sich alle dafür eingesetzt, dass diese Menschen offen und freundlich empfangen werden. Das müssten wir im Falle der Syrer genauso tun. Es wäre ein wichtiges Signal und würde den Druck auf andere EU-Länder verstärken, ihre Kontingente ebenfalls zu erhöhen.

    Der Autor ist Geschäftsführer des Hilfswerks Misereor und leitet die Hauptabteilung Internationale Zusammenarbeit