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    Gastkommentar: Konkrete Barmherzigkeit

    Wenige Stunden nur dauerte sein ökumenischer Besuch mit Patriarch Bartholomäus und Erzbischof Hieronymus auf der griechischen Insel Lesbos, doch trotzdem setzt Papst Franziskus grundlegende Zeichen der Menschlichkeit und zeigt, was er konkret unter dem Jubiläum der Barmherzigkeit versteht. Ein erstes Zeichen ist die Ökumene der Solidarität. Das unter der Wirtschaftskrise schwer leidende Griechenland darf, so die Geste des Papstes, nicht allein gelassen werden mit dem Flüchtlingsdrama. Lesbos als Zufluchtsort der Verzweifelten, aber auch als Symbol für die Uferzonen des Mittelmeers, die zu Friedhöfen geworden sind, soll als Pilgerziel der drei Kirchenoberhäupter das europäische Gewissen aus seiner verbreiteten Gleichgültigkeit aufrütteln. Ihre Botschaft richtet sich an eine in den Ängsten des Populismus gefangene Politik. Das Abkommen der Europäischen Union mit der Türkei, um die Migranten abzuhalten im Austausch mit ökonomisch-politischen Vorteilen, oder die Abschottung Österreichs am Brenner sind Alarmsignale für eine Tendenz, Menschlichkeit und Barmherzigkeit in Europa zu beseitigen. Die Aufgabe der christlichen Ökumene in Europa besteht auch darin, den überwiegend christlichen Kontinent an sein Erbe des christlichen Humanismus zu erinnern, während er hinter Mauern und Stacheldraht zerstört wird.

    Wenige Stunden nur dauerte sein ökumenischer Besuch mit Patriarch Bartholomäus und Erzbischof Hieronymus auf der griechischen Insel Lesbos, doch trotzdem setzt Papst Franziskus grundlegende Zeichen der Menschlichkeit und zeigt, was er konkret unter dem Jubiläum der Barmherzigkeit versteht. Ein erstes Zeichen ist die Ökumene der Solidarität. Das unter der Wirtschaftskrise schwer leidende Griechenland darf, so die Geste des Papstes, nicht allein gelassen werden mit dem Flüchtlingsdrama. Lesbos als Zufluchtsort der Verzweifelten, aber auch als Symbol für die Uferzonen des Mittelmeers, die zu Friedhöfen geworden sind, soll als Pilgerziel der drei Kirchenoberhäupter das europäische Gewissen aus seiner verbreiteten Gleichgültigkeit aufrütteln. Ihre Botschaft richtet sich an eine in den Ängsten des Populismus gefangene Politik. Das Abkommen der Europäischen Union mit der Türkei, um die Migranten abzuhalten im Austausch mit ökonomisch-politischen Vorteilen, oder die Abschottung Österreichs am Brenner sind Alarmsignale für eine Tendenz, Menschlichkeit und Barmherzigkeit in Europa zu beseitigen. Die Aufgabe der christlichen Ökumene in Europa besteht auch darin, den überwiegend christlichen Kontinent an sein Erbe des christlichen Humanismus zu erinnern, während er hinter Mauern und Stacheldraht zerstört wird.

    Das zweite Zeichen ist die überraschende Begleitung durch drei muslimische Flüchtlingsfamilien auf der Rückreise des Papstes nach Rom. Das ist seine konkrete Barmherzigkeit, zu der er alle Pfarreien aufgerufen hat, während sein Appell leider wenig aufgenommen wurde. Die Entscheidung für muslimische Flüchtlinge, die Hälfte von ihnen Kinder, ist eine weitere deutliche Botschaft gegen eine wachsende Ablehnung von Muslimen, die vor allem in Osteuropa im Namen des Schutzes der christlichen Identität feststellbar ist. Die christliche Identität von Franziskus wendet sich nicht gegen jemanden, sondern steht im Dienst an den Bedürftigen und Leidenden, unabhängig von kultureller oder religiöser Herkunft. Als Antwort auf Probleme, Konflikte und Auseinandersetzungen sind Mauern und Abschottung anachronistisch, das zeigt unter anderem die deutsche Erfahrung des 20. Jahrhunderts.

    Die Botschaft des Papstes ist die Haltung eines einfachen Christen, der menschlich und konkret auf die Herausforderungen der Zeit im Licht der Barmherzigkeit antwortet. Er bleibt nicht bei Appellen stehen, sondern lebt beispielhaft vor, was unsere Aufgabe als Christen ist und was uns die Botschaft des Heiligen Jahres vermitteln möchte.

    Der Autor ist Geistlicher Begleiter der Gemeinschaft Sant' Egidio.

    Von Matthias Leineweber