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    Gastkommentar: Hebammen am Limit

    Der Deutsche Hebammenverband hat Ende 2015 eine Umfrage unter seinen angestellt arbeitenden Hebammen zu deren Arbeitsbedingungen und -zufriedenheit beauftragt. Fast 1 700 von ungefähr 8 500 in Kliniken arbeitende Hebammen haben teilgenommen. Bei der Umfrage gaben 89 Prozent der Befragten an, nur selten eine Pause machen zu können, 64 Prozent müssen ständig oder häufig Arbeiten erledigen, die nicht zu ihren Aufgaben gehören (wie Putzen), und 18 Prozent denken häufig darüber nach, ihren Arbeitgeber zu verlassen. 64 Prozent der Hebammen müssen drei oder mehr Frauen gleichzeitig während der Geburt betreuen. „Wie bitte?“ lautet die berechtigte Frage. Denn eine Klinikgeburt gilt doch als sicher. 98 Prozent aller Schwangeren und Gebärenden vertrauen darauf, dort individuell und kontinuierlich betreut und begleitet zu werden. Davon kann jedoch keine Rede sein: Auf den Wochenbettstationen, auf denen die frischbackenen Mütter mit ihren Kindern betreut werden, versorgen 36 Prozent der Hebammen in einer Schicht mehr als elf Mutter-Kind-Paare. Bei dieser Arbeitsbelastung ist es kein Wunder, dass Hebammen zunehmend in Teilzeit arbeiten und „nebenbei“ in der Wochenbettbetreuung, in der sie ihren eigenen Qualitätsmaßstäben folgen können.

    Der Deutsche Hebammenverband hat Ende 2015 eine Umfrage unter seinen angestellt arbeitenden Hebammen zu deren Arbeitsbedingungen und -zufriedenheit beauftragt. Fast 1 700 von ungefähr 8 500 in Kliniken arbeitende Hebammen haben teilgenommen. Bei der Umfrage gaben 89 Prozent der Befragten an, nur selten eine Pause machen zu können, 64 Prozent müssen ständig oder häufig Arbeiten erledigen, die nicht zu ihren Aufgaben gehören (wie Putzen), und 18 Prozent denken häufig darüber nach, ihren Arbeitgeber zu verlassen. 64 Prozent der Hebammen müssen drei oder mehr Frauen gleichzeitig während der Geburt betreuen. „Wie bitte?“ lautet die berechtigte Frage. Denn eine Klinikgeburt gilt doch als sicher. 98 Prozent aller Schwangeren und Gebärenden vertrauen darauf, dort individuell und kontinuierlich betreut und begleitet zu werden. Davon kann jedoch keine Rede sein: Auf den Wochenbettstationen, auf denen die frischbackenen Mütter mit ihren Kindern betreut werden, versorgen 36 Prozent der Hebammen in einer Schicht mehr als elf Mutter-Kind-Paare. Bei dieser Arbeitsbelastung ist es kein Wunder, dass Hebammen zunehmend in Teilzeit arbeiten und „nebenbei“ in der Wochenbettbetreuung, in der sie ihren eigenen Qualitätsmaßstäben folgen können.

    Ein Wunder ist allerdings, das sich Schwangere und Gebärende nicht reihenweise in Kliniken über einen Betreuungsschlüssel beschweren, der nur noch eine Überwachung und Beistand, wenn es zum Äußersten (der Geburt) kommt, zulässt. Woran liegt das? Geburten werden im derzeitigen Vergütungssystem nicht ausreichend bezahlt. Deshalb können nicht genügend Hebammen mit dem eingenommenen Geld beschäftigt werden. Mittlerweile gilt in allen Kliniken mindestens ein Wirtschaftlichkeitsgebot, wenn nicht sogar eine Gewinnerzielungsvorgabe. Immer mehr Gebärende werden von immer weniger Hebammen betreut, die dabei immer häufiger Überstunden machen oder einspringen müssen. Das hält niemand lange aus. Daher flüchten Hebammen in die Teilzeitbeschäftigung.

    Falls Sie schwanger sein sollten, fragen Sie bei der nächsten Infoveranstaltung einer geburtshilflichen Klinik: „Kann ich mich dann darauf verlassen, dass in dieser Klinik immer, wenn ich eine Hebamme brauche, auch eine Zeit für mich hat?“ Machen Sie dann den Realitätscheck. Wenn Sie bei der Geburt dann nicht das bekommen haben, was sie brauchten, lag es nicht an den Hebammen. Denn die gehen längst über jedes Limit, damit ihre Frauen einigermaßen versorgt sind. Es muss sich etwas ändern!

    Die Autorin ist Beirätin für den Angestelltenbereich im Deutschen Hebammenverband e. V.