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    Gastkommentar: Die Opfer im Blick haben

    Jedes Jahr veröffentlicht das Bundeskriminalamt mehr oder weniger unbemerkt seinen Bericht über Menschenhandel in Deutschland. Seit dem Film „Operation Zucker“, den die ARD kürzlich ausgestrahlt hat, ist das Thema Kinderhandel in aller Munde. Über sechs Millionen Zuschauer ließen sich von einer brutalen Wirklichkeit betreffen, von der sie sich vorher oft kein Bild gemacht haben. Dass es Sklavenhaltung gab und gibt – ja, das wissen wir. Aber dass Deutschland heute Spitzenreiter auf einem großen internationalen Sklavenmarkt für Kinder ist – viele hätten das nicht für möglich gehalten? Wenn uns auf der Straße eine junge Bettlerin mit Baby auf dem Arm ihre Hand entgegenstreckt, kann es durchaus sein, dass wir hier gleich zwei Opfern von Menschenhandel („Human Trafficking“) gegenüberstehen. Kinderarbeit, Kinderprostitution, Kinderpornografie, Betteln und kriminelle Auftragsdienste – die Ausbeutung hat viele Gesichter. Beim Kinderhandel steigen in den letzten Jahren die Opferzahlen aus Südosteuropa. Arbeitslosigkeit, zerrüttete Familien und Diskriminierung von Frauen und Mädchen in den Herkunftsländern begünstigen den Menschenhandel. Deshalb gilt es, in Ländern wie Rumänien, Bulgarien und Moldawien die Ursachen dafür, die in teilweise erschreckender Armut liegen, zu bekämpfen. Renovabis tut dies in zahlreichen sozialen Projekten mit Partnern vor Ort.

    Jedes Jahr veröffentlicht das Bundeskriminalamt mehr oder weniger unbemerkt seinen Bericht über Menschenhandel in Deutschland. Seit dem Film „Operation Zucker“, den die ARD kürzlich ausgestrahlt hat, ist das Thema Kinderhandel in aller Munde. Über sechs Millionen Zuschauer ließen sich von einer brutalen Wirklichkeit betreffen, von der sie sich vorher oft kein Bild gemacht haben. Dass es Sklavenhaltung gab und gibt – ja, das wissen wir. Aber dass Deutschland heute Spitzenreiter auf einem großen internationalen Sklavenmarkt für Kinder ist – viele hätten das nicht für möglich gehalten? Wenn uns auf der Straße eine junge Bettlerin mit Baby auf dem Arm ihre Hand entgegenstreckt, kann es durchaus sein, dass wir hier gleich zwei Opfern von Menschenhandel („Human Trafficking“) gegenüberstehen. Kinderarbeit, Kinderprostitution, Kinderpornografie, Betteln und kriminelle Auftragsdienste – die Ausbeutung hat viele Gesichter. Beim Kinderhandel steigen in den letzten Jahren die Opferzahlen aus Südosteuropa. Arbeitslosigkeit, zerrüttete Familien und Diskriminierung von Frauen und Mädchen in den Herkunftsländern begünstigen den Menschenhandel. Deshalb gilt es, in Ländern wie Rumänien, Bulgarien und Moldawien die Ursachen dafür, die in teilweise erschreckender Armut liegen, zu bekämpfen. Renovabis tut dies in zahlreichen sozialen Projekten mit Partnern vor Ort.

    Was aber können wir bei uns in Deutschland tun? Die Betroffenheit, die der Film geweckt hat, macht Mut und motiviert zu einem längerfristigen Engagement für „die Kleinsten“, die schon Jesus besonders am Herzen lagen. Um die Fakten, von denen viele noch im Dunkel liegen, erheben zu können, braucht es mehr Geld. Gesetzgebung und Strafverfolgung in Europa müssen besser koordiniert werden. Vor allem aber gilt es, die Sensibilität der Bevölkerung für die kriminelle Wirklichkeit auf unseren Straßen und in unseren Häusern zu erhöhen. Auch in die Kriminalität gezwungene Kinder sind zunächst einmal Opfer. Allen Opfern aber sind wir schuldig, ihnen Unterkunft, medizinische Versorgung, soziale Betreuung und Schulbesuch zu gewähren. Gegen ihre Peiniger werden die Opfer nur dann aussagen, wenn sie sicher sein können, bei uns das Aufenthaltsrecht zu bekommen. Nur wenn es wirklich im Interesse der Opfer liegt, sollten sie in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Wenn das Thema Kinderhandel wieder aus der Öffentlichkeit verschwinden sollte, tut man damit den modernen Sklavenhändlern einen Gefallen. Diesen Triumph sollten wir ihnen nicht gönnen!

    Der Autor ist Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Renovabis.