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    GLOSSE: „Heulen und Zähneknirschen“

    Sage keiner, das Evangelium eigne sich nicht als „Handlungsanleitung“ zur Gestaltung von Politik. Da kann die katholische Kirche – klug abwägend – für eine richtig verstandene „Autonomie der zeitlichen Dinge“ werben so viel sie will. Gegen Hobby-Exegeten, die mit dem Evangelium Politik machen, ist kein Kraut gewachsen. Besonders ans Herz gewachsen ist ihnen eine Stelle aus dem Matthäus-Evangelium. Die ermöglicht es nicht nur Bundesarbeitsministerin von der Leyen, die Anhebung des Hartz-IV-Regelsatzes um monatlich fünf auf 364 Euro als mit den Auflagen vereinbar zu verteidigen, die das Bundesverfassungsgericht der rot-grünen Koalition machte. Nein, sie ermöglicht es gleichzeitig auch rund 200 Bankmanagern, die ihren Job nur deshalb behalten haben, weil die darauffolgende Koalition die Steuerzahler verpflichtete, marode Kreditinstitute nicht absaufen zu lassen, jeweils mehr als 500 000 Euro im Jahr zu verdienen. Dabei braucht man nicht einmal mit der relativen Autonomie irdischer Sozialpolitik vertraut zu sein, um einzusehen, dass die Akzeptanz eines subventionierten Arbeitsplatzes keinen Einkommensunterschied von mehr als 495 000 Euro pro Jahr rechtfertigt. Ein Gespür für Relationen reichte völlig aus. Insofern trifft es sich gut, dass derjenige, der dennoch das eine tun und das andere nicht lassen will, sich auf den Buchstaben des Evangeliums berufen kann. Dort heißt es im Gleichnis von den Talenten nämlich tatsächlich: „Denn jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird im Überfluss haben. Wer aber nicht hat, dem wird auch das, was er hat, genommen werden“ (Mt, 25, 29). Vielleicht sollten die Hobby-Exegeten aber auch eine Zeile weiter lesen. Dort ist vom „unnützen Knecht“ die Rede, der hinausgeworfen wird. „Heulen und Zähneknirschen“ gibt es gratis obendrauf. stefan Rehder

    Sage keiner, das Evangelium eigne sich nicht als „Handlungsanleitung“ zur Gestaltung von Politik. Da kann die katholische Kirche – klug abwägend – für eine richtig verstandene „Autonomie der zeitlichen Dinge“ werben so viel sie will. Gegen Hobby-Exegeten, die mit dem Evangelium Politik machen, ist kein Kraut gewachsen. Besonders ans Herz gewachsen ist ihnen eine Stelle aus dem Matthäus-Evangelium. Die ermöglicht es nicht nur Bundesarbeitsministerin von der Leyen, die Anhebung des Hartz-IV-Regelsatzes um monatlich fünf auf 364 Euro als mit den Auflagen vereinbar zu verteidigen, die das Bundesverfassungsgericht der rot-grünen Koalition machte. Nein, sie ermöglicht es gleichzeitig auch rund 200 Bankmanagern, die ihren Job nur deshalb behalten haben, weil die darauffolgende Koalition die Steuerzahler verpflichtete, marode Kreditinstitute nicht absaufen zu lassen, jeweils mehr als 500 000 Euro im Jahr zu verdienen. Dabei braucht man nicht einmal mit der relativen Autonomie irdischer Sozialpolitik vertraut zu sein, um einzusehen, dass die Akzeptanz eines subventionierten Arbeitsplatzes keinen Einkommensunterschied von mehr als 495 000 Euro pro Jahr rechtfertigt. Ein Gespür für Relationen reichte völlig aus. Insofern trifft es sich gut, dass derjenige, der dennoch das eine tun und das andere nicht lassen will, sich auf den Buchstaben des Evangeliums berufen kann. Dort heißt es im Gleichnis von den Talenten nämlich tatsächlich: „Denn jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird im Überfluss haben. Wer aber nicht hat, dem wird auch das, was er hat, genommen werden“ (Mt, 25, 29). Vielleicht sollten die Hobby-Exegeten aber auch eine Zeile weiter lesen. Dort ist vom „unnützen Knecht“ die Rede, der hinausgeworfen wird. „Heulen und Zähneknirschen“ gibt es gratis obendrauf. stefan Rehder