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    Freude und Sorge bei den Kopten

    Kairo (DT) Mit großer Freude ist die Wahl von Bischof Tawadros zum neuen Papst und Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche begrüßt worden. Ägyptens islamistischer Staatspräsident Mohammed Mursi übermittelte Papst-Patriarch Tawadros II. seine Glückwünsche noch am Tag der Wahl, am Sonntag. In seiner Stellungnahme betonte Mursi die historische Einheit von Christen und Muslimen in Ägypten und dehnte seine Glückwünsche auf die ganze christliche Gemeinschaft des Landes aus. Bereits vor der Wahl hatte er für den Fall, dass es seine Zeit erlaube, seine Teilnahme an den für den 18. November geplanten Inthronisierungsfeierlichkeiten in Kairo zugesagt. Auch US-Präsident Barack Obama gratulierte Papst Tawadros II. noch am Sonntagabend. Durch einen Sprecher wünschte er dem neuen koptisch-orthodoxen Oberhaupt viel Erfolg als Führer der größten christlichen Gemeinschaft des Nahen Ostens. Obama betonte weiter den Einsatz der Vereinigten Staaten für Religionsfreiheit und interreligiöses Verständnis.

    Der Moment des koptischen „Habemus Papam“ in Kairo: Das als Gottesurteil betrachtete Los traf Bischof Tawadros. Foto: dpa

    Kairo (DT) Mit großer Freude ist die Wahl von Bischof Tawadros zum neuen Papst und Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche begrüßt worden. Ägyptens islamistischer Staatspräsident Mohammed Mursi übermittelte Papst-Patriarch Tawadros II. seine Glückwünsche noch am Tag der Wahl, am Sonntag. In seiner Stellungnahme betonte Mursi die historische Einheit von Christen und Muslimen in Ägypten und dehnte seine Glückwünsche auf die ganze christliche Gemeinschaft des Landes aus. Bereits vor der Wahl hatte er für den Fall, dass es seine Zeit erlaube, seine Teilnahme an den für den 18. November geplanten Inthronisierungsfeierlichkeiten in Kairo zugesagt. Auch US-Präsident Barack Obama gratulierte Papst Tawadros II. noch am Sonntagabend. Durch einen Sprecher wünschte er dem neuen koptisch-orthodoxen Oberhaupt viel Erfolg als Führer der größten christlichen Gemeinschaft des Nahen Ostens. Obama betonte weiter den Einsatz der Vereinigten Staaten für Religionsfreiheit und interreligiöses Verständnis.

    Innerhalb der koptisch-orthodoxen Kirche ist derweil die Erleichterung groß, dass die lange Vakanz nach dem Tode Papst Schenudas III. im März diesen Jahres zu Ende ist. Der für Deutschland zuständige koptische Bischof Anba Damian sagte dieser Zeitung am Montag in Kairo: „Ich bin außerordentlich glücklich. Bischof Tawadros hatte von Anfang an meine Stimme. Ich habe ihn in den Vorwahlen mit vorgeschlagen. Wir waren sehr gespannt, wer der neue Patriarch werden würde. Gott hat jetzt gesprochen und Tawadros zum neuen Papst erwählt. Mit seiner Entscheidung sind alle einverstanden.“ Bischof Damian betonte weiter, dass auf den neuen Papst große Aufgaben sowohl nach innen als auch nach außen warteten. So müsse er vor allem die innere Disziplin seiner Kirche und ihre Einheit stärken. Es gebe zudem Reformbedarf etwa in der Frage einer zweiten Eheschließung. „Die koptische Kirche muss auch ihre ökumenischen Beziehungen zu den anderen Kirchen ausbauen. Besonders wichtig ist es, den interreligiösen Dialog mit dem Islam voranzutreiben. Das betrifft uns hier in Ägypten natürlich ganz besonders.“ Entscheidend sei auch der Dialog mit der Regierung des Landes. Bischof Damian wörtlich: „Wir brauchen einen starken Mann, der sich mit Klarheit für die Rechte der Kopten einsetzt und nicht sein Image auf ihre Kosten pflegt.“

    Bischof Damian beklagte, dass sich die Lage der Kopten in Ägypten seit der Revolution im Januar 2011 verschlechtert habe. Zwar habe es Diskriminierung im Alltag schon immer gegeben. Doch hätte diese seit dem vergangenem Jahr zugenommen. „Selbst bei Verkehrsunfällen gilt in der Regel der Kopte als der Schuldige“, so Damian. „Es gibt eine allgemeine Tendenz, uns aus dem Land zu treiben. Ich habe den Eindruck, dass das zentral gesteuert ist, weil es an verschiedenen Orten mit derselben Härte und Intensität ausgeführt wird. Die Hassgefühle gegen Kopten werden stärker. Es gibt Drohungen und regelrechte Vertreibungen“, meint Damian. „Ich erwarte vom neuen Papst, dass er gegen all diese Dinge mächtig seine Stimme erhebt und auch die Weltöffentlichkeit über unsere Situation unterrichtet. Ägypten ist an internationale Vereinbarungen über die Menschenrechte gebunden. Die Einhaltung der Minderheitenrechte gilt es anzumahnen.“ Es seien nicht nur die Kopten, deren Religionsfreiheit eingeschränkt ist, sondern beispielsweise auch Bahais und Schiiten. „Wenn sich hier nichts tut, kann es nötig sein, dass die Vereinigten Staaten und die Europäische Union ihre Entwicklungshilfe an die Einhaltung der Menschenrechte koppeln.“

    Tawadros, der am Tag seiner Wahl seinen 60. Geburtstag beging, wirkte seit 1997 als Weihbischof von Beheira im Nildelta. Sein Vorgesetzter war dort der Interimspatriarch, Metropolit Pachomius. Tawadros gilt als Mann des Dialogs. Im Unterschied zu vielen seiner Amtsbrüder soll der studierte Pharmazeut gute Beziehungen zu islamischen Kreisen unterhalten. Anders als sein Vorgänger begrüße er die Revolution des Jahres 2011 ausdrücklich.

    In einer ersten Stellungnahme vor Kameras sagte der neue Papst am Sonntag, dass er es als seine wichtigste Aufgabe betrachte, die Kirche geistlich zu stärken. Sich auf den geistlichen Bereich zu konzentrieren sei zudem die Hauptaufgabe der Kirche. Beobachter schlossen daraus, dass Tawadros keine politische, schon gar keine konfrontative Rolle anstrebe. Der Chefredakteur der koptischen Zeitung „Watani“, Youssef Adhom, begrüßte diese Äußerungen: „Es kann nicht im Interesse der Kopten sein, dass sie einerseits eine Rolle als gleichberechtigte Staatsbürger im neuen Ägypten anstreben, gleichzeitig aber immer eine religiöse Autorität über sich haben, die in ihrem Namen spricht.“

    An der Wahlzeremonie am Sonntag im Anschluss an einen feierlichen Gottesdienst in der Kairoer Markus-Kathedrale nahmen auch Vertreter anderer christlicher Kirchen teil, darunter der Vize-Patriarch der koptisch-katholischen Kirche des Landes, Bischof Kyrillos Kamal William Samaan von Assiut. Er kam in Vertretung des seit Jahresbeginn schwer erkrankten Patriarchen Antonios Kardinal Naguib. Angesichts des nicht immer spannungsfreien Verhältnisses zwischen beiden Kirchen maßen Beobachter der prominenten Platzierung des Bischofs und seiner Erwähnung in der Ansprache des Interimspatriarchen Pachomius hohe Bedeutung bei. Pachomius bedankte sich für die Anwesenheit Bischof Kyrills und rief dazu auf, die Beziehungen zur katholischen Kirche weiter zu pflegen. Zur Amtseinführung Tawadros' am 18. November wird auch eine vatikanische Delegation erwartet.

    Papst Benedikt XVI. hat dem neuen Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche Glückwünsche zu dessen Wahl übermittelt. Er hege keine Zweifel daran, dass Tawadros wie sein Amtsvorgänger ein „geistlicher Vater“ für seine Gläubigen sein werde, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Schreiben des Papstes. Ebenso sicher sei er, dass Tawadros ein zuverlässiger Partner für die Bildung eines neuen Ägyptens in Frieden und Harmonie werde. Auf diese Weise diene er dem Frieden im gesamten Nahen Osten, so Benedikt XVI. In „diesen Zeiten des Wandels“ sei es für alle Christen wichtig, ein Zeugnis für ihren Glauben abzulegen. Zugleich äußerte der Papst die Hoffnung auf einen vertieften Dialog zwischen Katholiken und orthodoxen Kopten.

    Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gratulierte. Er rief dazu auf, den Weg der nationalen Versöhnung fortzusetzen. Es gelte, entschlossen am Aufbau der Zivilgesellschaft mitzuwirken. Dabei sei klarzustellen, dass Ägypten Religionsfreiheit brauche und den Dialog zwischen den Religionen, der dem Frieden in der Gesellschaft diene. Das koptische Christentum sei konstitutiver Bestandteil der Gesellschaft Ägyptens. Die Stiftung „Pro Oriente“ beglückwünschte den neuen Papst-Patriarchen. Tawadros hatte am 22. September in Wien an der Eröffnung des neuen „Pope Shenouda-College“ teilgenommen. (Siehe auch Seite 5)