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    Forscher erschaffen Mensch-Tier-Wesen

    Wissenschaftler um den Tiermediziner und Entwicklungsbiologen Pablo Ross haben an der Universität von Kalifornien in Berkeley ein Tier-Mensch-Mischwesen erzeugt, bei dem reprogrammierte humane Stammzellen mit der DNA eines Schweins kombiniert wurden.

    Wissenschaftler um den Tiermediziner und Entwicklungsbiologen Pablo Ross haben an der Universität von Kalifornien in Berkeley ein Tier-Mensch-Mischwesen erzeugt, bei dem reprogrammierte humane Stammzellen mit der DNA eines Schweins kombiniert wurden.

    Bei den Experimenten brachten die Forscher auch die umstrittene CRISPR/Cas9-Technologie zur Anwendung. Mit den neuartigen Genscheren, die erst 2013 entwickelt wurden, schalteten die Forscher in dem Genom des Schweineembryos jene DNA-Region aus, die für notwendig erachtet wird, damit Schweine eine Bauchspeicheldrüse entwickeln. In einem weiteren Schritt injizierten die Forscher um Ross dem Schweineembryo dann humane induzierte pluripotente Stammzellen (IPS-Zellen). IPS-Zellen werden durch Reprogrammierung normaler Körperzellen gewonnen und können sich anschließend zu jedem Gewebetyp entwickeln. Nach vier Wochen brachen die Forscher ihre Experimente ab und analysierten anschließend das Gewebe des Schwein-Mensch-Mischwesens. Laut den Forschern hatte sich in dem 28 Tage alten Schweineembryo aus den IPS-Zellen tatsächlich so etwas wie Bauchspeicheldrüsengewebe entwickelt. Wie Ross der BBC sagte, gehe sein Team davon aus, dass aus dem Embryo ein „Tier“ geworden wäre, das sich wie ein „gewöhnliches Schwein“ verhalten hätte.

    Ziel der Forscher um Ross ist es, auf diesem Weg eine auf den Menschen transplantierbare Bauchspeicheldrüse heranzuzüchten.

    Die US-amerikanische Aufsichtsbehörde „National Institutes of Health“ hatte sich geweigert, das Experiment zu finanzieren. Einige Wissenschaftler fürchten, dass auf diese Weise erzeugte Chimären ein Verhalten an den Tag legen könnten, das nicht dem eines normalen Schweins entspricht. Bei Versuchen mit Hühnern und Wachteln hatten Forscher vor einigen Jahren Hirnzellen von Wachteln in Mäuseembryonen injiziert. Die geschlüpften Mischwesen machten anschließend nicht nur Bewegungen von Wachteln, sondern gaben auch Wachtellaute von sich. Forscher diskutieren nun, ob die dem Schweineembryo injizierten pluripotenten Stammzellen in das Gehirn der Tiere einwandern könnten. Pablo Ross sagte, es sei sehr unwahrscheinlich, dass solchen Chimären ein menschliches Gehirn wachse.

    Professor Paul Cullen, Vorsitzender der „Ärzte für das Leben“, nannte diese Versuche der Forscher um Ross „zutiefst beunruhigend“. „Diese Forschung stellt das Wesen des Menschen und somit den Urgrund der Menschenwürde grundsätzlich in Frage“, so Cullen. Der Labormediziner forderte ein umfassendes Verbot solcher Versuche „bis ihre Implikationen geklärt und auf der Ebene der gesamten Gesellschaft zur Diskussion gestellt worden sind“. (Siehe S. 2).