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    Europa a la Carte

    Von Stephan Baier

    Von Stephan Baier

    Weil Frankreichs Präsident Sarkozy eine Mittelmeerunion erfand, wollen Polen und Schweden zum Ausgleich eine Osteuropa-Union: zwecks Partnerschaft mit Weißrussland, der Ukraine, Moldawien, Georgien, Armenien und Aserbaidschan, fallweise auch mit Russland. Das sollte London inspirieren, sein leicht verstaubtes Commonwealth zu reanimieren. Spanien könnte mit den Ländern Lateinamerikas eine hispanische Union gründen, wo nur Brasilien fehlen würde, das mit Angola, Macao und Portugal sicher anderes vorhat. Solange Deutschland und Italien keine Achse mit Japan ausrufen, ist alles in bester Ordnung.

    So würden Befürchtungen deutscher Europaabgeordneter zerstreut, die in der Europäischen Union eine Verdrängung des Deutschen diagnostizieren. Jede der zahlreichen Europäischen Unionen hätte ihre Amtssprachen: die mediterrane Französisch und Arabisch, die östliche wohl Russisch. Die Aufgabe der ja auch noch bestehenden Europäischen Union bestünde darin, das Prinzip der Kooperation zwischen den Unionen zu wahren: Jeder darf jeden in jeder Sprache missverstehen. Sarkozy sogar seine Franzosen. Der Europarat bekäme den Auftrag zu klären, wie der Plural von „Europa“ in allen Amtssprachen seiner 47 Mitglieder lautet.

    Nun, da alle Staatsmänner Europas ihre eigenen Unionen gründen, um sie zu präsidieren, bleibt die Frage, wer noch für die bald neu geschaffenen Ämter eines EU-Außenministers und eines EU-Ratspräsidenten zur Verfügung steht. Hier bahnt sich eine bayerische Lösung an, die wir der CSU-Europaabgeordneten Gabriele Stauner verdanken: Sie nennt den Kobold Pumuckl einen „bayerischen Botschafter ersten Ranges in Europa“. Kein Zweifel: Damit ist er auch als Ratspräsident qualifiziert. Und Meister Eder wird sein Außenminister.