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    „Es muss wieder eine handlungsfähige Regierung entstehen“

    Simbabwe wählt heute einen neuen Präsidenten. Von freien und fairen Wahlen kann aber nicht die Rede sein...

    Simbabwe wählt heute einen neuen Präsidenten. Von freien und fairen Wahlen kann aber nicht die Rede sein...

    Diese Aussage galt sicherlich für die letzten Wahlen, als das Ergebnis durch Gewaltandrohung und Wahlfälschung manipuliert wurde. Diesmal wird es anders sein. Mugabes früherer Finanzminister und aktueller Gegenkandidat, Simba Makoni, hat einen ganz anderen Rückhalt, als der damalige Gegenkandidat der Oppositionsgruppierung MDC. Von daher denke ich nicht, dass diesmal in irgendeiner Art und Weise seitens des Mugabe-Regimes auf die Wahlen Einfluss genommen wird.

    Dann halten Sie auch eine Niederlage

    des Amtsinhabers für möglich?

    Bei drei Kandidaten rechne ich im ersten Wahlgang mit keiner endgültigen Entscheidung. Vieles hängt davon ab, wie viele Leute zur Wahl gehen. Ich hoffe, dass dies mehr sein werden als bei der letzten Präsidentschaftswahl. Die Wahlbeteiligung lag damals bei knapp vierzig Prozent. Je höher die Wahlbeteiligung, desto größer sind Makonis Chancen, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Gleiches gilt für den Oppositionspolitiker Morgan Tsvangirai in den Gebieten, in denen die MDC heute noch stark ist.

    Gute Ergebnisse sind das eine. Aber können die beiden Gegenkandidaten Mugabe wirklich ernsthaft gefährlich werden?

    Ich denke, Makoni schon. Er steht für eine solide Finanz- und Wirtschaftspolitik. Das war auch der Grund, warum Mugabe ihn vor fünf Jahren aus dem Kabinett entlassen hat. Er bringt internationale Erfahrung mit und hat die richtigen Vorstellungen. Bei Tsvangirai bin ich mit Blick auf die notwendige Rücknahme der als Landreform bezeichneten Vorgehensweise im ländlichen Bereich etwas skeptischer.

    Und wie werden Militär und Sicherheitskräfte im Fall einer Niederlage Mugabes reagieren?

    Das lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Gewiss sind Militär und Polizei auf die Regierung und den Präsidenten eingeschworen. Aber auch Makoni war ein Mann des Apparates, bevor er sich zum kritischen Hoffnungsträger gewandelt hat. Ich gehe davon aus, dass er – so hatte er sich jedenfalls in verschiedenen Interviews geäußert – durchaus Rückhalt bei Militär und Polizei hat. Und ich glaube nicht, wenn das Wahlergebnis für Mugabe negativ ausfällt, dass es zu Gewalt und Exzessen kommen wird.

    Also wird es kein zweites Kenia geben?

    Ich denke nicht. Die ethnische Situation in Simbabwe ist eine andere, sie ist klarer. Rund fünfundsiebzig Prozent sind Shona und fünfzehn bis zwanzig Prozent Matabele. Und die letzten Jahre haben gezeigt, dass es zwischen den beiden zahlenmäßig stärksten Volksgruppen keine größeren Auseinandersetzungen mehr gegeben hat.

    Angenommen, es kommt zum Machtwechsel: Was ist nötig, um einen gesellschaftlich-wirtschaftlichen Aufschwung zu erleben?

    Nach den Wahlen muss ganz schnell wieder eine handlungsfähige Regierung entstehen – eine Regierung der nationalen Einheit. Dies sollte unter Beteiligung aller politischen und wirtschaftlichen Kräfte im Land geschehen, und muss auch diejenigen einbeziehen, die dann wieder ins Land zurückkehren. Wichtig wird sein, dass sich die internationale Gebergemeinschaft wieder auf das Land konzentriert und die unseligen Boykotte beendet. Der Neuaufbau einer Zivilgesellschaft und die Stärkung der Nichtregierungsorganisationen wird jedoch einige Zeit dauern.

    Von Nicolas Schnall