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    Es geht um die Interessen der Kleinkinder

    Frau Ministerin, wie bewerten Sie den ideellen Beitrag der katholischen und der evangelischen Kirche in der Betreuungsgelddebatte? Ich habe von den Kirchen in der Betreuungsgelddebatte leider weniger gehört, als ich erwartet hätte.

    (CSU). Foto: dpa

    Frau Ministerin, wie bewerten Sie den ideellen Beitrag der katholischen und der evangelischen Kirche in der Betreuungsgelddebatte?

    Ich habe von den Kirchen in der Betreuungsgelddebatte leider weniger gehört, als ich erwartet hätte. Von der evangelischen Kirche kamen zum Teil sogar negative und skeptische Stimmen. Auch von der katholischen Kirche hätte ich mir in dieser Frage eine klarere Unterstützung gewünscht, denn gerade die Kirche muss um den Wert der Familie wissen.

    Wie könnte denn die Kirche christliche Politiker besser unterstützen, wenn es um die Vielfalt der Betreuungsmöglichkeiten geht?

    Die Kirche darf sich hier in der Tat nicht darauf zurückziehen, dass sie Kinderbetreuungseinrichtungen betreibt. Als gläubige Katholikin habe ich auch die Erwartung, dass sie sich ideell an der öffentlichen Diskussion beteiligt, etwa stärker auf die essenzielle Bedeutung der Elternverantwortung und zentrale Bedeutung von Eltern für ihre Kinder hinweist.

    Die Erwerbsbiografien vieler Mütter wirken auf manche Frauen abschreckend. Hängen wir das Thema Betreuungsgeld insgesamt politisch viel zu hoch?

    Das Thema Betreuungsgeld wird viel zu stark ideologisch aufgeladen und emotionalisiert. Es hat mit Erwerbsbiografien nichts zu tun. Es hilft genauso der schichtarbeitenden Krankenschwester, die ihr Kleinkind nachts nicht aus dem Bett reißen will und daher eine private Betreuung organisiert, wie der Freiberuflerin, die wegen unregelmäßiger Arbeitszeiten die Flexibilität einer privaten Lösung bevorzugt oder den jungen Eltern, die das Bindungsbedürfnis ihres Kleinkindes am besten in einer familiennahen Betreuung gestillt sehen. Hier geht es nicht um Rollenbilder, sondern um die Interessen der betroffenen Kleinkinder und um die Frage, welche Betreuungsform Eltern für ihr Einjähriges wollen und wie wir sie dabei unterstützen können.

    Wie bewerten Sie die Kritik am Betreuungsgeld aus Brüssel? Halten Sie sie für reine Symbolpolitik oder ist das vielleicht schon ein Hinweis für die künftige europäische Rechtsprechung?

    Es ist mit Sicherheit kein versteckter Hinweis auf die zukünftige europäische Rechtsprechung, denn dann hätten andere europäische Staaten, wie Frankreich und die skandinavischen Länder, längst einen solchen Fingerzeig erhalten, weil sie schon seit Jahren ein, übrigens deutlich höheres, Betreuungsgeld zahlen. Dieses parteipolitisch motivierte Störmanöver ist dazu bar jeder Sachkenntnis. Wer nämlich behauptet, dass das Betreuungsgeld Mütter und Väter vom Arbeitsmarkt fernhalten würde, plappert nur schlecht recherchierten Zeitungsartikeln nach. Tatsächlich spielt die Erwerbstätigkeit beim Betreuungsgeld überhaupt keine Rolle. Es geht schlicht darum, diejenigen, die in der sensiblen Bindungsphase der ersten Lebensjahre eine familiennahe Betreuung organisieren oder leisten wollen und eben nicht die Krippe wünschen, und das ist die Mehrheit in diesem Lande, nicht im Regen stehen zu lassen.