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    „Eine lebendige Tradition der Mystik“

    Herr Bischof Bode, 16 500 Jugendliche aus Deutschland fahren im August nach Madrid zum Weltjugendtag (WJT).

    von Osnabrück war Jugendbischof. Gemeinsam mit 21 weiteren Bischöfen reist er nach Madrid zum Weltjugendtag. Foto: dpa

    Herr Bischof Bode, 16 500 Jugendliche aus Deutschland fahren im August nach Madrid zum Weltjugendtag (WJT). Welche Kirche werden die Jugendlichen dort erleben?

    Es wird dort deutlich werden, wie weltweit die katholische Kirche ist, wie international und bunt, und dass sie ein Prinzip der Einheit kennt im Dienst des Papstes. Die Jugendlichen werden auch erkennen, wie sich die Kirche darum bemüht, den Glauben ins Leben zu übersetzen. Unser Glaube ist ja nicht nur das Wahrhalten von Wahrheiten, sondern lebendige Begegnung: Begegnung mit Christus und Begegnung untereinander.

    Viele Jugendliche werden bereits zu den Tagen der Begegnung im Vorfeld von Madrid anreisen. Was zeichnet die spanische Kirche im Besonderen aus?

    Die spanische Kirche nimmt an vielen Entwicklungen genauso teil wie die ganze Kirche in Europa. Obwohl das Land nach wie vor sehr katholisch geprägt ist, ist die Selbstverständlichkeit einer Volkskirche bei weitem nicht mehr durchgängig. Die Traditionsbrüche der letzten Jahre sind auch an Spanien nicht vorübergegangen. Zugleich sind in Spanien viele geistliche Gemeinschaften entstanden. Es gibt eine lebendige Tradition der Mystik und des Glaubens. Ich denke beispielsweise an die hohen Feiertage, die ja oft mit großen Prozessionen begangen werden. Da leuchtet etwas auf, das dem Glaubensleben noch einmal eine eigene Tiefe und eine mystische und auch emotionale Dimensionen gibt. Auf der einen Seite Abbrüche im kirchlichen Leben, auf der anderen Seite so etwas Glühendes in Bezug auf die Christusbeziehung: das ist es, was die spanische Kirche so spannend macht. Ich hoffe, dass davon etwas erlebt und verstanden wird.

    Weltjugendtage gibt es nun seit 25 Jahren. Glauben Sie, dass der WJT in seiner Form das Lebensgefühl der Jugendlichen so richtig trifft, oder gibt es Reformbedarf?

    Er trifft nicht das Lebensgefühl aller Jugendlichen in der Kirche. Einige leben stark von solchen Events, andere haben lieber ihre kleineren Kreise vor Ort. Durch die Weltjugendtage gelingt es, dass so mancher für eine Zeit aus diesen Kreisen heraustritt und einen weltweiten Blick einnimmt. Umgekehrt leben die Weltjugendtage auch von Impulsen und von der Ermutigung durch Gruppen vor Ort. Bei unserer sehr pluralen Gesellschaft werden wir wohl nie eine Form finden, die alle in gleicher Weise anspricht. Insofern bleiben eine kontinuierliche Jugendarbeit in den Gemeinden und das, was wir in Deutschland in Verbänden und anderen Gruppen haben, immer notwendig. Das ergänzt sich gegenseitig.

    Wird Madrid 2012 auch Impulse für die Kirche in Deutschland geben können?

    Ich bin sicher, dass viele junge Leute Kirche neu erleben und ermutigt in ihre Heimat zurückkehren. Wenn ich etwa den Vertrauensverlust und die Erschütterungen des letzten Jahres sehe, dann steckt in einer solchen Begegnung sehr viel, was den positiven Grundwasserspiegel des Vertrauens wieder hebt. Natürlich lässt sich die Nachhaltigkeit von Weltjugendtagen – das haben wir auch in Köln erlebt – nicht an Zahlen messen. Es geht ja auch mehr um eine innere Ermutigung. Ich bin mir sicher, dass sich unsere Jugendpastoral sehr viel schwerer täte, wenn wir diese Meilensteine zwischendurch nicht hätten.

    Jeder WJT-Pilger findet in seinem Rucksack den neuen Jugendkatechismus YOUCAT. Glauben Sie, dass so ansprechend die Fragen der Jugendlichen aufgegriffen werden?

    YOUCAT übersetzt den sehr umfangreichen Welt-Katechismus in einer Weise, die junge Leute besser verstehen. Aber auch dann ist noch eine Einbindung ins Gespräch und ins Miteinander nötig. Man kann für sich persönlich Fragen darin beantworten, und Anregungen dazu sind gut gegeben. Das ersetzt aber nicht die Einbindung in den Unterricht, in die Jugendarbeit oder die persönliche Begegnung.