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    Eine heimliche Liebe

    Von Guido Horst

    Von Guido Horst

    Auf dem Petersplatz putzt man einige Säulen der Kolonnaden. Nach einer Großaktion zur Renovierung sieht es nicht gerade aus. Aber immerhin. Im kommenden Jahr könnte der – zumindest bei Nacht – schönste Platz der Welt noch schöner aussehen. Der kleinste Staat der Welt putzt sich heraus – und es gibt auch einen Grund dafür: Am 11. Februar 2009 wird der „Staat der Vatikanstadt“, wie er etwas umständlich heißt, achtzig Jahre alt. Fand doch am 11. Februar 1929 die Unterzeichnung der Lateranverträge statt. Für Papst Benedikt war das Grund genug, am frühen Samstagmorgen vergangener Woche die diplomatische Vertretung der Republik Italien beim Heiligen Stuhl zu besuchen. Fruchtbar seien die Beziehungen zwischen Italien und dem Vatikan, stellte das Kirchenoberhaupt vor den Vertretern des Gastlandes fest, das es mittlerweile als Ehre empfindet, den päpstlichen Staat in seinem (geografischen) Herzen zu tragen. Rom und der Stiefelstaat ohne Papst und Vatikan, das wäre heute, achtzig Jahre nach dem Friedensschluss, für jeden Italiener undenkbar.

    Was zählt, ist diese heimliche Liebe. Allen antikirchlichen Ressentiments zum Trotz, die im italienischen Laizismus tief verwurzelt sind und einst zu den Gründungsidealen des geeinten Italiens gehörten. Wie tönte einst Giuseppe Mazzini, der Vordenker der nationalen Einigung? „Das Papsttum“, so prophezeite er 1866, „ist heute ein für jeden galvanischen Versuch unzugänglicher Leichnam.“ Wer würde heute noch so reden? Aus den Wirrungen und Irrungen eines ideologischen Zeitalters haben sich die Päpste herausgequält. Heute zählt der oberste Dienstherr im Vatikan als moralische Autorität bei den Leuten auf der Straße. Das ist mehr eine Sache Herzens als des Kopfes. Achtzig Jahre Vatikan – eine Erfolgsgeschichte und ein Grund zum Feiern.