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    Eine Revolution verändert die Welt

    Morgen ist der dreißigste Jahrestag der Rückkehr von Ayatollah Khomeini aus dem Exil in den Iran. Elf Tage später siegte die Revolution, die das Kapitel einer der ältesten Monarchien der Welt beendete. Schon am 16. Januar hatte der Schah, Mohammad Reza Pahlavi, das Land verlassen. Am Teheraner Flughafen flehten ihn seine Generäle noch einmal an, nicht fort zu gehen. Die Kaiserin Farah Diba war einsichtig: „Wenn das Volk uns nicht will, ist es besser, zu gehen.“ Noch vor dem Abflug rief der Schah den frisch vom Parlament bestätigten Premier Schapur Bakhtiar zu sich ins Flugzeug und beschwor ihn, die Armee daran zu hindern, ein Blutbad unter dem Volk anzurichten.

    Morgen ist der dreißigste Jahrestag der Rückkehr von Ayatollah Khomeini aus dem Exil in den Iran. Elf Tage später siegte die Revolution, die das Kapitel einer der ältesten Monarchien der Welt beendete. Schon am 16. Januar hatte der Schah, Mohammad Reza Pahlavi, das Land verlassen. Am Teheraner Flughafen flehten ihn seine Generäle noch einmal an, nicht fort zu gehen. Die Kaiserin Farah Diba war einsichtig: „Wenn das Volk uns nicht will, ist es besser, zu gehen.“ Noch vor dem Abflug rief der Schah den frisch vom Parlament bestätigten Premier Schapur Bakhtiar zu sich ins Flugzeug und beschwor ihn, die Armee daran zu hindern, ein Blutbad unter dem Volk anzurichten.

    Der Schah traf fatale Entscheidungen

    Dabei war ein Jahr zuvor alles noch in bester Ordnung. Am 31. Dezember 1977 besuchte US-Präsident Jimmy Carter den Iran. Dieser Besuch war der bislang letzte eines US-Präsidenten. Er stand im Zeichen der unterkühlten Beziehungen zwischen Teheran und Washington. Carters Menschenrechtsparolen und seine Doktrin, mehr Stabilität bei den Verbündeten in der Dritten Welt durch umfassende Reformen zu erzielen, hatten den Schah beunruhigt. In Teheran huldigte Carter dem Schah stattdessen aber mit ungewöhnlich anerkennenden Worten. Für ihn sei der Schah das meistrespektierte Staatsoberhaupt der Welt und der Iran sei eine „Insel der Stabilität“. Carters Worte haben selbst die US-Delegation irritiert.

    Nur sechs Tage nach Carters Abflug ließ der Schah in der größten iranischen Zeitung „Ettelaat“ einen Artikel veröffentlichen, in dem der seit 1963 im Exil weilende Ayatollah Khomeini mit infamen Beleidigungen belegt wurde – eine völlig unnötige Provokation. Es kam zu Protesten in der heiligen schiitischen Stadt Qom, die der Schah brutal niederschlagen ließ. Die Proteste weiteten sich auf andere Städte aus und wurden zu Massendemonstrationen. Noch im März 1978 präsentierte sich der Schah anlässlich des Weltfrauentages im überfüllten Teheraner Stadion, glorifizierte die Erfolge der Monarchie und verglich die Kritiker mit Hunden, die bellen, während der Mond, das heißt der Schah selber, Licht und Aura ausstrahlt. Zuvor hatte er auf dem Höhepunkt seiner Macht eine Reihe arroganter Maßnahmen ergriffen. Ökonomisch trieb er das Land voran, verwehrte dem Volk aber politische Freiheiten. 1975 ersetzte der Schah den islamischen Kalender durch einen neuen königlichen, dessen Zeitrechnung mit der Inthronisierung des Kaisers Kyros, des ersten Achämeniden-Königs, einsetzte. Im selben Jahr verwandelte er das bis dahin bestehende Zweiparteien- in ein Einparteiensystem. Beide Maßnahmen nahm er im August 1978 zurück. Doch die Einsicht kam zu spät.

    Carters Besuch war nicht die Ursache der Revolution. Er hat jedoch den Schah in seiner Überheblichkeit bestärkt. Am 4. Januar 1979 ernannte der Schah Schapur Bakhtiar, den Vizepräsidenten der bis dato verbotenen demokratischen „Nationalen Front Irans“, notgedrungen zum Premier. In einer informellen Gipfelkonferenz der Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien, den USA und der Bundesrepublik im französischen Guadeloupe am 5. und 6. Januar 1979 wurde der Schah zur Reise ins Exil gedrängt, die er zehn Tage später auch antrat.

    Die Regierung Bakhtiars hatte keine Chance gegen die Revolution und hielt nur 37 Tage stand. Ohne Ayatollah Khomeini hätte die Revolution zweifellos nicht so schnell gesiegt. Denn trotz der angeschlagenen Wirtschaft waren die Folgen der Ölpreissenkung von 1977 noch nicht im Volk spürbar. Es existierte eine solide satte Mittelschicht, eine nicht hungernde Arbeiterschaft, Frauen samt allen anderen Bürgern genossen gesellschaftliche Freiheiten. Außenpolitisch unterhielt der Schah, der Freund des Westens, auch gute Beziehungen zum Ostblock und zu China. In keinem Land, das sich in einem vergleichbaren Zustand befand, ereignete sich für gewöhnlich eine Revolution. Der Sieg der Revolution beruhte auf der charismatischen Führung Ayatollah Khomeinis, der religiös-traditionellen Basis der iranischen Bevölkerung, die damals zur Hälfte aus Analphabeten bestand, und einer unpragmatischen Opposition, die bis auf eine winzige Minderheit genauso wenig von Demokratie hielt wie der Schah selbst. Hinzu kamen die politisch fatalen Fehler des krebskranken Monarchen und einer in ihrer Iranpolitik konfus agierenden und in sich zerstrittenen Carter-Administration.

    Die Islamische Republik stellte mit dem Heraufbeschwören der islamistischen Kräfte den Nahen Osten auf den Kopf. Bis auf zwei bereits zuvor existierende Gruppen, die der Muslimbrüder in Ägypten und der Gama'at Islami in Pakistan, existierte damals kaum eine islamistische Gruppe. Das hat sich geändert. Vor einer Woche beteuerte der konservative iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani, der Gaza-Krieg und der tapfere Widerstand der Hamas sowie die Macht der Hisbollah seien dem Segen der iranischen Revolution geschuldet.

    Für den Iran selbst erwies sich die Revolution als Desaster. Aus einem weltweit angesehenen Staat vor der Revolution, in dem sich die Staatsoberhäupter der Welt zu Besuchen die Klinke in die Hand gaben, ist das Schreckgespenst der Weltpolitik geworden. Der Gipfel der trostlosen Revolution ist die Regierung Ahmadinedschads, die Iran trotz einer milliardenschweren Ölrendite eine desolate Wirtschaft mit sehr viel Notleidenden bescherte. Außenpolitisch brachte er das Land durch seinen Nuklearkurs und einer martialischen Rhetorik an den Rand eines Krieges. Den neuen Tönen aus Washington und der ausgestreckten Hand Barack Obamas begegnete Ahmadinedschad mit der ihm eigenen Arroganz: Wenn die neue US-Regierung tatsächlich ihre bisherige Politik verändern wolle, müsse sie sich zunächst beim iranischen Volk entschuldigen.

    Bald wird der Iran aber gezwungen sein, seine Außenpolitik zu überdenken. Er steht unter dem Zwang des niedrigen Ölpreises und der Folgen der internationalen Finanzkrise, die mittlerweile auch den Iran erreicht hat. Dazu kommt der Machtwechsel im Weißen Haus, der den USA günstigere Möglichkeiten bietet, den Druck auf den Iran auszubauen. Eine zeitweilige Aussetzung des Atomprogramms wäre auch unter einer konservativ geführten Regierung nicht auszuschließen. Irans Beziehungen zur Europäischen Union bedürfen ebenfalls einer Verbesserung. Der Chefunterhändler für Atomfragen, Saeed Dschalili, hat in der Hitze des „Gas-Konflikts“ zwischen der Ukraine, Russland und Europa als ersten Schritt den Export von iranischem Erdgas nach Europa ins Gespräch gebracht.

    Ahmadinedschad hat gute Chancen auf Wiederwahl

    Doch sowohl für eine innen- als auch für eine außenpolitische Entspannung braucht das Land dringend einen moderaten Reformpräsidenten. Die Chancen bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen im kommenden Juni stehen jedoch trotz Ahmadinedschads kläglicher Bilanz nicht zwingend gut. Er genießt die Unterstützung des Obersten Religionsführers, des Wächterrates, der die Wahlen überwacht, und des Innenministeriums, das sie organisiert. Weiterhin kann er sich auf zwölf Millionen organisierte konservative Wähler, bestehend aus konservativen Stammwählern, Revolutionswächtern und Bassij-Milizionären sowie deren Familien und Verwandte verlassen. Hinzu kommen noch die Armen, die Ahmadinedschad populistisch geschickt direkt aus der Staatskasse unterstützt, wenn sie sich persönlich oder per Brief an ihn wenden. Nur noch der populäre Ex-Reformpräsident Khatami hätte sehr gute Chancen gegen ihn. Dieser hat seine Kandidatur bislang jedoch noch nicht bekannt gegeben. Es wird deshalb vielleicht auch dreißig Jahre nach der Revolution alles beim alten bleiben.

    Von Behrouz Khosrozadeh