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    „Eine Kultur des Lebens fördern“

    Hunderttausende Menschen demonstrieren in Washington für den unbedingten Schutz ungeborenen Lebens und gegen Abtreibung – bei eisigen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Doch für viele Zeitungen, TV-Sender und Nachrichtenportale schien der „Marsch für das Leben“ am vergangenen Freitag nicht wichtig genug zu sein. Wenige Tage nach dem Großereignis in der US-Hauptstadt breitet sich über Twitter, anderen Social media-Plattformen und privaten Blogs der Unmut darüber aus, dass große US-Medien auf eine Berichterstattung über den Marsch verzichtet hatten.

    Hunderttausende Amerikaner demonstrierten auf der National Mall in Washington für den Schutz ungeborenen Lebens. Foto: Reuters

    Hunderttausende Menschen demonstrieren in Washington für den unbedingten Schutz ungeborenen Lebens und gegen Abtreibung – bei eisigen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Doch für viele Zeitungen, TV-Sender und Nachrichtenportale schien der „Marsch für das Leben“ am vergangenen Freitag nicht wichtig genug zu sein. Wenige Tage nach dem Großereignis in der US-Hauptstadt breitet sich über Twitter, anderen Social media-Plattformen und privaten Blogs der Unmut darüber aus, dass große US-Medien auf eine Berichterstattung über den Marsch verzichtet hatten.

    Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter beklagten sich am Wochenende zahlreiche Nutzer, dass die Journalisten, statt über den „Marsch für das Leben“, lieber über eine kleine Demonstration für die Verschärfung der Waffengesetze in den USA berichteten. Zu der Kundgebung waren am Samstag nach Medienberichten Tausende Leute nach Washington gekommen, darunter auch 100 Menschen aus Newtown, jenem Ort, der im Dezember weltweit im Fokus des öffentlichen Interesses stand, weil ein Amokläufer in die dortige Grundschule eingedrungen war und für ein Blutbad gesorgt hatte. Ein Blogger, der am Samstag über die Kundgebung schrieb, bezeichnete aber auch noch diese im Vergleich zum „Marsch für das Leben“ niedrigen Angaben der Medien als übertrieben.

    Aber auch ohne die Debatte um die Waffengesetze, die am Samstag mit der Kundgebung neue Nahrung bekommen hatte, war für viele Medien anderes wichtiger: Nach der evangelikalen US-Zeitung „Christian Post“ verbreitete etwa das Onlineportal CNN.com am Freitagabend als wichtigste Nachricht die Einlieferung des 76-jährigen US-Schauspielers Burt Reynolds in ein Krankenhaus. Reynolds war wegen einer Grippeerkrankung geschwächt. Einen Beitrag über den Marsch für das Leben habe man auf CNN.com vergeblich gesucht, schreibt der Reporter Alex Muraskho.

    Dabei hätte nicht nur die hohen Teilnehmerzahlen, – Schätzungen gehen von 500 000 bis 650 000 Teilnehmer aus – eine breitere Berichterstattung gerechtfertigt. Der diesjährige Marsch stand auch aufgrund des 40. Jahrestages des Urteils „Roe vs Wade“, mit dem der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten am 22. Januar 1973 die Abtreibung ungeborener Kinder weitgehend legalisierte, unter besonderen Vorzeichen. 55 Millionen Kinder sollen seitdem in der USA abgetrieben worden sein. Bereits im Vorfeld hatten die Veranstalter mit mehr Teilnehmern gerechnet.

    Die katholische Kirche hatte den Marsch für das Leben mit zahlreichen Veranstaltungen und Wortmeldungen unterstützt. Papst Benedikt XVI. schrieb in einer Twitter-Botschaft am Freitag: „Ich schließe mich aus der Ferne all jenen an, die für das Leben marschieren, und bete dafür, dass die politischen Führer das Ungeborene schützen und eine Kultur des Lebens fördern werden.“

    Bostons Erzbischof, Kardinal Sean O'Malley, dankte den Lebensschützern und Kundgebungsteilnehmern für ihren teilweise Jahrzehnte langen Einsatz. Sie hätten die damalige Annahme, dass der Protest gegen des Urteil bald aufhören werde, widerlegt, so O'Malley bei der Schlusskundgebung vor dem Gebäude des Supreme Court am Freitag (Ortzeit). Die Lebensmarsch-Bewegung sei von Jahr zu Jahr stärker geworden. Ihr sei es mit zu verdanken, dass die Abtreibungszahlen in den USA heute rückläufig seien, so der Vorsitzende der Lebensschutzkommission der US-Bischöfe. Bischof Kevin J. Farell ermutigte die Lebensschützer, nach dem Vorbild des Apostels Paulus „gelegen oder ungelegen“ für die Rechte des ungeborenen Lebens einzutreten. Noch immer würden mehr als eine Million ungeborene Kinder im Jahr durch Abtreibung getötet. Am Donnerstagabend hatten 324 Priester, 41 Bischöfe und sechs Kardinäle gemeinsam mit 13 000 Gläubigen eine Vigil gefeiert und damit den Beginn des Marsches eingeläutet.

    Der republikanische Abgeordnete John Boehner, Sprecher des amerikanischen Repräsentantenhauses, kündigte in einer Videobotschaft an, alle Möglichkeiten ausloten zu wollen, damit auch in Zukunft keine Steuergelder für Abtreibungen ausgegeben würden. Neben Boehner war auch Rick Santorum vertreten. Der republikanische Senator und Katholik hatte im letzten Jahr für die Präsidentschaftswahlen kandidiert, musste sich aber in den Vorwahlen letztlich Mitbewerber Mitt Romney geschlagen geben. Die Teilnehmer der Demonstration stünden in einer „Welt des Todes für die Liebe“, sagte Santorum.

    Dass die US-Medien den Marsch für das Leben weitgehend ignorieren, hat Tradition. Rick Noyes, Medienexperte des konservativen Media Research Centers, schrieb am Freitag, dass sich die meisten US-Journalisten in den letzten 40 Jahren für das Recht der Frau auf Abtreibung stark gemacht hätten. Dies sei durch vier Umfragen dokumentiert. Das Wahlkampfteam von Barack Obama habe sich diesen Umstand im Präsidentschaftswahlkampf im letzten Jahr zunutze gemacht.

    Um die Meinungshoheit der etablierten Medien zu brechen, setzen Lebensschutz-Organisationen laut der „Christian Post“ besonders auf soziale Netzwerke und social media-Plattformen, mit denen sie die Menschen direkt erreichen können.

    Mit Material von KNA.