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    Eine Ermutigung für die Kirche

    Rio de Janeiro (DT/KNA/dpa) Nach der feierlichen Eröffnung des Weltjugendtages, an der der Papst traditionell nicht selbst teilnahm, hat Franziskus am Mittwoch sein Brasilienreise mit dem Besuch des Marienwallfahrtsortes Aparecida fortgesetzt. Am Dienstag hatte der Heilige Vater einen Ruhetag eingelegt, um sich von Flug und Zeitumstellung zu erholen. Wegen des schlechten Wetters flog der Papst gestern die 200 Kilometer von Rio nach Aparecida mit Flugzeug und Hubschrauber. Ursprünglich wollte er die gesamte Strecke im Helikopter zurücklegen. Nach einem privaten Gebet vor dem Gnadenbild der Madonna feierte der Papst eine Heilige Messe in der Basilika „Unsere Liebe Frau von der Unbefleckten Empfängnis“.

    Begeisterung so weit das Auge reicht: Am Donnerstag trifft Papst Franziskus erstmals offiziell mit den Teilnehmern des W... Foto: dpa

    Rio de Janeiro (DT/KNA/dpa) Nach der feierlichen Eröffnung des Weltjugendtages, an der der Papst traditionell nicht selbst teilnahm, hat Franziskus am Mittwoch sein Brasilienreise mit dem Besuch des Marienwallfahrtsortes Aparecida fortgesetzt. Am Dienstag hatte der Heilige Vater einen Ruhetag eingelegt, um sich von Flug und Zeitumstellung zu erholen. Wegen des schlechten Wetters flog der Papst gestern die 200 Kilometer von Rio nach Aparecida mit Flugzeug und Hubschrauber. Ursprünglich wollte er die gesamte Strecke im Helikopter zurücklegen. Nach einem privaten Gebet vor dem Gnadenbild der Madonna feierte der Papst eine Heilige Messe in der Basilika „Unsere Liebe Frau von der Unbefleckten Empfängnis“.

    Aparecida ist der bedeutendste Marienwallfahrtsort Brasiliens. Bis zu elf Millionen Menschen pilgern jedes Jahr in die 150 Kilometer nordöstlich von Sao Paulo gelegene Kleinstadt. In ihrem Zentrum steht eine mehr als 40 000 Menschen fassende Wallfahrtskirche, in der die Gläubigen an einer kleinen Statue der Gottesmutter beten. Das portugiesische Wort „Aparecida“ bedeutet übersetzt „Die Erschienene“. Fischer sollen diese schwarze Madonna im Jahr 1717 in zwei Teilen aus einem Fluss gezogen haben. Anschließend erzielten sie der Überlieferung nach einen reichen Fang, nachdem sie zuvor stundenlang leer ausgegangen waren. Diesem ersten Marienwunder folgten weitere Berichte; es begann eine Verehrung der rund 40 Zentimeter hohen Figur. Zunächst wurde eine Kapelle, später eine große Kirche errichtet. Seit 1955 ist eine neue Basilika in Bau, die Papst Johannes Paul II. 1980 besuchte und weihte. Vier Jahre später erklärte die Brasilianische Bischofskonferenz die Kirche zum Nationalheiligtum. Sie ist aber bis heute nicht komplett fertiggestellt. 2007 tagte in Aparecida die Vollversammlung des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM. Im Abschlussdokument, das vom heutigen Papst Franziskus mitverfasst wurde, beschlossen die Bischöfe eine kontinentale Mission, die unter anderem kleine Gemeinschaften fördern und der Herausforderung durch evangelikale Sekten begegnen will.

    Am Nachmittag (Ortszeit) flog der Papst nach Rio zurück. Dort sah das Programm den Besuch eines Krankenhauses vor, um dort eine neue Abteilung der Entzugsklinik einzuweihen. Das „Hospital Sao Francisco“ liegt am Südrand der Metropole an den Hängen des Nationalparks Tijuca. Die 1985 gegründete Einrichtung bietet Therapieplätze für inzwischen rund 500 Suchtpatienten. (Ausführliche Berichte und die Dokumentation der Papstansprachen erfolgen aufgrund der Zeitverschiebung in der Samstagsausgabe der „Tagespost“.)

    Den Weg vom Flughafen zum Krankenhaus durch die Innenstadt von Rio hatte Franziskus ursprünglich im offenen Jeep zurücklegen wollen. Nach den tumultartigen Szenen um das Papstauto, die sich nach der Ankunft der Heiligen Vaters abgespielt hatten, beschlossen ranghohe Vertreter Brasiliens und des Vatikan bei einem gemeinsamen Treffen, dass Franziskus nun in einem geschlossenen Wagen der brasilianischen Behörden fahren werde.

    Mit den Teilnehmern des Weltjugendtages will der Papst erstmals am Donnerstagabend zusammenkommen. Am Strand von Copacabana ist eine religiöse Willkommensfeier geplant. Zum Schlussgottesdienst des Katholikentreffens am Sonntag haben sich nach Vatikanangaben bislang drei ausländische südamerikanische Präsidenten angekündigt. Erwartet werden die Staatsoberhäupter von Argentinien, Bolivien und Suriname. Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff hatte alle Amtskollegen aus Lateinamerika eingeladen. Zur Abschlussmesse des Weltjugendtags mit dem Papst werden für Sonntag nach jüngster Schätzung der Organisatoren rund 1,5 Millionen Menschen erwartet. Weitere Höhepunkte sind eine Kreuzwegsandacht am Freitag sowie ein Abendgebet mit dem Papst am Samstag.

    Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sieht den Weltjugendtag in Brasilien als brückenschlagende Begegnung. „Die Teilnahme von rund 2 000 Pilgerinnen und Pilgern aus Deutschland beim Weltjugendtag in Rio ist eine Ermutigung für die Kirche auch in unserem Land“, sagte Zollitsch in Freiburg. Er wünsche den Teilnehmern die Erfahrung einer lebendigen Kirche und hoffe, dass die jungen Menschen von ihren Erlebnissen in Rio erzählten und Zeugnis von ihrem Glauben abgäben. „Weltjugendtage sind eine unverzichtbare Begegnung der Weltkirche“, so Zollitsch. Das Erlebte wirke lange nach. In Rio kämen alle zusammen, um Kirche hautnah zu erleben, die Pilger und Bischöfe, gemeinsam mit Papst Franziskus, sagte der Vorsitzende der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Karl-Heinz Wiesemann. „Für mich gehört beides zum Weltjugendtag: ein waches Bewusstsein für die Sorgen und Nöte der Jugendlichen in der Welt und die Freude am Glauben, die man schon jetzt überall in der Stadt spüren kann“, fügte Wiesemann hinzu.

    Am Dienstagabend (Ortszeit) war der 28. Weltjugendtag mit einem großen Open-Air-Gottesdienst am berühmten Strand von Copacabana eröffnet worden. (Siehe Seite 5). Trotz zeitweilig strömenden Regens und einem Temperatursturz auf 15 Grad fanden sich nach Vatikan-Angaben 500 000 bis 600 000 Jugendliche aus aller Welt in Regen-Capes auf dem Gelände am Meer ein. Die Gottesdienstbesucher schwenkten ausgelassen Fahnen ihrer Heimatländer und stimmten Gesänge an. Die Messe unter der Leitung des Erzbischofs von Rio, Orani Tempesta, fand unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt. Unter den Jugendlichen war auch die 20-jährige Argentinierin Estefanía Albornoz. Sie zeigt sich besonders stolz auf den Papst, der aus ihrem Heimatland kommt. „Wir wären aber ganz sicher auch hier, wenn der Papst kein Argentinier wäre“, versichert sie. „Aber klar empfindet man mehr Herzenswärme, weil er Argentinier ist. Aber der Papst ist der Papst, und wenn man Papst wird, dann gehört er schon nicht mehr Argentinien, sondern der ganzen Welt.“ Über 20 000 Pilger sind aus dem Heimatland von Jorge Mario Bergoglio an den Zuckerhut gereist.

    Insgesamt sind Pilger aus 175 Ländern zum Weltjugendtag gekommen. Vor der Bühne hielten die Jugendlichen Flaggen unter anderem aus dem Kongo, dem Libanon, den USA und Kanada, der Schweiz, Italiens, Brasiliens und auch aus Deutschland in die Höhe. „Das ist einfach bombastisch. Die Brasilianer sind herzlich, aufgeschlossen, hilfsbereit und superfreundlich“, sagt Martin Piendl (16) aus Regensburg. Er ist mit Pfarrer Georg Guggemos (48) und einer Gruppe von 150 Jugendlichen aus den Diözesen Augsburg und Regensburg sowie der Erzdiözese München-Freising nach Rio gekommen. Pater Guggemos hat seit 1991 schon sechs Weltjugendtage besucht, ist also sozusagen ein „alter Jugendtags-Fuchs“. „Diese internationale Atmosphäre ist absolut begeisternd. Wir treffen Pilger aus allen Ländern. Immer wieder eine fantastische Erfahrung“, sagt er.