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    Ein trauriges Osterfest

    In Aleppo geht die Angst um. Die Menschen fürchten eine erneute Eskalation der Gewalt. Seit vergangener Woche haben sich dort die Kämpfe zwischen Regierung und den Gruppen der Opposition massiv verstärkt. Berichten zufolge soll die syrische Armee mit russischer Unterstützung große Kräfte bei der Stadt zusammengezogen haben. Offenbar wird damit eine Offensive vorbereitet, an deren Ende die Vertreibung der Rebellen aus der zwischen Regierung und Opposition geteilten Metropole stehen soll. Einer Rückeroberung ginge aber wohl erst eine Belagerung der Stadt voraus. Dazu versucht die syrische Armee, den Ostteil der Stadt weiträumig zu isolieren. Operationen der syrischen Armee zielen darauf ab, Nachschubwege der Opposition nach Norden in die Türkei zu kappen. Gelänge Syriens Präsident Baschar Al Assad die Vertreibung der Rebellen aus Aleppo, wäre es der größte in einer Reihe von strategisch und propagandistisch wichtigen Erfolgen in diesem Jahr. Vor allem die Rückeroberung der antiken Wüstenstadt Palmyra vom IS, aber auch des von vielen Christen bewohnten Ortes Al Karjatain vor einigen Wochen machen deutlich, wie sehr sich das Blatt für Assad seit dem Eingreifen Moskaus im Oktober vergangenen Jahres gewendet hat. Dass Russland trotz seines von Präsident Wladimir Putin befohlenen Teilrückzugs russischer Truppen sich jetzt offenbar an der Offensive auf Aleppo beteiligt, zeigt, dass die russische Intervention als solche noch lange nicht vorbei ist. Darauf deutet die jüngst erfolgte Verlegung russischer Kampfhubschrauber nach Syrien hin. Der amerikanischen Regierung zufolge soll auch schweres russisches Artilleriegerät in die Gegend von Aleppo verlegt worden sein.

    Schäden nach Luftangriff auf Aleppo
    Menschen in Aleppo versuchen, Opfer unter den Trümmern eines Luftangriffs von der Nacht zuvor zu bergen. Bei dem Angriff... Foto: dpa

    In Aleppo geht die Angst um. Die Menschen fürchten eine erneute Eskalation der Gewalt. Seit vergangener Woche haben sich dort die Kämpfe zwischen Regierung und den Gruppen der Opposition massiv verstärkt. Berichten zufolge soll die syrische Armee mit russischer Unterstützung große Kräfte bei der Stadt zusammengezogen haben. Offenbar wird damit eine Offensive vorbereitet, an deren Ende die Vertreibung der Rebellen aus der zwischen Regierung und Opposition geteilten Metropole stehen soll. Einer Rückeroberung ginge aber wohl erst eine Belagerung der Stadt voraus. Dazu versucht die syrische Armee, den Ostteil der Stadt weiträumig zu isolieren. Operationen der syrischen Armee zielen darauf ab, Nachschubwege der Opposition nach Norden in die Türkei zu kappen. Gelänge Syriens Präsident Baschar Al Assad die Vertreibung der Rebellen aus Aleppo, wäre es der größte in einer Reihe von strategisch und propagandistisch wichtigen Erfolgen in diesem Jahr. Vor allem die Rückeroberung der antiken Wüstenstadt Palmyra vom IS, aber auch des von vielen Christen bewohnten Ortes Al Karjatain vor einigen Wochen machen deutlich, wie sehr sich das Blatt für Assad seit dem Eingreifen Moskaus im Oktober vergangenen Jahres gewendet hat. Dass Russland trotz seines von Präsident Wladimir Putin befohlenen Teilrückzugs russischer Truppen sich jetzt offenbar an der Offensive auf Aleppo beteiligt, zeigt, dass die russische Intervention als solche noch lange nicht vorbei ist. Darauf deutet die jüngst erfolgte Verlegung russischer Kampfhubschrauber nach Syrien hin. Der amerikanischen Regierung zufolge soll auch schweres russisches Artilleriegerät in die Gegend von Aleppo verlegt worden sein.

    Die Menschen Aleppos fühlen die Vorboten der drohenden Konfrontation schon jetzt. Vor allem die dschihadistische, mit Al Kaida verbundene An-Nusra-Front dominiert die von den Rebellen gehaltenen Teile der Stadt. Heftiger Beschuss, berichten lokale Quellen, geht von dort vor allem seit Samstag auf die andere Seite nieder. Luftangriffe des Regimes waren Presseberichten zufolge am Freitag vorausgegangen und dauern an. Dabei sollen auch Fassbomben abgeworfen worden sein und zahlreiche Menschen getötet haben. Am Mittwoch wurde ein Krankenhaus getroffen. Stark vom Beschuss der Rebellen wiederum betroffen sind die Viertel, wo Aleppos verbliebene Christen wohnen. Dabei kommen auch selbstgebastelte Bomben wie Gaskanister zum Einsatz. Bilder zeigen große Verwüstungen. Tote und zahlreiche Verletzte werden beklagt, darunter auch Kinder. Lebten einst etwa 150 000 Christen verschiedener Konfession in der früheren blühenden Wirtschaftsmetropole, sind es heute vielleicht nur noch ein Drittel davon, schätzt Aleppos chaldäischer Erzbischof Antoine Audo jetzt. Vor allem arme, alte und kranke Christen harren noch in der einst blühenden Stadt aus, die heute aber nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, seitdem sie im Laufe des Jahres 2012 in die Wirren des syrischen Krieges geriet. Die Mehrheit hat sich längst abgesetzt. Entweder in die einigermaßen sichere Küstenregion in Syrien, in den benachbarten Libanon oder gleich ganz weg ins westliche Ausland.

    Die zunehmenden Kämpfe in Aleppo stehen in einem engen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang mit dem vorläufigen Scheitern der diplomatischen Gespräche in Genf in der vergangenen Woche. Vertreter der Opposition verließen das von den Vereinten Nationen moderierte Format indirekter Gespräche mit Emissären der Assad-Regierung vor dem vereinbarten Ende der gegenwärtigen Gesprächsrunde unter Protest. Die Opposition macht Assad für das Scheitern verantwortlich. Ihm gehe es nicht um einen politischen Übergang, sondern um das Festhalten an der Macht. Der Waffenstillstand sei tot, meinte ein Oppositionsvertreter mit Blick auf das Ende Februar in Kraft getretene, vor allem von Russen und Amerikanern auf den Weg gebrachte Abkommen. UN-Sondervermittler Staffan de Mistura warnte am Donnerstag in Genf vor einem Scheitern der Gespräche wie einem Kollaps des Waffenstillstands. Russland und Amerika müssten eine Rettung der Waffenruhe versuchen. Es sei eine dringliche Initiative auf höchster Ebene nötig. Auch Länder der Region seien einzubeziehen. Einen neuen Termin für die Friedensgespräche will de Mistura erst bekannt geben, wenn die Waffenruhe wieder eingehalten wird. Berichten zufolge strebt der italienisch-schwedische Diplomat aber eine Fortsetzung der Gespräche für Mai an. Das dürfte indes ganz wesentlich von den Vorgängen um Aleppo abhängen. Denn zöge die Regierung – wonach es aussieht – wirklich in die Schlacht um Aleppo, ist an eine Wiederaufnahme vorerst nicht mehr zu denken. Denn von einigen Gebieten im Süden des Landes abgesehen konzentrieren sich die nicht dem IS verbundenen Rebellen auf die nördlichen Gebiete des Landes. Der Verlust Aleppos wäre für sie weder hinzunehmen noch zu verkraften. Manche Beobachter gehen so weit zu sagen, dass Assad mit der Eroberung Aleppos im Grunde den Krieg faktisch gewonnen hätte, unabhängig davon, ob der IS schon aus den von ihm besetzten Teilen Syriens vertrieben wäre.

    Die USA, so der amerikanische Außenminister John Kerry kürzlich, würden indes nicht tatenlos zusehen, wie Russland einerseits behauptet, Terroristen zu bekämpfen, während es gleichzeitig das Regime unterstützt. Technisch indes verletzen russische und syrische Angriffe wenigstens auf die An-Nusra-Front in Aleppo das Waffenstillstandsabkommen nicht. Denn die Gruppe ist ausdrücklich davon ausgenommen. Weil aber viele Rebellengruppen mit An-Nusra wenigstens gelegentlich kooperieren, werden auch sie von Seiten der Regierung wie der Russen als legitime Ziele betrachtet. Insgesamt ist unklar, welche Optionen Washington überhaupt gegenüber Moskau hat. US-Präsident Barack Obama scheut anders als Putin jede direkte Intervention. Die von Obama jetzt angekündigte Verlegung von bis zu 250 Spezialkräften nach Syrien ist ausschließlich auf die Bekämpfung des IS ausgerichtet. Sie sollen vor allem die Luftunterstützung für den IS bekämpfende Rebellengruppen verbessern und sie trainieren.

    Die jüngsten Entwicklungen um Aleppo deuten also auf ein Ende des Waffenstillstandsabkommens hin, das stets brüchig war, den Menschen aber Erleichterung verschaffte, nicht zuletzt durch die Ermöglichung von Zugang für humanitäre Hilfe. Eine Ordensfrau aus Aleppo sagte jetzt im Gespräch, dass die Menschen seit Ende Februar gehofft hatten, dass der Waffenstillstand der Anfang vom Ende des Krieges ist. Doch sie sähen sich jetzt bitter enttäuscht, meint sie, und reagierten gleichzeitig ärgerlich und verzweifelt. Das orthodoxe Osterfest am Sonntag, klagt sie, werde ein trauriges sein.