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    Ehrenamt: Militär-Imam

    Muslimische Militärseelsorge in der Diskussion. Von Carl-Heinz Pierk

    Hans-Peter Bartels
    Der Wehrbeauftragte des Bundestages Hans-Peter Bartels könnte sich eine ehrenamtliche Lösung bei der Seelsorge für Musli... Foto: dpa

    Im Schatten der neuerlichen Islam-Debatte gewinnt das bisher wenig beachtete Thema der islamischen Geistlichen an Aktualität, die als Militär-Imame Soldaten und Familienangehörige seelsorgerisch betreuen. Seit Jahren fordern Islamverbände, aber auch Politiker muslimische Militärseelsorger. Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck sagte in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), er sehe die direkt Verantwortlichen, also Politik, Bundeswehr und Vertreter der Muslime am Zug. Zugleich verwies er auf noch zu lösende praktische Fragen: So seien die vergleichsweise wenigen Muslime bei der Bundeswehr auf viele verschiedene Standorte verteilt. Da gelte es auszuloten, wie überhaupt „muslimische Seelsorge“ gehe. Der Verhandlungspartner auf muslimischer Seite sei nicht so klar verfasst wie die christlichen Kirchen.

    Verlässliche Daten über die Anzahl der sich zum islamischen Glauben bekennenden Soldatinnen und Soldaten sind nicht vorhanden. Die Angaben schwanken zwischen 1 400 und 1 600 Soldatinnen und Soldaten. Dies liegt daran, dass eine Angabe zum religiösen Bekenntnis – mit Ausnahme der der Kirchensteuerpflicht unterliegenden Religionsgemeinschaften – grundsätzlich freiwillig ist. Insgesamt dienten zum Erhebungszeitpunkt am 31. Januar 170 124 Berufs- und Zeitsoldaten bei der Bundeswehr, darunter rund 48 400 katholische und 63 200 evangelische Soldatinnen und Soldaten. Da die Seelsorge ausschließlich in der Hand katholischer und evangelischer Geistlicher liegt, kümmern diese sich auch um die Bedürfnisse nichtchristlicher Soldaten. Generell gilt jedoch für christliche wie nichtchristliche Soldaten: Die Ausübung der Religion darf den Dienst nicht behindern.

    Der Zentralrat der Muslime in Deutschland erinnert nun an den „Vertrag der Bundesrepublik Deutschland mit der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Regelung der evangelischen Militärseelsorge“.

    Darin ist festgelegt: „Für je 1 500 evangelische Soldaten wird ein Militärgeistlicher berufen.“ Die Bundesregierung hatte 2012 deutlich gemacht, dass diese „Regelung analog auch auf andere Religionen angewandt“ wird. Als Faustregel gilt demnach: Ein Militärseelsorger betreut 1 500 Soldaten pro Standort und Konfession.

    Zahlenmäßig dürfte dieses Kriterium für eine muslimische Militärseelsorge nahezu erfüllt sein. Allerdings warten einige Hürden. „Das Problem ist, dass wir von muslimischer Seite bisher weder einen vertragsfähigen Kooperationspartner haben noch dass uns dargestellt wird, wie die Zusammenarbeit aussehen soll“, erklärte Flottillenarzt Ralf Wieking, Sprecher Streitkräfte und Sanitätsdienst im Bundesministerium der Verteidigung, gegenüber dieser Zeitung. Es gebe zwar immer wieder einzelne Soldatinnen und Soldaten, die „presseöffentlich“ würden und einen Bedarf anmeldeten, der sei aber in der Breite der Bundeswehr bisher so nicht gesehen worden. Wieking wies zugleich auf die beim Zentrum Innere Führung angesiedelte Stelle für religiöse Fragen hin, die pro Jahr ungefähr 120 Anfragen von Soldatinnen und Soldaten verschiedener Glaubensrichtungen erhalte. Grundsätzlich bestehe aufseiten der Bundeswehr die Bereitschaft, eine seelsorgerliche Betreuung von muslimischen Soldatinnen und Soldaten bei Bedarf und bei Vorliegen der Voraussetzungen zu ermöglichen. Es geht um klare Regeln. Darauf machte auch der evangelische Militärbischof Sigurd Rink in Lüneburg beim Neujahrsempfang des Johanniterordens aufmerksam. Er sieht gravierende Probleme bei der Einführung einer muslimischen Militärseelsorge. Zum einen gehen sie auf die geringe Zahl der Soldaten muslimischen Glaubens zurück. Es sei nicht einfach zu realisieren, dass diese wenigen Soldaten einen Imam bekämen. Zum anderen gebe es nicht den Islam. „Es gibt eine große Zahl von Richtungen und Gruppierungen, die nicht ohne weiteres einen Imam für sich akzeptieren würden“, gab Rink zu bedenken.

    Welche Lösung gibt es? Für hauptamtliche Militär-Imame dürfte die Zahl von etwa 1 500 Muslimen in der Truppe zu gering sein, zumal sie über viele Standorte verteilt sind und konkurrierenden Islamrichtungen anhängen. Am Ende könnte ein ehrenamtliches Modell herauskommen, das auch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels, favorisiert. Gegenüber dieser Zeitung wies er auf seine entsprechenden Äußerungen hin. Der Wehrbeauftragte schlägt etwa vor, eine Stelle einzurichten, bei der eine Liste mit Imamen geführt wird, die für die Aufgabe infrage kommen und die bei der Bundeswehr an einer Weiterbildung teilgenommen haben. Bartels nennt als Vorbild Österreich, wo das Bundesheer inzwischen über zwei Militär-Imame verfügt. Die Zahl muslimischer Soldaten dort wird auf etwa Tausend geschätzt.

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