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    Donald Trump

    Über Donald Trump, den 45. Präsidenten der USA, wird wenig reflektiert berichtet. Es wurden sogar Gerüchte über seinen Geisteszustand laut. Von Florian Hartleb

    Donald Trump
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    Über Donald Trump, den 45. Präsidenten der USA, wird wenig reflektiert berichtet. Es wurden sogar Gerüchte über seinen Geisteszustand laut. Nicht ganz von ungefähr: Trumps Weltbild ist einfach zusammengesetzt, vermengt Unwissenheit mit Überzeichnungen und maßlosen Übertreibungen. Er hat aber eine inhaltliche Agenda, die er verfolgt. Als erster amtierender USA-Präsident wandte er sich per Videokonferenz an den „Marsch für das Leben“, die weltweit größte, seit 1974 jährlich stattfindende Protestveranstaltung gegen Abtreibung. Mehr als 100 000 Aktivisten versammeln sich und beten gemeinsam für das Ende der Abtreibung. Die Teilnehmer wenden sich gegen das Urteil des Obersten US-Gerichts vor 45 Jahren, nach dem der Staat das Recht auf Abtreibung bis zur unabhängigen Lebensfähigkeit des Fötus nicht einschränken darf.

    DER UMSTRITTENE

    Trump handelt in dieser Frage konsequent. Mitte Januar hat sein Gesundheitsministerium eine neue Regierungsstelle eingerichtet, die Ärzten beistehen soll, die aus Glaubensgründen Abtreibung und andere Therapien verweigern. Bereits als Kandidat hatte er angekündigt, alles in seiner Macht Stehende zu unternehmen, für den Lebensschutz einzutreten. Besonders im mittleren Westen der USA brachte ihm diese Haltung viele Stimmen ein. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit erließ er ein Abtreibungsdekret. Dieses sieht vor, staatliche Zuschüsse für Organisationen zu streichen, die im Ausland, etwa in Entwicklungsländern, medizinische Dienste für Schwangerschaftsabbrüche anbieten. Im vergangenen Oktober stimmte das Repräsentantenhaus für eine Verschärfung des Abtreibungsrechts.

    Auch die staatliche Finanzierung von Abtreibungen in den USA soll gesetzlich verboten werden. Damit steht er in Kontinuität zu seinem Vorgänger Ronald Reagan und zur republikanischen Politik. Trump teilt hier auch die Sichtweise der katholischen Kirche und wird überhaupt zum Anwalt konservativer Interessengruppen. Weiße Evangelikale hatten zu 81 Prozent für Trump gestimmt. Der Präsident bedient die Gefühle seiner Anhänger, denen es vor allem auch um eine Rückbesinnung auf Werte und eine christliche Identität geht.

    Gleichwohl lässt sich über Trumps Glaubwürdigkeit trefflich streiten. Früher vertrat er andere Positionen. 1999 versicherte er in einem Fernsehinterview mit dem Sender NBC, er „hasse das Konzept von Abtreibung“, trete aber für das Entscheidungsrecht der Frau ein. Sein Lebensstil passt nicht zur „religiösen Rechten“: Trump ist zweimal geschieden. Mehr noch: Er gilt als Macho, der nachweisbar zu frauenverachtenden, sexistischen Sprüchen greift, was bereits zum Thema im Wahlkampf wurde.

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