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    Ditib im Kreuzfeuer

    Der Moscheeverband Ditib gerät immer mehr unter öffentlichen Druck. Von Heinrich Wullhorst

    Türkischer Präsident in Deutschland - Köln
    Es war im September: Der türkische Präsident Erdogan weihte die Kölner Zentralmoschee der Ditib in Köln ein. Foto: dpa

    Der aus der Türkei gelenkte Moscheeverband Ditib kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Bei der Neuwahl des Vorstandes im Januar hat man erneut eine Chance verpasst, sich vom Erdogan-System abzugrenzen. Der Einfluss der türkischen Religionsbehörde Diyanet ist offenbar weiterhin zu groß.

    Wahl hinter verschlossenen Türen

    Zwar betont Ditib immer wieder Bereitschaft zu einem Neuanfang, zu mehr Transparenz und zum Dialog. Dennoch fand die Wahl der neuen Leitung hinter verschlossenen Türen statt. Die meisten der Delegierten sind nach Medienberichten türkische Diplomaten aus Europa ohne Deutschlandbezug. Das spiegelt sich im Ergebnis wider: Drei der sieben Vorstandsmitglieder sind Vertreter oder Beamte der türkischen Religionsbehörde in Ankara, vier sind Ditib-Funktionäre aus Deutschland. Der Vorsitzende Kazim Türkmen ist Botschaftsrat, Vize Ahmet Dilek Religionsattaché und der Generalsekretär Abdurrahman Atasoy ist Imam in Diensten der Diyanet. Ein Neuanfang sieht deutlich anders aus.

    Allerdings hat die Ditib nicht nur hier die Chance zur Neujustierung verpasst. Mit dem von ihr und Diyanet veranstalteten Kongress zum Jahresbeginn in der Kölner Moschee wurde einmal mehr deutlich, wie groß die Nähe zu Islamisten und deren Positionen weiterhin zu sein scheint. Zu der Tagung waren auch Vertreter der als radikal geltenden Muslimbruderschaft eingeladen. Der Bayerische Innenminister Joachim Hermann kritisierte gegenüber der Augsburger Allgemeinen die enge Beziehung der Ditib auch zu solchen Gruppierungen. „Die Religionsfreiheit in Deutschland deckt nicht Versuche aus dem Ausland, massiven religiösen Einfluss zu nehmen“, betonte Hermann. Von der Tagung, bei der es um die „Zukunft der Muslime in Europa“ ging, wird berichtet, dass neben einer zunehmenden Islamfeindlichkeit, die man dort beklagt habe, Bestrebungen nach einem Islam deutscher oder europäischer Prägung eine klare Absage erteilt wurde.

    Es bleibt abzuwarten, ob die Ankündigung des neuen Ditib-Vorstandes, einen Beitrag zur Deeskalation leisten zu wollen und Sachthemen in den Blick zu nehmen, fruchten wird.

     

     

    Hintergrund

    Ditib ist die türkische Abkürzung für Türkisch-islamische Anstalt für Religion. Der Verband untersteht dem Präsidium für religiöse Angelegenheiten der Türkei, welches direkt dem Präsidenten unterstellt ist. Der Ditib gehören etwa 900 Moscheevereine an.

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