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    Die katholische Welt blickt auf Afrika

    Nicht umsonst trägt Kamerun, erste Station der Afrikareise von Papst Benedikt XVI., in deren Verlauf sich ein Besuch Angolas anschließt, den Beinamen „Afrique en miniature“. Hier in der Nähe des Äquators findet man in einem einzigen Land die ganze Vielfalt Afrikas gebündelt vor. Die Nord-Süd-Ausdehnung Kameruns überschreitet mehrere Klima- und Vegetationszonen. In einem einzigen Land Afrikas kann man so beim Durchreisen fast alle Landschafts- und Lebensräume dieses Kontinents kennen lernen – von den Mangrovensümpfen im Süden bis hin zur trockenen Sahelzone im äußersten Norden. Zudem ist die Bevölkerung so gemischt und multikulturell wie in kaum einem anderen afrikanischen Staat. Dies liegt vor allem an der Geschichte Kameruns, in der immer wieder große Einwanderungswellen eine Rolle spielten.

    Nicht umsonst trägt Kamerun, erste Station der Afrikareise von Papst Benedikt XVI., in deren Verlauf sich ein Besuch Angolas anschließt, den Beinamen „Afrique en miniature“. Hier in der Nähe des Äquators findet man in einem einzigen Land die ganze Vielfalt Afrikas gebündelt vor. Die Nord-Süd-Ausdehnung Kameruns überschreitet mehrere Klima- und Vegetationszonen. In einem einzigen Land Afrikas kann man so beim Durchreisen fast alle Landschafts- und Lebensräume dieses Kontinents kennen lernen – von den Mangrovensümpfen im Süden bis hin zur trockenen Sahelzone im äußersten Norden. Zudem ist die Bevölkerung so gemischt und multikulturell wie in kaum einem anderen afrikanischen Staat. Dies liegt vor allem an der Geschichte Kameruns, in der immer wieder große Einwanderungswellen eine Rolle spielten.

    Seiner kolonialen Vergangenheit verdankt das westafrikanische Land zwei Amtssprachen, Englisch und Französisch. Dazu gibt es etwa 280 indigene Sprachen. Am stärksten verbreitet sind die Bantusprachen, die von vierzig Prozent der Bevölkerung gesprochen werden. Der europäische Einfluss in Kamerun begann 1472 mit der Ankunft portugiesischer Seeleute an der Küste des Landes. Um 1520 begann ein Handel mit den Portugiesen, insbesondere mit Elfenbein, Palmöl und Zuckerrohr; auch Sklavenhandel wurde betrieben. 1868 begann mit der Errichtung von Handelsniederlassungen an der Mündung des Wouri-Flusses der Einfluss des Deutschen Reiches auf Kamerun und wurde immer stärker. Mit den am 14. Juli 1884 zwischen den Königen von Duala und anderen regionalen Herrschern und dem deutschen Generalkonsul Gustav Nachtigal als kaiserlichem Kommissar geschlossenen Schutzverträgen wurde Kamerun sogenanntes „deutsches Schutzgebiet“. Die tatsächliche Inbesitznahme des Hinterlandes vollzog sich allerdings erst in den darauf folgenden dreißig Jahren und war bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges noch nicht endgültig abgeschlossen. Durch den Versailler Vertrag von 1919 ging Kamerun offiziell in den Besitz des Völkerbundes über, der wiederum ein Mandat zur Verwaltung an Großbritannien und Frankreich gab, wobei letzteres vier Fünftel des Territoriums erhielt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Völkerbundmandate durch die Vereinten Nationen in Treuhandmandate umgewandelt mit dem Ziel der allmählichen Selbstverwaltung des Gebietes. In den Jahren bis 1957 kam es immer wieder zu Unruhen. Das ehemalige französische Ost-Kamerun ist seit dem 1. Januar 1960 unabhängig, das britische West-Kamerun folgte im Oktober 1961.

    Seit etwa hundert Jahren besteht die katholische Kirche in Kamerun, vielfach von Deutschland aus unterstützt und aus der religiösen Gemeinschaft der Pallottiner heraus gegründet. Der erste Bischof von Kamerun, Heinrich Vieter, war Pallottiner. Er liegt in der Hauptstadt Yaoundé begraben und wird heute als Apostel Kameruns verehrt. Der Pallottiner-Pater war seit 1890 in der deutschen Kolonie Kamerun tätig gewesen und leitete die Gruppe von Pallottinern, die in diesem westafrikanischen Land als Missionare wirkten. Nach seiner Bischofsweihe am 22. Januar 1905 im Limburger Dom erbaute er in der Hafenstadt Douala die St. Peter und Paul-Kirche, die die erste Kathedrale Kameruns sein sollte.

    Über die Hälfte der Bevölkerung Kameruns bekennt sich zum christlichen Glauben. Die Katholiken machen 26,3 Prozent der Bevölkerung aus. Sehr stark verbreitet sind indigene Naturreligionen, die von vierzig Prozent der Bevölkerung praktiziert werden, teilweise auch in Verbindung mit dem christlichen Glauben. Die kirchlichen Strukturen setzen sich aus fünf Metropolitansitzen und achtzehn Bistümern zusammen, wobei sich die pastorale Arbeit auf 629 Pfarrgemeinden konzentriert. Das Problem des Priestermangels existiert in Kamerun nicht. Den 629 Pfarrgemeinden stehen 1 519 Diözesan- und Ordenspriester zur Verfügung. Die Zahl der Priesteramtskandidaten ist konstant. In den Diözesan- und Ordenseinrichtungen bereiten sich knapp 1 200 Kandidaten auf das Priesteramt vor. Nicht zu unterschätzen allerdings ist die intensive Infiltration der liberalen Moslems durch Islamisten aus Libyen und dem Sudan sowie durch ultra-orthodoxe evangelikale Gruppen aus den Vereinigten Staaten.

    Anfang 2008 hatten Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz Kamerun besucht. Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Ludwig Schick, sagte nach seiner Rückkehr gegenüber Radio Vatikan: „Zunächst einmal ist festzustellen und überall zu sehen, dass die Kirche in Kamerun sehr aktiv ist und sehr viel wirkt. Sowohl was Evangelisation angeht; es gibt viele Erwachsenentaufen, das ist ein sehr positives Zeichen. Es gibt sehr viele Gottesdienstbesucher und sehr viel Mitwirkung auch von Laien in der Kirche. Das wirkt sich auf die sozialen Verhältnisse aus. Dadurch, dass die Kirche stark ist, kann sie auch im sozialen Bereich etliches tun. Das heißt, den Armen beistehen, auch im Krankheitswesen, auch was die Aids-Problematik angeht. Sie kann auch dazu beitragen, dass es Schulen gibt. Bildung ist nach wie vor das A und O jeder Entwicklung. Da ist die Kirche in Kamerun stark.“

    Hier kommen auf die Kirche große Herausforderungen zu. Die Alphabetisierungsrate in Kamerun liegt bei 68 Prozent und gehört zu den höchsten in Afrika. Die Institutionen des öffentlichen Sektors werden durch die Bevölkerung als korrupt wahrgenommen, obwohl das Land unter den afrikanischen Ländern diesbezüglich nur eine mittlere Position einnimmt. Zudem haben sinkende Rohstoffpreise, versiegende natürliche Ressourcen und politische Misswirtschaft Kamerun in eine schon zwei Jahrzehnte andauernde Wirtschaftskrise gestürzt. Über die Hälfte aller Familien lebt von weniger als einem US-Dollar pro Kopf am Tag. Besonders in den Industriemetropolen haben viele Familien ihr reguläres Einkommen verloren. Kleingewerbe und Dienstleistungen wie etwa als Straßenhandel oder ein kleines Stück Land und einige Tiere bilden ihre einzige Überlebenschance. Immer mehr Familien haben Schwierigkeiten, den Schulbesuch und die Berufsausbildung für ihre Kinder zu bezahlen. Die Schulabgänger haben zumeist keine Chance, eine reguläre Beschäftigung zu finden, die sie ernährt. Beispielhaft ist daher eine Aktion der Erzdiözese Douala. Jugendliche aus armen Familien erhalten hier eine angepasste Berufsbildung, die sich an den realen Gegebenheiten im Klein- und Kleinstgewerbe orientiert. Ehrenamtliche Helfer begleiten die besonders bedürftigen Jugendlichen während der Ausbildung und Berufsvorbereitung, die durchschnittlich zwanzig Monate dauert. Hier lernen die jungen Frauen und Männer mit einfachsten Mitteln Kleidung und Haushaltsgeräte herzustellen oder Fahrzeuge zu reparieren. Oft genügen dafür eine Nähmaschine und ein Tisch oder ein wenig Werkzeug. Anschließend unterstützt die Kirche sie dabei, eine Arbeitsstelle zu finden oder ein eigenes Kleingewerbe aufzubauen. Kooperationen mit Verbänden der Kleinunternehmer, Programmen zur Kleingewerbeförderung und für Mikrokredite sowie mit Straßenkinderprogrammen verbreitern die Basis, auf der die Hilfe gedeiht. Eine Erfolgsstory: Etwa fünfzig Jugendliche werden jedes Jahr ausgebildet. Vier von fünf beenden die Ausbildung erfolgreich. Die meisten von ihnen arbeiten später in ihrem erlernten oder einem verwandten Beruf.

    Die Ankündigung der Afrikareise von Papst Benedikt XVI. jedenfalls hat in Kamerun Freude und Begeisterung ausgelöst. „Wir danken dem Heiligen Vater, dass er die Einladung der Bischofskonferenz und des Staatschefs dieses Landes zu einem Besuch in Kamerun angenommen hat“, erklärte der Apostolische Nuntius in Kamerun und Äquatorialguinea, Erzbischof Eliseo Antonio Ariotti, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Fides. „Die Vorbereitungen auf den Besuch haben bereits begonnen. Insbesondere hat die Bischofskonferenz bereits erste Initiativen auf den Weg gebracht, damit der Besuch des Papstes Anlass zu geistlichem Wachstum für das Land wird“, fuhr der Erzbischof fort. Die Kirche in Kamerun sei „sehr lebendig“; überall sei ein „großer religiöser Eifer“ spürbar. Im Jahr 2009 steht Afrika aus Sicht des Papstes bislang im Mittelpunkt. Im Oktober tagt außerdem die Bischofssynode zu Afrika im Vatikan.

    Von Carl-H. Pierk