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    Die ganze Schöpfung im Blick haben

    Herr Pater Dartmann, über die Hälfte des Zeitraums der Renovabis Pfingstaktion ist vorbei. Wie läuft Ihre Aktion bisher? Wir sind sehr zufrieden bisher. Gerade haben wir eine Auswertung gemacht über die Auftaktveranstaltung in München.

    . Foto: Archiv

    Herr Pater Dartmann, über die Hälfte des Zeitraums der Renovabis Pfingstaktion ist vorbei. Wie läuft Ihre Aktion bisher?

    Wir sind sehr zufrieden bisher. Gerade haben wir eine Auswertung gemacht über die Auftaktveranstaltung in München. Dort haben wir sehr viel Interesse gespürt, besonders bei jüngeren Leuten. Natürlich kamen uns hier die Diskussionen um Atomkraft und Fukushima zugute. Es wurde deutlich, dass die Schöpfung, in der wir leben, nicht eine Selbstverständlichkeit ist, sondern etwas, wofür wir vor Gott Verantwortung übernehmen müssen, damit sie auch künftigen Generationen erhalten bleibt. Dass sich dieses Interesse für das Thema auch in höheren Kollekteneinnahmen niederschlägt, kann man nur hoffen. Das Ergebnis der Kollekte steht und fällt damit, wie Pfarrer und andere Verantwortliche die Botschaft der Aktion rüberbringen.

    Wie viel Geld ist denn in den vergangenen Jahren zusammengekommen?

    In den vergangenen Jahren konnten wir mit den Pfingstaktionen immer rund sechs Millionen Euro sammeln. Wir mussten aber zuletzt klare Einbußen hinnehmen und hoffen, dass wir in diesem Jahr wieder einen Zuwachs verzeichnen können.

    Ihr Motto heißt „Gottes Schöpfung – uns anvertraut. Ost und West in gemeinsamer Verantwortung“. Wie kam es dazu?

    Wir haben in den letzten Jahren bei unseren Partnern im Osten ein wachsendes Interesse an Projekten gespürt, die mit Ökologie, Energiesparmaßnahmen und Nachhaltigkeit zu tun haben. Schon deswegen liegt das Thema auf der Hand. Im Hintergrund steht aber auch das traurige Jubiläum von „25 Jahre Atomunfall in Tschernobyl“. Das Katastrophengebiet umfasst ja drei Länder (Ukraine, Russland und Weißrussland), in denen Renovabis aktiv ist. So finanzieren wir etwa seit zehn Jahren Projekte für Kinder, die geschädigt sind durch die Spätfolgen dieses Unglücks. Erst vor 14 Tagen war ich in Gomel, Weißrussland, bei der Einweihung eines von polnischen Benediktinerinnen geleiteten Kinderdorfes.

    Welche ökologischen Probleme gibt es denn noch neben Tschernobyl?

    Ich habe in den letzten Monaten viele Bauten gesehen, wo man unter ökologischen Gesichtspunkten nicht sehr weit gedacht hat. Angesichts steigender Energiekosten in der letzten Zeit besteht die Gefahr, dass die kirchlichen Träger die Tätigkeit dort kaum noch finanzieren können. Ein großes Problem ist auch die Wasserqualität oder die Frage der Mülltrennung, die erst langsam in das Bewusstsein der Menschen eindringt. Es fehlt vielerorts an Bewusstsein für diese Fragen. Das Thema Schöpfung ist daher auch Bildungsauftrag. Allerdings möchte ich betonen, dass Ökologie nur ein Aspekt unserer Förderung ist. Der Löwenanteil der fast 30 Millionen Euro, die wir jedes Jahr für Osteuropa ausgeben, geht nach wie vor in pastorale und karitative Projekte, in Bildung und die Existenzsicherung der Priester und Ordensleute vor Ort.

    Nachhaltigkeit, Umwelt und Energieeffizienz gehören nicht gerade zu den Kernkompetenzen der Kirche. Warum sollte man dem Beispiel der Kirche dennoch folgen?

    Beim Thema „Umweltschutz“ beansprucht Kirche keine Kernkompetenz, zumindest nicht, wenn es um technisches Know-how geht. Die Frage der Schöpfung allerdings und der religiös motivierten Verantwortung für die uns von Gott anvertraute Welt gehört ganz wesentlich zu einem Glauben, der die Erde liebt. Was die Grundlagen des Lebens angeht, den Schutz des Lebens, steht viel auf dem Spiel. Als katholische Christen setzen wir uns für den Schutz des Lebens ein. Dabei müssen wir aber alles im Blick haben – vom vorgeburtlichen Leben bis hin zu den alten Menschen und dem Sterben. Dieses Engagement wird unglaubwürdig, wenn wir nicht auch den Teil der Schöpfung im Blick haben, den man im säkularen Kontext nur „Umwelt“ nennt. Wir setzen uns dafür ein, dass dieses Anliegen mehr und mehr an Unterstützung gewinnt.