• aktualisiert:

    „Die Sportler können nichts dafür“

    Sie sind als Olympiapfarrer des österreichischen Teams bei den Olympischen Spielen in Sotschi dabei.

    Am Freitag wurden sie feierlich eröffnet: Die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Foto: dpa

    Sie sind als Olympiapfarrer des österreichischen Teams bei den Olympischen Spielen in Sotschi dabei. Wie wird man als Zisterziensermönch aus Heiligenkreuz Olympiapfarrer?

    Pater Bernhard Maier SDB war 30 Jahre lang Seelsorger für die olympischen und paralympischen Spiele und hat das mit großer Leidenschaft gemacht. Nun wollte er diesen Bereich in jüngere Hände legen. Erzbischof Franz Lackner, der in Österreich für die Sportseelsorge verantwortlich ist, hat mich gefragt, ob ich diese Aufgabe übernehmen möchte und ich habe Ja gesagt.

    Was genau sind die Aufgaben eines Olympiapfarrers bei den Spielen?

    Die Aufgaben, die ein Priester hat: die Heilige Messe zu feiern, die Sakramente anzubieten, das Evangelium zu bezeugen, ansprechbar zu sein, zuzuhören..., ein Guter Hirte zu sein.

    Bietet die Spiritualität der Zisterzienser besondere Antworten für Athleten und Olympioniken?

    Athleten und Teilnehmer bei olympischen Spielen sind keine anderen Menschen. Auch ihnen gegenüber geht es darum, den Vorrang Gottes deutlich zu machen. Vor allem und zuerst, indem man für sie betet.

    Höchstleistungen und maximale Enttäuschung, Freude und Frust liegen bei sportlichen Wettkämpfen wie den Olympischen Spielen eng beieinander. Wenn Sportler da seelische Unterstützung suchen, gehen die heute nicht eher zum Mentaltrainer und/ oder zum Psychologen als zu einem Priester?

    Das werde ich Ihnen nach den Spielen beantworten können. Aber viele Sportler haben mich schon wissen lassen, dass sie sich freuen, dass ein Priester mitkommt. Ein Priester ist eben doch noch einmal etwas ganz anderes als ein Mentaltrainer.

    Was unterscheidet Ihr seelsorgerisches Angebot von solchen sporttherapeutischen Hilfen?

    Der Unterschied ist eine Person: Jesus Christus.

    Menschenrechtsorganisationen haben die Vergabe der Spiele nach Russland scharf kritisiert. Mit welchen Gefühlen sind Sie nach Sotschi gereist?

    Wenn olympische Spiele auf Kosten von Menschen veranstaltet würden, dann wäre das absolut inakzeptabel und zu kritisieren! Meiner Meinung nach würde eine Sensibilisierung dafür beim IOC notwendig sein, aber meine Einblicke sind da nur sehr, sehr gering.

    Menschenrechtsverletzungen, Enteignungen, Terrorgefahr: Können diese Olympischen Winterspiele in Sotschi „Spiele mit gutem Gewissen“ sein?

    Ich glaube, dass es nicht richtig ist, diese Fragen auf Kosten der Sportler auszutragen und ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen, denn die können überhaupt nichts dafür, dass Menschenrechte verletzt werden. Klar ist aber auch, dass man aus einer Haltung des Glaubens heraus immer und überall sich für die Rechte von Menschen, besonders der armen und ausgegrenzten, einsetzen muss und nicht durch Schweigen zum Mittäter werden darf.

    „Der Sport ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sport. Der Mensch muss Vorrang haben vor allen instrumentalisierenden Interessen“
    Der olympische Gedanke wird einerseits bedroht durch die ständig wachsende Kapitalisierung und Kommerzialisierung der Spiele, andererseits durch deren politische Instrumentalisierung. Sind unter diesen Bedingungen die alten olympischen Ideale und Tugenden, die Rede vom „Treffen der Jugend der Welt“, von Frieden und Völkerverständigung, nicht längst ad absurdum geführt? Alles hohle Phrasen, Hauptsache der Rubel rollt?

    Mein Eindruck ist, dass da wirklich manchmal die Schwerpunkte falsch liegen. Es muss klar sein: Der Sport ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sport. Und: Der Mensch muss Vorrang haben vor allen instrumentalisierenden Interessen.

    Sehen Sie Berührungspunkte zwischen dem olympischen Gedanken und der Botschaft der Kirche?

    Ja, es geht bei beidem darum, dass über Grenzen hinweg Gemeinschaft entsteht und über alle Unterschiede hinweg das Gemeinsame betont wird und wächst.

    Warum ist es wichtig, dass die Kirche bei Olympischen Spielen Flagge zeigt und Priester unter den Athleten sind?

    Wir zeigen keine Flagge. Es ist einfach jemand da, der von Gott her zu den Menschen gesandt ist. Bei ihnen ist. Sie nicht nur unter dem Aspekt „Leistung“ ansieht, sondern sie als das nimmt was sie sind: Menschen mit einem Herz und einer Sehnsucht nach Leben.

    Was machen Sie eigentlich selbst für einen Sport? Und welche Disziplinen werden Sie in Sotschi besonders verfolgen?

    Ich war früher in einem Ruderclub. Heute bin ich hobbymäßig gerne auf den Skiern unterwegs, spiele manchmal Fußball und Tennis. Den Skispringern habe ich mit einem Augenzwinkern gesagt, dass sie mir besonders sympathisch sind, denn so wie wir Priester bewegen sie sich zwischen Himmel und Erde!

    Wann würden Sie aus Sicht eines Priesters diese Spiele als „Erfolg“ verbuchen?

    Ein Teil der Samen „schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach“ (Mt 13,8).