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    Die Jagd auf Piraten wird immer erfolgreicher

    Die Kisten mit rund vier Tonnen Ausrüstung, Waffen, Munition und Verpflegung sowie die Seesäcke sind verstaut. Die Unterkünfte in dem verwinkelten, mit zahlreichen Treppen durchzogenen Deckshaus und in dem einfachen Container an Oberdeck sind bezogen. Erstmals ist ein deutsches „autonomes Schutzteam“ an Bord eines Frachters im Auftrag des Welternährungsprogramms. Am vergangenen Freitag ist die „Caroline Scan“ aus dem somalischen Hafen in Djibouti ausgelaufen. Der unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahrende Frachter der deutschen Reederei Buss aus Leer wurde eigens für das Welternährungsprogramm gechartert. Die 15 deutschen Soldaten der Marineschutzkräfte bilden das neue Team des „Autonomous Vessel Protection Detachments“ (AVPD), was so viel heißt wie „selbstständige Einheit zum Schutz eines Schiffes“. Die Gruppe wird für die nächsten vier Monate das 100 Meter lange Schiff mit samt seiner Besatzung beschützen. Notfalls werden die Soldaten auch mit Waffengewalt Angriffe durch Piraten abwehren, damit die Güter des Welternährungsprogramms sicher die somalischen Häfen erreichen. Die „Caroline Scan“ läuft regelmäßig die somalischen Häfen Mogadischu, Bosaso und Berbera an. Die Soldaten des Schutztrupps werden in den Häfen nicht an Land gehen, sondern von Bord aus das Schiff und sich selbst gegen mögliche Attacken schützen.

    Seit der Erweiterung des Mandats machen deutsche Soldaten im Rahmen von „Atalanta“ nicht nur zur See Jagd auf Piraten. Foto: dpa

    Die Kisten mit rund vier Tonnen Ausrüstung, Waffen, Munition und Verpflegung sowie die Seesäcke sind verstaut. Die Unterkünfte in dem verwinkelten, mit zahlreichen Treppen durchzogenen Deckshaus und in dem einfachen Container an Oberdeck sind bezogen. Erstmals ist ein deutsches „autonomes Schutzteam“ an Bord eines Frachters im Auftrag des Welternährungsprogramms. Am vergangenen Freitag ist die „Caroline Scan“ aus dem somalischen Hafen in Djibouti ausgelaufen. Der unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahrende Frachter der deutschen Reederei Buss aus Leer wurde eigens für das Welternährungsprogramm gechartert. Die 15 deutschen Soldaten der Marineschutzkräfte bilden das neue Team des „Autonomous Vessel Protection Detachments“ (AVPD), was so viel heißt wie „selbstständige Einheit zum Schutz eines Schiffes“. Die Gruppe wird für die nächsten vier Monate das 100 Meter lange Schiff mit samt seiner Besatzung beschützen. Notfalls werden die Soldaten auch mit Waffengewalt Angriffe durch Piraten abwehren, damit die Güter des Welternährungsprogramms sicher die somalischen Häfen erreichen. Die „Caroline Scan“ läuft regelmäßig die somalischen Häfen Mogadischu, Bosaso und Berbera an. Die Soldaten des Schutztrupps werden in den Häfen nicht an Land gehen, sondern von Bord aus das Schiff und sich selbst gegen mögliche Attacken schützen.

    Neu ist der Auftrag im Prinzip nicht. Der entscheidende Unterschied zum bisherigen Einsatz der „Vessel Protection Detachments“ (VPD) auf zivilen Schiffen ist jedoch, dass die Soldaten des AVPD nicht auf einer Fregatte abgestützt sind, die dann ihrerseits ein Handelsschiff begleitet, sondern dass sie für längere Zeit auf dem zivilen Schiff leben und dieses, unabhängig von Kriegsschiffen, bei seiner Fahrt durch das Operationsgebiet begleiten. Schon bisher hatten die Bundeswehr und andere Streitkräfte Schutzteams eingesetzt, die an Bord von Handelsschiffen mitreisen, um Angriffe von Piraten abzuwehren. Voraussetzung war, dass stets ein Kriegsschiff in der Nähe war, um notfalls militärische oder medizinische Hilfe zu leisten. „Autonom“ bedeutet, dass das Team nun ohne solche Rückendeckung im Einsatz ist.

    Das Horn von Afrika gehört seit Jahren zu den am stärksten von Piraterie gefährdeten Gebieten der Welt. Nachrichten von Angriffen durch Piraten oder entführten Handelsschiffen machten Schlagzeilen. Aufgrund der schwierigen Sicherheitslage mussten viele Hilfsorganisationen ihre Arbeit in Somalia stark einschränken oder ganz einstellen. Die humanitäre Hilfe durch Lieferungen des Welternährungsprogramms erfolgt überwiegend auf dem Seeweg. Der Schutz durch die Operation „Atalanta“ ist daher für die Versorgung der somalischen Bevölkerung mit Lebensmitteln von zentraler Bedeutung. Benannt ist sie nach der griechischen Sagengestalt Atalanta, einer Jägerin. Die Europäische Union verfolgt mit dieser Operation das Ziel, die Piraten am Horn von Afrika und im Seegebiet bis zu 500 Seemeilen vor der Küste Somalias und seiner Nachbarländer abzuschrecken und die Seeräuberei einzudämmen. Mit Erfolg. Seit Monaten nimmt die Zahl der Übergriffe ab. Wurden im Rekordjahr 2010 insgesamt 47 Handelsschiffe entführt, waren es 2011 noch 25 Schiffe, die Beute der Seeräuber wurden. Seit Beginn dieses Jahres konnten die Piraten nur fünf Schiffe in ihre Gewalt bringen. Auch die Zahl der versuchten Übergriffe nimmt kontinuierlich ab. Die Zusammensetzung der Flotte wechselt ständig, weil viele Staaten nur für einige Monate dabei sind und danach von anderen Truppenstellern abgelöst werden.

    Seit Aufnahme der multinationalen Operation im Dezember 2008 überwachen Kriegsschiffe die Küste Somalias und große Teile des Indischen Ozeans. Zurzeit befinden sich die deutsche Fregatte „Sachsen“ sowie ein Seeraumaufklärer „P-3C Orion“ im Einsatz. Die Fregatte „Sachsen“ mit ihren 250 Besatzungsmitgliedern hatte am 8. August die Aufgaben der „Bremen“ in der „Atalanta“-Mission übernommen. Und war bereits erfolgreich. Am Samstagvormittag hatten sieben Somalier eine iranische Dhau in ihre Gewalt gebracht. Der Kapitän des gekaperten Seglers konnte zuvor mit dem Kommandanten der Fregatte Verbindung aufnehmen. Nach erteilter Erlaubnis durch den Kapitän des iranischen Schiffes enterten deutsche Soldaten das gekaperte Schiff. Sie konnten die sieben Somalier festnehmen und an Bord der Fregatte bringen.

    Nicht nur die Präsenz der multinationalen Operation „Atalanta“ schreckt Piraten ab, auch der bessere Schutz der Handelsschiffe zeigt Wirkung. Die Reedereien rüsten ihre Schiffe inzwischen mit bewaffneten Sicherheitsmännern, Stacheldraht an der Reling, Wasserkanonen und Schutzräumen aus, in denen die Besatzung im Notfall Zuflucht finden kann. Bisher reagierten die Piraten auf jeden Schachzug der internationalen Gemeinschaft mit einer Gegenstrategie: Sie weichen den Kriegsschiffen aus und operieren jetzt in einem viel größeren Seegebiet. Und sie rüsten ihrerseits militärisch auf. Dank der Lösegelder ist das für sie kein Problem. Allein im vergangenen Jahr sollen sie nach Schätzungen 200 Millionen Dollar erpresst haben.

    Um die „Atalanta“-Mission effektiver zu machen, erweiterte die Bundesregierung das Mandat der Bundeswehr. Künftig sollen die Soldaten nicht nur auf dem Meer, sondern auch auf einem Küstenstreifen von zwei Kilometern gegen die Piraten vorgehen dürfen. Deutschland folgt damit anderen Ländern, die an „Atalanta“ beteiligt sind. Experten halten die zwei Kilometer an Land für viel zu wenig: Die Piraten könnten ihre Stellungen einfach etwas weiter ins Landesinnere verlegen und weitermachen wie bisher. Andere warnen dagegen vor einer weiteren Eskalation der Gewalt durch diese Veränderung des Mandats. Sie sind davon überzeugt, dass das Problem nicht militärisch zu lösen sei. Stattdessen müssten die Finanzquellen ausgetrocknet und die Hintermänner gefasst werden. Vor allem aber brauchten die jungen Somalier Jobs und wirtschaftliche Entwicklung. Für viele ist die Piraterie noch immer die einzige berufliche Perspektive.